weather-image
27°

Herrliche Melodien und singende Celli

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Pianist Wolfgang Manz bei seiner eindrucksvollen Interpretation des Klavierkonzerts von Edvard Grieg. Im Hintergrund die ersten Geigen. (Foto: Janoschka)

Mit Musik von Edvard Grieg (1843-1907) ließen sich die Besucher des zweiten philharmonischen Konzertes im Kurgastzentrum Bad Reichenhall nach Norwegen entführen. Die Bad Reichenhaller Philharmonie unter dem unaufdringlichen und klaren Dirigat von Guido Johannes Rumstadt, Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik in Nürnberg, zeigte sich bei dem Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16 und den Sätzen der beiden Peer Gynt Suiten op. 46 und op. 55 mit hör- und sichtbarer Spielfreude von seiner besten Seite.


Mit höchster Konzentration schufen die Orchestermusiker zusammen mit Pianist Wolfgang Manz und Schauspieler und Regisseur Michael Bleiziffer ein unvergessliches Konzerterlebnis, das die Zuhörer mit tosendem Applaus quittierten. Wie wichtig biographische Hintergründe für den schöpferischen Prozess in der Kunst sind, zeigte Dr. Stephan Höllwerth in seinem Einführungsvortrag auf, in dem er auch Michael Bleiziffer zu Henrik Ibsens (1828-1906) dramatischem Gedicht »Peer Gynt« und zum Vergleich mit Johann Wolfgang von Goethes »Faust« zu Wort kommen ließ.

Anzeige

Wolfgang Manz spielt brillant und mit vollem Einsatz

Der Pianist Wolfgang Manz, ebenfalls Professor in Nürnberg und bei zahlreichen Wettbewerben ausgezeichnet, spielte seinen Part brilliant und mit vollem Körpereinsatz. Mit strahlendem Anschlag schwelgte er im Dialog mit dem Orchester in den traumhaft schönen Melodien und bereicherte virtuos die dynamisch-dramatischen Steigerungen mit glitzernd-leuchtenden Glanzpunkten sowie mit einer ausdrucksstarken Solokadenz im »Allegro molto moderato«.

Das Orchester begleitete einfühlsam und präzise und vermittelte die Kraft ebenso wie die Ruhe dieser romantischen Musik mit ihrer berührenden Klangsprache. Die Celli und Kontrabässe sangen ihre kontrapunktischen Begleitmelodien oder ließen ihr selbstbewusstes Pizzicato erklingen, als käme es von einem einzigen Instrument.

Gemeinsam atmeten die Musiker das Lyrisch-Verträumte im »Adagio«, und dieser Einklang des Empfindens war eine Quelle des Glücks. Mit Trillern, Punktierungen, rhythmischem Dahingaloppieren und virtuosen Klangperlen, mit Verflechtungen der verschiedenen Themen im »Allegro moderato molto e marcato« überboten sich nach einer vorübergehend ruhig dahin fließenden Passage Solist und Orchester in der Intensität ihrer feierlichen Apotheose. Wolfgang Manz bedankte sich für die lautstarke Würdigung seiner eindrucksvollen Leistung mit einem Intermezzo von Johannes Brahms in a-Moll.

Die Reihenfolge der Sätze wurde verändert

Die Reihenfolge der Sätze in den beiden Peer-Gynt-Suiten wurde für dieses Konzert verändert, sodass sich durch die Entwicklung des Protagonisten ein roter Faden ergab. Die ständige Unzufriedenheit und Realitätsferne trieb den unbewusst dahin lebenden Nichtsnutz in allerlei unangenehme Situationen. In einer allmählichen Läuterung lernte er, das Gute in sich zu erkennen.

Grieg setzte in den einzelnen Sätzen den jeweiligen Situations-Topos lautmalerisch in Klang um. Durch das Zusammenwirken von gelesener Literatur und Musik wurde dies noch deutlicher, und die unterschiedlichen Themen wie Liebe, Sterben, Verführung und Enttäuschung traten in Wort und Klang gleichermaßen intensiv auf.

Mit einer modulationsreichen, wandlungsfähigen Stimme und mit wohl überlegten Gesten rezitierte Michael Bleiziffer die märchenähnliche Erzählung aus der Feder von Gerhard Buchner. So zog das lehrreiche Märchen voller Symbolik als Gesamtkunstwerk alle Konzertbesucher in seinen Bann. Brigitte Janoschka