weather-image
16°

Helfer stellen Mundschutzmasken her

4.7
4.7
Berchtesgadener Land: Helfer stellen Mundschutzmasken gegen Corona her
Bildtext einblenden
Ein Muster dient als Vorlage: Ehrenamtliche nähen Mundschutzmasken. (Fotos: BRK BGL)

Berchtesgadener Land – Das Rote Kreuz kümmert sich seit Samstag im Auftrag der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) um den Aufbau und die Organisation eines landkreisweiten Netzwerks aus mittlerweile über 150 ehrenamtlichen Näherinnen, die gemeinsam schon zwei 400-Meter-Selbsthilfe-Rollen des durch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bereitgestellten Vliesstoffs zur Mundschutz-Produktion verarbeitet haben.


Der BRK-Fahrdienst übernimmt die Logistik und beliefert die Schneiderinnen zu Hause mit bereits durch Rotkreuzler zugeschnittenem Stoff, Gummibändern und Nasenteil-Drahtbügeln, mit denen pro Lieferung 50 Mundschutzmasken genäht werden können. Die Verteilung der fertig genähten Mundschutze wird zentral und bedarfsorientiert von der FüGK geregelt, damit langfristig jede medizinische und pflegerische Einrichtung im Landkreis versorgt werden kann und kein Wettstreit um das Material entsteht.

Anzeige

»Masken selbst nähen. Jetzt ist Pragmatismus und Selbsthilfe gefragt. Ich habe organisiert, dass die Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern Material bekommen, um Masken vor Ort selbst zu schneidern. Diese Selbsthilferollen wiegen 12 Kilogramm, sind 40 Zentimeter breit, 400 Meter Vliesstoff pro Rolle zertifiziertes Maskenmaterial, aus dem auch FFP 2 und FFP 3 Masken geschneidert werden. Reicht für 5 000 Masken. Zusätzlich bekommt jeder Landkreis/Stadt noch mehrere Hundert fertige Masken als Nähvorlage/Anschauungsmaterial und Notration, um vor Ort selbstständig arbeiten zu können«, schreibt Aiwanger am 26. März auf seiner Facebook-Seite.

Die FüGK erteilte dann am Samstag, 28. März, den Auftrag an das Rote Kreuz, die erste 400-Meter-Rolle für den Landkreis beim Zentrallager abzuholen und mit Näherinnen zu Masken zu verarbeiten. Da in der ersten Stoff-Lieferung weder ein Produkt-Datenblatt noch Muster oder eine Näh-Anleitung enthalten waren, mussten die Rotkreuzler erfinderisch sein: Sie nähten unter Federführung von Lejlije Hoxha in Rücksprache mit anderen Schneiderinnen und nach Vorlage industriell gefertigter Mundschutze Vorlagen für die zu Beginn rund 20 Näherinnen und Näher. Sie fuhren das Material noch am selben Abend in 30er-Packungen an die ehrenamtlichen Mitstreiter aus.

Bildtext einblenden
Ein Helfer entfernt die Isolationsschicht des Drahtes.

Aufruf über Facebook

Da die Helfer Hosen- und Textilgummis für die Ohrenhalter und ummantelte Drahtstücke für die anpassbaren Nasenteile brauchten, riefen sie über Facebook die Bevölkerung zu Materialspenden und zum Mitmachen auf – Hunderte Menschen wollten helfen und beteiligten sich aktiv oder mit Spenden.

Bis Dienstagabend wuchs das Netzwerk dann im rasenden Tempo auf mittlerweile über 150 Näher an, die das Rote Kreuz miteinander vernetzt und beliefert. »Wir haben enorm viel Arbeit, schlafen derzeit nur wenig und sind nahezu rund um die Uhr gefordert, aber zugleich wirklich überwältigt, wie viele Menschen spontan mitgemacht haben und wie sehr der Landkreis in der Krise zusammenhält«, freut sich Marcel Kutz, einer der Organisatoren, der von Beginn an mit dabei war und das Projekt mit großem Einsatz aufgebaut und vorangetrieben hat.

Materiallieferung nach Hause

Da die Menschen wegen der Ansteckungsgefahr zu Hause bleiben sollen, bringt ihnen das Rote Kreuz auf zwei bis drei Touren gleichzeitig Packerl mit zugeschnittenem Material für 50 Masken zu Hause vorbei – mit einer selbst erstellten Näh-Anleitung und einem Lieferschein, auf dem sie ihren Namen und die Anzahl der gefertigten Mundschutze eintragen. »Das hat den Vorteil, dass wir den Überblick behalten, danach die Umschläge nicht noch mal öffnen und nachzählen müssen und sich die Feuerwehren bei der Verteilung an die Einrichtungen viel leichter tun«, erklärt Tim Janßen, der als Fahrer die Näherinnen beliefert und die fertigen Mundschutze abholt.

Die gefertigten Mundschutze sammeln die Rotkreuzler ein und liefern sie in 50er-Packungen beim Zentrallager des Landkreises ab, wo sie dann drei Tage lagern, um auszuschließen, dass Viren auf dem Material überlebt haben und jemanden infizieren könnten.

Die Näherinnen sind alle angewiesen, sich vorab gründlich die Hände zu waschen und selbst beim Nähen einen Mundschutz und Handschuhe zu tragen. Parallel produziert das Team auch schon heiß waschbare Mehrweg-Baumwoll-Mundschutze mit einer Tasche, in die der Einweg-FFP2-Stoff der Aiwanger-Rolle als wirksamer Filter eingeschoben werden kann.

»Diese derzeit von der Behörde noch nicht freigegebene Lösung würde die Näh-Leistung der beteiligten Frauen und Männer mehr würdigen, die aktuell noch viel Zeitaufwand und Herzblut in ein Einweg-Wegwerf-Produkt stecken. Mit dieser Version würden wir uns nicht mehr von Tag zu Tag retten und könnten womöglich sogar unseren Landkreis autark versorgen«, so Fahrdienstleiter Markus Leitner. fb