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Heiter, beschwingt und kurzweilig

4.5
4.5

Heiter, beschwingt, vergnüglich und kurzweilig solle es werden, versprach Irmgard Belser in ihrer charmanten Anmoderation dem Publikum, das sich in großer Zahl zum Sommerkonzert des Chiemgau-Chors, in der Traunsteiner Klosterkirche eingefunden hatte. Und genauso war dann auch. Der Abend verging trotz umfangreichem Programms wie im Flug.


Nachdem der Chiemgau-Chor das Publikum mit dem Landsknecht-Ständchen »Matona mia cara« von Orlando die Lasso heiter zu begrüßen wusste und Jutta Bräutigam sich charmant und beflissen als Moderatorin des Abends empfahl, kamen erst einmal die Kinder des Gastchores Die Stimmakrobaten zu ihrem Auftritt.

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Da ging vermutlich jedem das Herz auf, als der Kinderchor unter der Leitung von Evi Paulusberger, begleitet von Alejandro Vila am Klavier und von Monika Mosler am Akkordeon, frisch und munter aufsang. »Ja-da« war ein Popsong im Dixieland-Stil, »Ja dan duia« ein finnisches Volkslied; ganz allerliebst folgte dann das Lied vom »Bauernmadl«, zu dem die KInder ein flottes Tänzchen wagten.

Die Freude darüber, dass der Chiemgau-Chor seit Kurzem wieder von seinem früheren Chorleiter Michael Felsenstein geführt wird, sieht man den Sängern und Sängerinnen nicht nur an, man kann es auch hören. Mit Hubert v. Goiserns Ohrwurm »Heast as net«, dem typisch amerikanisch klingenden »Oklahoma« und der lässigen Latin-Swing-Nummer »Samba-Ya« zeigte der Chor seine große sängerische Bandbreite. Einen ganz besonderen Charme und Esprit entwickelte der Chor, als er ein umfangreiches Potpourri mit dem Titel, »Die lustige Witwe« von Franz Lehàr sang, wobei unter anderem ein Treffpunkt im »Maxim« vereinbart wurde, Beteuerungen wie »Ich bin eine anständige Frau« zu hören waren, und von den Blumen, die im Lenz erblühen, geschwärmt wurde.

Und natürlich wartete das Publikum schon gespannt auf die Solisten des Abends. Die Chormitglieder Martha Bergert und Christa Huber machten mit dem Duett der Susanna und der Contessa aus »Figaros Hochzeit« von Mozart gleich im ersten Programmteil den vielversprechenden Anfang. Die beiden Sopranstimmen, kongenial begleitet von Alejandro Vila, mischten sich zart und betörend, so richtig »mozärtlich«.

Die große Arie der Gräfin, ebenfalls aus »Figaros Hochzeit«, sang Christa Huber – begleitet von Michael Felsenstein – sehr einfühlsam, und das Publikum klatschte begeistert, denn die kleinen Unebenheiten, die manchmal in ihrem Vortrag auffielen, machte sie mit ihrer sympathischen, warmen und auch in der Höhe niemals scharf klingenden, volltönenden Sopranstimme wieder wett.

Wenn der Chorsänger und Solist Rudi Obermaier aus Traunstein den Mund zum Singen aufmacht, hat man das Gefühl, das seine Bassstimme den kräftigen Körperbau bis in den letzten Winkel als Resonanzraum nutzt. Das hörte sich gut an, etwa als er gemeinsam mit Christa Huber ein Duett aus dem Musical »Phantom der Oper« sang oder Elvis-Songs, wie »Love me Tender« und »Can't help falling in Love« mit spitzbübischen Charme zu interpretieren wusste. Den regelmäßigen Gesangsunterricht bei Chorleiter Michael Felsenstein, der auch als Gesangspädagoge arbeitet, hört man dem Sänger an, auch Christa Huber wird von dem Enkel des berühmten Berliner Opernregisseurs Walter Felsenstein seit etlichen Jahren unterrichtet.

»Pour le Piano«, wie es seit Jahren regelmäßig im Radio auf Bayern 4 heißt, gab es auch bei diesem Konzert am Klavier von Helmut Bauhofer zu hören. Mit der Novellette Nr. 6 von Robert Schumann und »Country Gardens« von Percy A. Grainger setzte auch er sich am Klavier solistisch schwungvoll und mit Emphase beim Publikum in Szene.

Mit der Zugabe »I am sailing« gelang dem Chor ein stimmungsvoller Ausklang. Barbara Heigl