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Heiße Rhythmen im ehemaligen Schwimmbad

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Heiße Rhythmen in einem eher kühlen Ambiente: Das Neujahrskonzert der »CubaBoarischen« im ehemaligen Schwimmbad in Unterwössen war ein voller Erfolg. (Foto: Flug)

Mit einer Konzertreihe zum Jahreswechsel zünden die »CubaBoarischen« aus Vagen gerade eine weitere Stufe ihrer Beweisführung »Musik passt in keine Schublade«. Ihre Mischung zwischen boarischem Zwiefachen und kubanischem Latin Groove trieb rund 500 Zuhörer in das fast ausverkaufte Neujahrskonzert im Alten Bad in Unterwössen. Sie brachten mit BR-Moderatorin Traudi Siferlinger und vier Grassauer Blechbläsern bestens aufgelegte Mitstreiter mit.


Auf dem Papier sind es tatsächlich Gegensätze: eine ruhige Winternacht im Dorf für ein überregionales Konzertereignis, eine in die Jahre gekommene Schwimmhalle als Saal für ein Neujahrskonzert, kalte Fliesenwände im Licht bunter Strahler, ein bunt gemischtes Publikum, ein Musikprogramm mit Klassikelementen, bairischer Volksmusik und kubanischen und südamerikanischen Rhythmen, Sitzreihen gegen schwingende Hüften und schließlich Alphörner gegen Saxofon, Konzertblech und Violine. Wer sich zu Beginn fragte, warum Hubert Meixner und seine »CubaBoarischen« mit ihren Musikfreunden, dem Grassauer Blechbläserquartett und der Violinistin, Sängerin und Moderatorin Traudi Siferlinger sich das antun, der hatte am Ende sofort die Antwort parat: »Weil sie es können!«

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Der Abend wird mit festlicher Bläsermusik des Quartetts Grassauer Blechbläser aus dem Zuschauerraum eröffnet und wechselt dann in bayerische Weisen, sehr stimmungsvoll. Dazu unterstreicht die klare Akustik der Schwimmhalle die Feinheiten. Zwei Alphörner harmonieren von der Bühne und vom Ende des Raumes im Spiel. Sie sollten den Abend begleiten mit einer lustigen Alphornpolka und einem »Jingle Bells« der schnellen Töne.

Im Vordergrund stehen aber die »CubaBoarischen«. Sie begrüßen das Publikum mit einem Neujahrslied, begleitet von allen Mitwirkenden und verfallen dann in ihre Kernkompetenz. Das ist eine mal rasante, dann einfach stimmungsvolle Gemengelage zwischen bayerischem Volkslied und heißen südamerikanischen Rhythmen. 16 Jahre, also lange zurück, liegt der Kuba-Urlaub dreier Vagener Dorfmusikanten, der zum Bandnamen und ihrem Stil führte, den sie heute auf unvergleichlichem Niveau beherrschen.

Orientierungsschwierigkeiten zwischen den Stilen gibt es allein beim Zuhörer. Der wird sich erst Sekunden später des Wechsels bewusst. Für die Musikprofis ist das Alltagsgeschäft, erledigt mit ebensolcher Präzision wie Lässigkeit. Überhaupt scheint ihre Musik längst nicht mehr kopfgesteuert. Schon im dritten Takt wechseln die gstandenen Mannsbilder in den Salsa- oder Rumbamodus. Die Musik fließt aus der Bewegung. »La Locomotora de Tegernsee«, »Rehragout-Manisero«, »Stadltür-Marinero«, aus den »Bergvagabunden« wurde »YuYa«.

Traudi Siferlinger trifft mit Moderation, Violine und Gesang immer den richtigen Ton und hilft dem Publikum auf die Sprünge und ins Bild, wenn die Hirten im Salsa dem Stern folgen. Spätestens nach der Pause geben es die Zuhörer auf, den Ursprüngen eines jeden Tons zu folgen. Die Sitzreihen werden zum Hindernis der schwingenden Zuhörer. Als Leonhard Meixner aufruft und Traudi Siferlinger drängt, mitzuschunkeln und zu tanzen, hält es die Gäste nicht mehr auf den Sitzen. Da stimmen sie von Siferlinger als sicherer Vorsängerin angeleitet in schwierige Texte im mehrstimmigen Gesang ein. Allzeit spenden sie Szenenapplaus, wenn die Grassauer im Wechselspiel von irgendwo im Raum oder der Empore die Töne vorgeben. Da begeistern sich die Gäste an den Alphörnern, die über ihre Köpfe blasen. Pure Begeisterung herrscht, als der junge Leonhard Meixner mit Liebesliedern das Publikum verzaubert, wenn Hans Förg in seinen Soli mit Klarinette oder Saxofon das Letzte gibt. Heftigen Beifall gibt es auch für den Gitarristen Sepp Rottmayr und Bandleader Hubert Meixner auf dem Akkordeon.

Das Sympathische an allen Mitwirkenden: Sie sind mit Begeisterung und Leidenschaft bei der Sache. Keine Zugabe ist ihnen lästig, die Begeisterung ist ihnen Ansporn. Kurz vor Mitternacht entlassen sie nach fleißigen Zugaben ein Publikum in die Winternacht, dem das fröhliche Lachen und das Gefühl in den Gesichtern steht, einen wunderbaren Abend gehabt zu haben. Ludwig Flug