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Tobias Wendl (l.) und Tobias Arlt trainieren fleißig für den Weltcup und die Olympischen Spiele. »Jetzt geht’s um die Wurst«, sagen beide. (Fotos: Pfeiffer)

Acht-WM-Medaillen, zweimal olympisches Gold: Die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt haben in ihrer Rodel-Karriere schon vieles erreicht. Aktuell bereiten sie sich aber auf die Olympischen Spiele Anfang 2018 in Pyeongchang vor.


Wer derzeit ein Treffen mit den Gold-Tobis vereinbaren möchte, braucht viel Glück. Der Terminplan ist proppenvoll, Wendl und Arlt stecken mitten in den Vorbereitungen auf Olympia und die im November startende Weltcup-Saison. Diese Woche ging es für die beiden bereits nach Korea. Zwölf Tage lang heißt es trainieren, trainieren und nochmals trainieren: Bei der internationalen Trainingswoche in Pyeongchang kämpft das deutsche Team darum, bei den Olympischen Spielen mitmachen zu dürfen. Denn neben den »Tobis«, wie die Doppelrodler vom WSV Königssee gerne genannt werden, sind auch Sascha Benecken und Toni Eggert sowie David Gamm und Robin Geueke als Rodel-Doppel unterwegs. Bei den Spielen in Pyengchang dürfen allerdings nur zwei Doppel mitmachen. Wer, wird in Korea sowie in den Weltcups, die bis Weihnachten stattfinden, entschieden.

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Für das Gespräch mit den Profisportlern stand ein Besuch an der Kunsteisbahn am Königssee an. Tobias Wendl und Tobias Arlt haben vormittags noch trainiert und an ihren Schlitten gebastelt.

Die Bahn in Korea sagt den Tobis zu. Als sie das erste Mal dort durch den Eiskanal fuhren, war es Kurve 9, »die Probleme gemacht hat«, erinnert sich Arlt. Dass es dieses Mal besser wird, davon ist er überzeugt.

Seit 17 Jahren fahren die beiden Rodler nun schon gemeinsam, sie sind durch dick und dünn gegangen, sind nicht nur beruflich Partner, sondern auch privat Freunde. »Ansonsten könnten wir nicht so intensiv miteinander arbeiten«, sagt Wendl, der mit sechs Jahren mit dem Rodelsport begann. Tobias Arlt war vier Jahre alt, als er das erste Mal auf einem Schlitten saß »und unbedingt fahren wollte«. Obwohl beide schon in jungen Jahren sportlich vielseitig interessiert waren, Fußball spielten, Judo machten und im Tennis aktiv waren, entschieden sie sich am Ende doch für das Rodeln. »Ich fand es immer faszinierend, wie strukturiert an der Bahn hier trainiert wird«, sagt Wendl, der wie Arlt die Christophorusschule am Obersalzberg besuchte und von Beruf nun Sportsoldat ist. Rodel-Partner Arlt ist Bundespolizist.

Und dass sich neben ihrem Beruf und der Familie auch sonst fast alles um den Sport dreht, daraus machen die beiden kein Hehl. Trainiert haben sie in diesem Jahr schon eine ganze Menge. Tägliches Krafttraining fällt darunter, »das ist sehr wichtig«, sagt Arlt. Die Koordination spielt eine wesentliche Rolle, die Schnelligkeit sowieso. Vor allem beim Start: »Der Start ist ausschlaggebend, damit das restliche Rennen gut wird«, weiß Tobi Wendl. Ein Zehntel kann da schon mal den Unterschied machen, ob man am Ende auf dem Treppchen steht oder eben nicht. Bouldern und Klettern gehen die zwei regelmäßig, »am besten gemeinsam«. Sie wissen, wie der andere tickt, was möglich ist, sie können sich aufeinander verlassen – nicht nur auf dem Schlitten, sondern generell.

Die Vorbereitung auf die Saison sei hart gewesen, sagen sie. Um neun Uhr ging es auf die Bahn am Königssee, drei Läufe, Mittagessen. Drei weitere Läufe folgten am Nachmittag, das Feilen am Schlitten, dann noch Kraft- und Koordinationstraining. Zwischendrin ein paar Besprechungen, etwa mit Georg Hackl, selbst mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Einzelsitzer. »Er kennt sich mit den Schlitten so gut aus wie kein Zweiter«, sagt Tobias Wendl. Und weil die maximal 30 Kilogramm schweren Gefährte als Hightech-Geräte gelten und es diverse Paramameter gibt, an denen man tüfteln kann, ist die Arbeit am Rodel »fast noch wichtiger als das Training«. In der Tat steckt das Duo unzählige Stunden in die Feinarbeit, arbeitet in der Werkstatt nicht nur an den Kufen. »Eine kleine Änderung kann am Ende eine Zehntelsekunde ausmachen.« Im Windkanal von BMW werden die Luftströmungen gemessen, »als Außenstehender kann man sich nicht vorstellen, wie komplex so ein Schlitten ist«, sagt Tobias Arlt. Abweichungen beim Fahrverhalten bemerken die zwei sofort: »Das ist ungefähr so, wie wenn man seit zehn Jahren im selben Auto fährt«, sagt Wendl. Dann wisse man auch, wie das Fahrzeug in der Kurve reagiert und könne abschätzen, wenn es Probleme gibt. Jeder Schlitten sei individuell auf dessen Fahrer abgestimmt.

Athletisch fühlen sich die beiden Sportler, die im vergangenen Jahr den zweiten Gesamtweltcupplatz einfuhren, gut vorbereitet. Jetzt gelte es, die Konzentration zu bewahren und das Beste aus sich und dem Arbeitsgerät herauszuholen. Dass sie eine gute Rodelsaison fahren wollen, ist klar, das große Ziel sind aber die Olympischen Spiele. Eine Prognose wollen sie zwar nicht anstellen, aber »wir müssen nur im richtigen Moment bei der Sache sein«, sagt Arlt. »Wir arbeiten unser ganzes Leben auf diesen einen Tag hin.« Dann müsse man funktionieren. Und auch wenn die beiden in ihrer Karriere schon alles Sportliche erreicht haben, sind sie genau so motiviert wie am Anfang ihrer Karriere. »Wenn wir weiterhin gut drauf sind und unsere Leistungen zeigen, können wir noch ein paar Jahre fahren«, so Wendl. Kilian Pfeiffer