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Heiteres Potpourri französischer Komponisten

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Applaus für (von links) Alexander Fussek, Gregory Gromov und Maria Masycheva. (Foto: Aumiller)

Gut gelaunt dem Fasching Tribut gezollt haben Christian Simonis und seine philharmonischen Musiker im Bad Reichenhaller Kurgastzentrum mit der großen zoologischen Fantasie, dem Karneval der Tiere, von Camille Saint-Saëns. Alexander Fussek las dazu Texte von Loriot. Es war nicht zu übersehen und zu überhören, dass es sowohl dem Dirigenten als auch dem Erzähler einen Riesenspaß machte, der auf alle Beteiligten und die Zuhörer übersprang.


Einleitend sorgten bereits französische Vergnügungsklänge von Jean Françaix und Darius Milhaud für einen unkonventionellen Konzertabend mit munterem Pauken und Trompeten und es war ein fröhliches »Flöten und Geigen«. 1912 geboren, ist Jean Françaix ein Komponist des 20. Jahrhunderts, ein »Moderner« sozusagen, obwohl seine 1953 entstandene Sinfonie in G-Dur bereits 64 Jahre alt und er kein »Neutöner« im avantgardistischen Sinn ist. Ihm war es wichtig, »Musik, die Vergnügen macht« zu komponieren. Er hat Opern und Filmmusik geschrieben.

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Seine G-Dur-Sinfonie ist kunstvoll, witzig und originell sowie rhythmisch herausfordernd. Es schien, als würde jedes Instrument leicht angeheitert sein eigenes Tänzchen aufführen, ein bisschen schräg und doch in raffiniertem Miteinander. Das traumhafte Oboensolo im 2. Satz leitete einen fast impressionistischen Farbenreichtum ineinanderfließender Melodik ein und, an eine Hirtenschalmei erinnernd, überglänzte die Oboe erneut das allgemeine Tönen. Der letzte Satz wirkte wie ein übermütiges Geplänkel, als schwätzten alle gleichzeitig, bis hin zum lautstark auftrumpfenden Schluss.

Noch lebhafter ging es zu bei Darius Milhauds »Le Boeuf sur le Toit« (der Ochse auf dem Dach op. 58 )aus dem Jahr 1919. Das Stück erweckte den Eindruck als sei es ein buntes Allerlei vermischter Stilrichtungen. Tonarten und Rhythmen wurden fantasievoll durchgerüttelt oder polyphon überlagert. Folkloristische Einschübe in Erinnerung an Milhauds brasilianische Reise kehrten in ihrer zündenden Rhythmik mehrfach wieder und wurden zum effektvollen Tango-Vergnügen. Insbesondere die Bläser bewegten sich auf bevorzugtem Terrain, solistisch durfte erneut die Oboe besonders hervortreten, ebenso Piccolo und Trompete. Das Zuhören war ein erheiternder Spaß.

Der Karneval der Tiere (»Le carnaval des animaux«) von Camille Saint-Saëns besteht aus 14 kurzen Stücken für Kammerorchester in ungewöhnlicher Besetzung. Zu den Streichern gesellen sich zwei Klaviere, Xylophon und Glasharmonika bzw. Celesta. Flöte und Klarinette sind solistisch vertreten. Diese als Gelegenheitskomposition geschaffene Programmmusik zählt zu den beliebtesten Werken des Komponisten, obwohl dieser sie zu Lebzeiten nicht zur Veröffentlichung freigab. Ein Erzähler leitet jedes Stück erläuternd ein. Hier gestaltete Alexander Fussek mit freudigem Engagement auf anschauliche Weise die humorigen Zwischentexte aus der Feder Loriots.

Das musikalische Defilee der Tiere beginnt mit dem Marsch des Löwen, der den »König der Tiere« repräsentiert. Die beiden Klaviere, mit glamouröser Bravour von Maria Masycheva und Gregory Gromov gespielt, lassen den Löwen mit imponierenden Tremoli, Glissandi und Fanfarenstößen majestätisch marschieren. Dann gackern Hühner und Hähne im wilden Gezeter, von den Streichern im Verein mit den Klavieren und der Klarinette einfallsreich karikiert. In rasenden Tempi suggerieren die Klaviere flinke Steppentiere, bevor Ruhe einkehrt, wenn die Schildkröten in langsamer Gemächlichkeit den Can-Can im parodierenden Zeitlupentempo »tanzen«.

Auch der Elefant schwingt sein schweres Tanzbein zur Parodie von Berlioz’ Sylphentanz und Mendelssohns Sommernachtstraum. Kontrabass und basslastiges Klavier sorgen hierbei für das »Walzen« des Elefanten, während beide Klaviere die Kängurus fröhlich hüpfen lassen. Beim Aquarium sind wieder die Streicher dabei und zusammen mit Flöte und Celesta lassen sie oszillierende Farben schillern. Die Violinen markieren die Esel mit den langen Ohren und die Klarinette ist der muntere Kuckuck von oben. Im Vogelhaus darf dann die Soloflöte höchst virtuos tirilieren.

Die Pianisten als die »Lockvögel« für den Zoo üben fleißig ihre Etüden für die Geläufigkeit. Die Fossilien lösen nicht nur einen »Danse macabre« des Xylophons aus, sondern einen ganzen Reigen von Zitaten bekannter Stücke verschiedener Komponisten. Jetzt kommt der Schwan im bezaubernden Andante grazioso angeschwommen, vom Solocello wunderschön herbeigezaubert. Diese stimmungsvoll melancholische Melodie ist vor allem bekannt aus dem elegischen Ballettsolo »Der sterbende Schwan«. Im Finale versammelt sich der ganze Zoo zum brillanten, orchestralen Schwelgen. Begeisterter Applaus. Elisabeth Aumiller