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»Heimspiel« für einen Schlechinger Waldhornisten

Regnerisch und lausig kalt war es wieder einmal am Streichen, als die Konzertsaison im Kircherl eröffnet wurde. Die Veranstalter sprachen schon mit fatalistischer Ironie von »unserem Konzertwetter«. Doch im Schutz des Kirchenraums, der natürlich auch noch ziemlich kühl war, war das vergessen, als das PentAnemos Bläserquintett mit Hanna Petermann (Flöte), Dirk Kammerer (Oboe), Jussef Eisa (Klarinette), dem Hornisten Christian Loferer aus Schleching, der sein Quintett 2009 schon einmal auf den Streichen mitgebracht hatte, und Susanne von Hayn (Fagott) sein wohldurchdachtes Programm aufblätterte.

Hanna Petermann, Dirk Kammerer, Susanne von Hayn, Christian Loferer und Jussef Eisa (v. l.) im Streichenkircherl. (Foto: Kaiser)

Die Jahres-Jubliare Giuseppe Verdi und Richard Wagner, beide 1813 geboren, standen am Anfang. Die Ouvertüre zu Verdis Oper »Nabucco«, reduziert auf fünf Holzbläser, hatte alles, was ein Opernvorspiel braucht: eine getragene Einleitung, einen dramatischen Übergang, hier zu »Teure Heimat«, und festlich-fröhliche Italianità, schon fast rossinihaft, zum Schluss, mit einer frechen Piccoloflöte.

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Zwei Klavierstücke von Wagner hatte Wolfgang Renz, ein mit PentAnemos befreundeter Oboist, für Bläserquintett bearbeitet, das schwelgerisch-schwärmerische »Ankunft bei den Schwänen« WWV. 95 und das »Albumblatt für Frau Betty Schott«, die Witwe des Musikverlegers Franz Schott, als Dank für großzügige Geldvorauszahlungen. Die Fassung dieser Stücke für Bläser ließ die unverkennbare Melodik Wagners unvergleichlich lebendiger erklingen als die Klavierfassung. Erst vor zwei Monaten spielten PentAnemos diese Werke bei ihrer Reise durch Zentralamerika im Auftrag des Goethe-Instituts zum ersten Mal.

Im Alter von 17 Jahren komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy die Ouvertüre zum »Sommernachtstraum« op. 21; weitere 17 Jahre später, im Jahre 1843, lieferte er die 13 Nummern umfassende Bühnenmusik op. 61 zum Schauspiel nach. PentAnemos verzichteten dankenswerterweise auf die besonders bekannten Teil wie Scherzo, Notturno und Hochzeitsmarsch und widmeten sich in fröhlichem Marschrhythmus dem »Auftritt der Handwerker«, dem neckischen »Elfenmarsch«, ohne Beteiligung des Waldhorns der dunklen »Marcia funebre« und dem ganz ungenierten »Rüpeltanz« zum Entzücken des Publikums.

Fünf Auszüge aus Robert Schumanns »Waldszenen« op. 82 zeigten in ihrer Phantasie und Intensität ein weiteres Mal die Vorzüge des Bläserquintetts gegenüber der reinen Klavierfassung. Reich an Klangfarben, in Dynamik und Agogik perfekt aufeinander abgestimmt, spielten die fünf Musiker den erwartungsfrohen »Eintritt«, skizzierten zauberhafte »Einsame Blumen«, die sich imitatorisch rankten, eine einladende »Herberge«, den von der Querflöte naturalistisch nachempfundenen »Vogel als Prophet« und ein frisches, aufforderndes »Jagdlied«.

Auch der vor 250 Jahren geborene Franz Danzi, der Klassiker der Holzbläsermusik, gehört zu den Jubilaren des Jahres 2013. Sein Quintett g-Moll op. 56 Nr. 2 präsentierte in vier Sätzen einfühlsame und brillante Musik, ein Allegretto in schöner, froher Bewegung, ein Andante in fließendem Dreierrhythmus, ein Menuetto mit launigen Synkopen und einem lieblichen Innenteil und ein Schluss-Allegretto mit virtuosen Stakkati.

Die begeisterten Zuhörer forderten unerbittlich eine Zugabe und bekamen sie, entzückend skurril und mit einem enormen Drive, mit dem Saltarello aus »Five Antique Dances« von Ferenc Farkas (1905-2000). Danach spürte man plötzlich wieder die Kälte im Kircherl, doch der Streichenwirt hatte den Ofen in seiner Stube fürsorglich mit einem großen Buchenscheit bestückt. Engelbert Kaiser