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Heiliger Mann mit geschmälertem Gefolge

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Das Foto, das am Schwarzeckerweg entstanden ist, täuscht: Man könnte denken, es handle sich um eine komplette Buttnmandlbass. Aber hinter Nikolaus und Nikolausweibe gehen nur zwei Buttnmandl, mehr waren es dieses Jahr nicht. (Fotos: B. Stanggassinger)
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Die Buttnmandl-Attrappen stehen auf der Kollerhöhe, wo traditionell gebetet wird.

Bischofswiesen – Das Buttnmandllaufen in Loipl findet immer am 1. Adventssonntag statt. Nachdem die Buttnmandl bei verschiedenen Bauernhöfen gebunden wurden, laufen sie zusammen und holen gemeinsam im Thürlehen den heiligen Nikolaus mit dem Nikolausweibe ab. Auf der Kollerhöhe stellt man sich im Kreis zusammen und betet. Danach wird jeder einzeln von der Bäuerin mit Weihwasser besprengt. In diesem Jahr durfte der Brauch aus bekannten Gründen aber nicht wie sonst ausgeführt werden.

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Loipl war vergangenen Sonntag winterlich weiß, zum einen von Rauhreif und später schneite es auch noch. Obwohl niemand wusste, was an diesem Tag in Loipl vor sich gehen würde, fuhren viele Schaulustige mit ihren Autos in die Gnotschaft. Eine Polizeistreife patrouillierte. Es kam der Einbruch der Dunkelheit, viele Pkw parkten am Götschenparkplatz. »Schau hin, die sind zusammengelaufen«, war zu hören. Von wegen – auf der Kollerhöhe (hier wurde immer gebetet) hat man sechs »Buttnmandl-Attrappen aufgestellt. Aus der Entfernung wirkten sie zunächst täuschend echt. Doch bald waren die fehlende Akustik und der Bewegungsstillstand offensichtlich.

Zu den Kindern in Loipl sollte heuer dennoch der heilige Nikolaus kommen. Niemand der Anwohner wusste, wann er kommt. Niemand wusste, wo sich der Nikolaus anzieht und von wo er weg geht. Jeder wusste jedoch, dass der Nikolaus kein Haus betritt und die Besuchten vor das Haus kommen mussten. Wo also vor dem Haus festlich geschmückt oder gar in einer Feuerschale Holz brannte, wusste man, dass er kommen wird. Es war schon stockdunkel und nichts war zu hören und zu sehen. So fuhren viele Schaulustige wieder nach Hause. Plötzlich waren sie da, am Schwarzeckerweg. Der Nikolaus, das Nikolausweibe und zwei Strohbuttnmandl. Sie besuchten eine Familie. Der Nikolausbesuch fand vor dem Haus mit dem nötigen Abstand statt. Der heilige Mann sprach mit den Kindern und ging kurz auf die schwierige Zeit ein. Er bat alle, gemeinsam ein Vaterunser zu beten, um die Pandemie gut zu überstehen. Dabei knieten die Buttnmandl.

Anschließend ging es für Nikolaus und geschmälertes Gefolge weiter in unbekannte Richtung durch die finstere Winternacht.

Bernhard Stanggassinger