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Bürgermeister Martin Bartlweber verteilte Gutscheine an die Helfer.

Helfer stehen an der Seite der Flüchtlinge aus der Ukraine: Bürgermeister lobt Engagement in Seeon

Seeon-Seebruck – Etwa 60 Flüchtlinge aus der Ukraine leben seit vier Monaten in Seeon. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder. Sie haben in einem ehemaligen Wohnheim der Lebenshilfe an der Werlinstraße eine Unterkunft bekommen. Seit der Ankunft der Flüchtlinge, die sich mittlerweile schon heimisch fühlen, bemüht sich ein Kreis von ehrenamtlich tätigen Bürgern darum, diesen Menschen zu helfen. Für die Gemeinde war es nun an der Zeit, sich beim »Helferkreis« zu bedanken. Bei einem Sommerfest, das die Helfer, Bewohner und Nachbarn veranstalteten, verteilte Bürgermeister Martin Bartlweber an den »harten Kern« Gutscheine. Es gab Kaffee und selbst gebackene Kuchen der Seeoner Frauen und Deftiges aus einem Food Truck. 


»Ich danke den Gästen für die Bereitschaft, sich bei uns zu integrieren, und allen, die sich engagieren, dass es so gut funktioniert«, sagte Bartlweber. Frauen aus Seeon und Truchtlaching hätten in einer Hauruck-Aktion die Unterkunft in Seeon gereinigt. Der Helferkreis sei seit der ersten Minute ständig vor Ort, investiere viel Zeit und koordiniere amtliche Angelegenheiten, was mit Sicherheit nicht immer leicht sei, betonte der Bürgermeister. Sein Dank galt auch allen, die Fahrdienste übernehmen und die ukrainischen Flüchtlinge zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Tafel nach Trostberg und bei Behördengängen begleiten. Lobend erwähnte Bartlweber auch die Deutschlehrer.

Der Deutschkurs gestalte sich zuweilen sehr schwierig, weil viele nur die kyrillische Schrift kennen, erklärten Petra und Vera, die seit einigen Wochen gemeinsam unterrichten. Mit selbst ausgeklügelten Lernmethoden und Gestikulieren funktioniere es inzwischen aber gut. Zweimal in der Woche unterrichten die beiden hauptsächlich Senioren zwischen 50 und 70 Jahren. »Anfangs sind die Leute sporadisch gekommen, jetzt ist es konstanter geworden. Sie sind auch sehr dankbar für den Unterricht und laden uns zum Dank auf einen Kaffee ein.«

Seit April betreut der Helferkreis mittlerweile rund 60 Menschen, die aufgrund der russischen Invasion das Land verlassen mussten. »Es sind hauptsächlich Frauen und Kinder. Die Kinder besuchen die Tagesstätten oder die sogenannten Willkommensklassen«, sagte Petra Laufenböck von der Gemeindeverwaltung. Wie Bürgermeister Bartlweber mitteilte, habe die Gemeinde auch stundenweise eine Dolmetscherin angestellt, die den Helferkreis unterstützt.

Viele haben zwischenzeitlich auch eine Arbeit gefunden. »Einige arbeiten in der Gastronomie, im Krankenhaus oder im Haushalt«, erklärte Manuela Kral vom Helferkreis. Ein Traunreuter Unternehmen, das einen Bewohner beschäftigt, habe diesem sogar ein Auto zur Verfügung gestellt, damit er zur Arbeit fahren könne.

Astankevych Mykola, ukrainischer Oberst aus Kiew, hatte auch eine kurze Rede vorbereitet, die er auch dem Traunsteiner Tagblatt zur Verfügung stellte. Darin zitierte er Johann Wolfgang von Goethe, dass nur der des Lebens und der Freiheit würdig sei, der jeden Tag für sie in den Kampf ziehe. Jetzt kämpfe das große ukrainische Volk auf Kosten enormer Verluste um das Leben und die Freiheit seiner Kinder. »Goethe hatte recht. Freiheit muss erkämpft werden. Die Ukraine kämpft für die Freiheit ganz Europas und wird siegen! Wir danken dem deutschen Volk und unseren Freunden aufrichtig für die Unterstützung«.

ga