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»Heavy Metal von seiner schönsten Seite«

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Mit einem besonderen Jubiläumskonzert feierte das Grassauer Blechbläser Ensemble unter Leitung von Wolfgang Diem (links) den 30. Auftritt an Erntedank in Baumburg zusammen mit dem Hornquartett der Bayerischen Staatsoper und Moderatorin Sabine Sauer (Bildmitte). (Foto: Schlaipfer)

Eine Tradition, die gleichzeitig ein musikalischer Hochgenuss ist, ist das alljährliche Erntedankkonzert des Grassauer Blechbläser Ensembles unter Wolfgang Diem in Baumburg. Dieses Jahr fand es bereits zum 30. Mal statt – vor vollem Haus, sprich voller Stiftskirche. Und auch dieses Mal verzauberten die zehn Musiker aus Grassau – anlässlich des Jubiläums unterstützt von den »Munich Opera Horns«, den Hornisten der Bayerischen Staatsoper. Durchs Programm führte die bekannte Moderatorin Sabine Sauer (moderiert im Bayerischen Fernsehen unter anderem »Unter 4 Augen«).


Zwei professionelle Ensembles wirken zusammen

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Sabine Sauer bekannte, eine »treue Anhängerin« und eine begeisterte Zuhörerin der zehn Musiker – Matthias Linke, Konrad Müller, Rupert Schmidhuber, Peter Boschner (alle Trompete), Sebastian Krause (Horn), Wolfgang Diem, Oswald Mayr, Tobias Spörlein (Posaune), Johann Schmuck (Bassposaune) und Peter Gassner (Tuba) – zu sein.

»Das ist Heavy Metal von der schönsten Seite«, leitete Sabine Sauer zum ersten großen Werk über – der großen »Mozart-Fanfare« von Joseph Messner, der auch die Salzburger Festspielfanfare schuf –, das die Grassauer Blechbläser zusammen mit dem Hornquartett der Staatsoper in einem Arrangement von Matthias Linke vortrugen. Bereits hier kündigte sich an, dass Profis in beiden Ensembles zusammenwirken: nicht nur die feine Abstimmung, sondern erneut die Perfektion in Ansatz und Adaption überzeugten.

In der folgenden Hommage an Johann Sebastian Bach (Sauer würdigte die Musik Bachs nicht nur als zeitlos, sondern als »Musik der Zukunft«) stellten sich beide Ensembles einzeln vor. Das Hornquartett um Stefan Böhning, Milena Viotti, Casey Rippon und Christian Loferer verwandelte die Prelude Nr. 12 aus dem wohltemperierten Klavier mit Bravour im Arrangement von Christopher Morwat in ein Bläserstück der Extraklasse.

Heiterer Kontrapunkt dazu das Allegro der Brandenburgischen Konzert Nr. 3., welche die Grassauer in einem harmonierenden Bild aus Klangfarben und -welten lebendig werden ließen. Den »englischen Block« aus drei Stücken von großen Komponisten der »Insel« leitete Sabine Sauer mit herbstlichen Gedichts-Klassikern von Erich Kästner und Rainer-Maria Rilke ein. Den Anfang machte der schon in jungen Jahren berühmte Komponist Henry Purcell (»In these delightful, pleasent groves«), gefolgt von Thomas Batesons »Love is a dainty«.

Diesem musikalischen Leckerbissen (»dainty«), aufgetischt von den Grassauer Blechbläsern, folgte ein ungewöhnliches Werk: Ungewöhnlich insofern, da es aus der Feder eines Königs stammt und noch ungewöhnlicher, da es ein tyrannischer Herrscher mit einem »Wahnsinns-Frauenverschleiß«, wie Sabine Sauer anmerkte, schuf – die »Rose without a thorn« komponierte Heinrich VIII. Was die Grassauer Blechbläser daraus machten, zeugte tatsächlich von musikalischer Größe und ebensolchen Genius.

Eine weitere Größe der Musikwelt sollte mit den »Fest- und Gedenksprüchen« zu Ehren kommen: Johannes Brahms. Auch hier zeigte Matthias Linke als Arrangeur sein feines Gespür und schneiderte das einst für einen achtstimmigen Chor geschaffene Werk auf »Blech« gekonnt um. Und wieder passte alles: Einsätze, Ansätze, Abstimmung – ob als Quartett, Quintett oder alle zusammen, die Grassauer stellten einmal mehr unter Beweis, dass sie ein erfahrenes, eingespieltes Team sind, das in auch noch so schwierig zu spielenden Werken fehlerfrei harmoniert. Imposant und zugleich ein Gradmesser für das professionelle Spiel der »Munich Opera Horns« war deren letztes Stück, die »Prozession der Mönche«, das Giuseppe Verdi für die Introduktion des »Don Carlos« geschaffen hatte.

Blechbläser bleiben konsequent bei der Klassik

Hatten die Grassauer in den vergangenen Jahren bei den Erntedank-Konzerten immer wieder auch auf Neues und Modernes gesetzt, so blieben sie diesmal konsequent auf klassischer Linie. Mit dem »Concerto a due Chori« von Georg Friedrich Händel zündeten sie ein abschließendes, festliches Feuerwerk, passend ins barocke Umfeld der Baumburger Kirche.

Es sollte natürlich nicht das letzte Stück sein: Zwei Zugaben lieferten die beiden Ensembles. Die letzte setzte Rupert Schmidhuber in Würdigung seines Vaters und unter Einbeziehung der Zuhörer als großen Chor um. Bei »Im schönsten Wiesengrunde« von Wilhelm Ganzhorn fungierte er als Dirigent und Bindeglied zusammen mit Hornquartett und allen Musikern des Grassauer Ensembles – ein fulminantes Finale für ein schönes Jubiläum. Stephan Schlaipfer