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»Herrgott, is de Welt schee«

3.5
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Zwei, die sich gut ergänzen: Ralph Schicha (links) und Hanns Meilhammer bei ihren Konzert im k1. (Foto: Heel)

Wenn zwei Männer Ende 60 das Lied »Für immer jung« anstimmen, kann dies leicht als Pfeifen im Walde wahrgenommen werden. Nicht so bei Hanns Meilhamer (67) und Ralph Schicha (68). Die haben bei ihrem Auftritt im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 überzeugend bewiesen, dass sie im Herzen wie im Geiste jung geblieben sind.


Auch oder gerade wegen der Musik, der vielen Lieder, die ihnen im Laufe ihres Lebens begegnet sind, die sie berührt, angeregt und vielleicht sogar »erzogen« haben. Schließlich war Meilhamer, bevor er als männlicher Teil des Komödianten-Duos »Herbert und Schnipsi« weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt wurde, bereits als Liedermacher unterwegs. Und lebte seine Leidenschaft auch später mit seiner Band »Herbert & die Pfuscher« erfolgreich aus, bevor sich die Gruppe 2014 auflöste und ihr allerletztes Konzert im k1 gab.

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Mit dem Schauspieler und Synchronsprecher Ralph Schicha, der durch seine Rolle als Dr. Philipp Martin in der TV-Serie »Unser Charly« seine größte Bekanntheit erreichte, ist er seit über 40 Jahren befreundet. Wenn sie sich trafen, wurde oft musiziert und miteinander gesungen, und so wuchs mit der Zeit wie von selbst ein kleines Repertoire heran, das sie nun im k1 präsentierten, mit viel Freude und Lust am Spielen und von Meilhamer so charmant wie humorvoll moderiert. So merkte er gleich zu ihrem ersten Stück, dem »San Francisco Bay Blues«, an, dass sie vor vielen Jahren die Einzigen gewesen seien, die in Mitteleuropa diesen Song gespielt hätten, bevor ihnen ein gewisser Eric Clapton auf seinem Unplugged-Album (1992) Konkurrenz machte.

Wie gut sich Meilhamer und Schicha ergänzen, war anschließend bei dem Bob Dylan-Song »Girl From The North Country« zu hören, dessen wohl bekannteste Version von Dylan selbst stammt, gesungen 1969 als Duett mit Johnny Cash, den Schicha mit sonorem Bariton glänzend nachahmte. Von Dylan stammte auch der Song »I’ll Be Your Baby Tonight«, für den er, wie Meilhamer launig anmerkte, bestimmt nicht den Nobelpreis erhalten habe, da der Text »billigste Anmache« sei.

Nach einem Abstecher zu Elvis mit »Kiss Me Quick«, dem später noch der »King Creole« folgte, kam zum Ausdruck, dass Meilhamer nicht nur ein großartiger Komödiant und Sänger ist, sondern auch ein fabelhafter Texter. So war es eine wahre Freude zu hören, wie er zwei so populäre Songs wie »Mercedes Benz« und »Me And Bobby McGee« auf Bayerisch interpretierte, wobei er so nah wie möglich am Ursprungstext blieb, nur aus dem Benz ein BMW wurde und seine Reise mit der Bobby McGee statt durch die USA durch Frankreich führte.

Wenn zwei (oder mehr) Musiker am Werk sind und die Anzahl ihrer Lieblingssongs den Rahmen eines zweistündigen Auftritts sprengen würde, greifen sie gern zu Medleys. So auch Meilhamer und Schicha, die zunächst Freddy Quinns »Heimweh« mit dem Original »Memories Are Made Of This« von Dean Martin mischten, bevor sie ein sogenanntes »Meer-Medley« anstimmten, das von »La Mer« über »Sailing« bis zu »Seemann, deine Heimat ist das Meer« reichte, kunstvoll ineinander verwoben und mit Gusto interpretiert. Dies galt auch für Louis Armstrongs letzten großen Erfolg »What A Wonderful World«, den Meilhamer, wiederum auf Bairisch, so herzergreifend wie inspirierend in »Herrgott, is de Welt schee« verwandelte.

Mit »Für immer jung«, dieser einzigartigen Hymne aufs Leben, geschrieben von Bob Dylan und von Wolfgang Ambros und André Heller ins wienerische Deutsche übertragen, ging der umjubelte Auftritt der beiden Künstler dann in die Endrunde, bis nach drei Zugaben (leider) endgültig Schluss war. Wolfgang Schweiger

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