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«Herrgott für Anfänger»: Zwischen Weinreben und Moschee

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«Herrgott für Anfänger»
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Der Wiener Taxifahrer Musa (Deniz Cooper) ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben. Foto: BR Foto: dpa

Für die Liebe soll der türkischstämmige Wiener Taxifahrer Musa zum Islam konvertieren. Um an ein großes Erbe zu gelangen, muss er Katholik werden. Die Komödie «Herrgott für Anfänger» zeigt die Schwierigkeiten des religiösen Doppellebens eines Ungläubigen.


Wien (dpa) - Eigentlich ist Musa zufrieden. Der Taxifahrer mit türkischem Hintergrund verdient in Wien seine Brötchen, genießt das Leben und die Frauen in vollen Zügen. Glaube spielt dabei keine Rolle.

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«Persönlich habe ich mit organisierter Religion eigentlich nix am Hut», sagt er. Doch dann trifft Musa, gespielt von Deniz Cooper, Amors Pfeil und alles ändert sich. Um Chancen bei seiner Angebeteten zu haben, konvertiert er zum Islam. Zeitgleich winkt ihm ein lukratives Erbe in den Weinbergen - aber nur wenn er schnellstmöglich Katholik wird. Die Probleme für den Lebemann beginnen. «Herrgott für Anfänger» läuft an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten. Die Komödie zeigt viele schöne Aufnahmen aus Österreichs Hauptstadt, spielt aber leider mit vielen und oft zu platten Klischees.

Den überzeugten Single Musa trifft der Blitz: In der angereisten Tochter seines Chefs, die dem Vater helfen soll, das marode Taxiunternehmen zu retten, sieht er seine Traumfrau. «Plötzlich hatte mein Leben einen Sinn, und ich fragte mich, wie ich davor existiert hatte.» Um bei Aisha (Zeynep Bozbay) punkten zu können, lässt er sich in die Rituale des muslimischen Glaubens einführen. Denn die sonstigen Tricks des Casanova, wie etwa das nächtliche Autoballett zum Donauwalzer, helfen nicht.

Doch der Tod seiner Taxi-Stammkundin, dargestellt von Österreichs Theater- und Filmlegende Erni Mangold (90), ändert alles: Die alte Dame hinterlässt Musa ihren gut laufenden Heurigen-Betrieb «Die Reblaus» in den Wiener Weinbergen, wenn er innerhalb eines Jahres Katholik wird. Mangold zeigt sich in ihrem kurzen Auftritt in ihrer Paraderolle als zornige, schimpfende, verbitterte Wienerin, die hinter der harten Schale doch ein goldenes Herz hat. Trotz Aussagen wie: «Ihr kommt's alle her, um den Islamischen Staat zu errichten.»

Musa wittert die Chance, als Kurzzeit-Katholik den Heurigen zu verkaufen, um so das vor der Pleite stehende Taxiunternehmen zu retten und gleichzeitig Aisha zu imponieren. Doch da machte ihm die resolute Heurigenköchin und Pächterin Miri (Katharina Straßer) einen Strich durch die Rechnung. «Ich find' das wirklich mies, dass man mir nix, dir nix den Glauben wechselt!», wirft sie ihm im schicken Dirndl vor.

Das Erbe ruft auch den Bischof (Cornelius Obonya) auf den Plan. Denn sollte Musa seine Mission nicht erfüllen, fällt der Heurige der katholischen Kirche zu.

Zwischen dem Studieren von «Katholizismus für Anfänger» und «Türkisch für Anfänger», Kirchenbesuchen und dem heimlichen muslimischen Gebet im Heurigenkeller vor geschlachteten Schweinen gerät das religiöse Doppelleben zusehends außer Kontrolle. Unterdessen zeigt sich der Verfassungsschutz besorgt über die Aktivitäten Musas, und der Streit mit Heurigenköchin Miri eskaliert. «Warum haben's dich nicht abgeschoben mit deiner ganzen Bagage, du Parasit», ruft Miri ihm zu, bevor sie im Schlamm catchen - und es zu einer überraschenden Wendung kommt.

In Österreich kam die Komödie unter der Regie von Sascha Bigler, der mit Berith Schistek und Karl Benedikter für das Drehbuch zuständig war, solide an. Knapp 600 000 Zuseher sahen im Schnitt den Film zum Jahresende. Der Marktanteil lag bei 21 Prozent. Ein paar weniger vorhersehbare Wendungen hätte der ORF-«StadtKomödie» aber gut getan.

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