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Hexenjagd in Salem

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Hexenjagd in Salem
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Hetze und Tratsch in Salem (Spielfilmszene). Foto: Patricia Truchsess/Arte/ZDF Foto: dpa

Im Mittelalter und noch mehr in der Frühen Neuzeit wurden viele unschuldige Frauen als Hexen verdächtigt, verfolgt und ermordet. Doch auch in der vielgepriesenen Neuen Welt war das ähnlich, wie eine Dokumentation auf Arte jetzt zeigt.


Berlin (dpa) - Im Jahre 1692 gab es eine unerbittliche Hexenverfolgung durch ebensolche Puritaner in der Neuen Welt. Jeder und jede hätte nach deren Ansicht eine Hexe oder ein Gehilfe Satans sein können.

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Um diese schauerlichen Ereignisse geht es in der Dokumentation «Hexenjagd in Salem», die an diesem Samstag (21.05 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Die religiöse Raserei hat viele Menschen das Leben gekostet - und sie hat viele Bürger von Salem im US-Bundesstaat Massachusetts, nahe Boston in Neuengland, mit schwerer Schuld beladen. Es war nichts weniger als ein Sündenfall, selbst Kinder sind damals in Verdacht geraten, vom Bösen besessen zu sein. «Das hat so viel mit uns zu tun», erklärt Katherine Howe, Autorin des Buches «The Physick Book of Deliverance Dane», im Film. «Wir haben heute immer noch Angst vor Menschen, die wir nicht verstehen. Und genau darum ist es so wichtig, dass wir weiter über Salem sprechen.»

Der Historiker Emerson W. Baker meint: «Es gibt sehr viele Theorien zu den Vorkommnissen von damals - und die Frage: Wie und aus welchen Gründen konnte das passieren?» Die Autorin des Buches «Six Women of Salem», Marilynne K. Roach, hat darauf auch keine Antwort parat. «Es war kein Spaß und Spiel wie an Halloween. Es ist eine ernsthafte Lektion, von der wir alle lernen sollten», sagt sie. Damit hat sie sicher recht.

Damals wurde alles Fremde und Unbekannte zur Gefahr - in erster Linie waren es die Außenseiter der strenggläubigen Puritaner-Gemeinde, auf die der Verdacht fiel, mit dem Teufel im Bunde zu stehen - also fremde Indianer und Franzosen oder auch missliebige Nachbarn. Doch bald weitete sich der Kreis der Verdächtigten durch gezielte Denunziation, unbelegbare Anschuldigungen oder fadenscheinige Aussagen immer weiter aus.

Es konnte jeden treffen, Aussehen oder Verhalten spielten keine Rolle - selbst Frömmigkeit oder Reichtum boten keinerlei Schutz vor Verfolgung mehr. Beichte oder Sündenvergebung durch den Priester gab es unter den Puritanern nicht.

Die Menschen damals waren zum Teil in heute extrem erscheinender Weise religiös. Alles Denken und Handeln wurde in einen religiösen Kontext gestellt. Das ganze einfache und moralische Leben glich einem immerwährenden Gottesdienst, mit der Bibel als Anleitung. Kleine Freuden des Alltags, sinnliche Erfahrungen und alles, was im Verdacht stand, Aberglauben zu sein wie das Weissagen der Zukunft, waren vollkommen verpönt. Das erscheint in der modernen Zeit unverständlich, schließlich sehen viele Religion als ein Denkmodell unter anderen.

Die Dokumentation (Regie: Wolf Truchsess von Wetzhausen, Felicitas Hammerstein und Mariana Schneider) ist faktenreich und gut recherchiert. Einige Spielszenen sind unnötig, einige Äußerungen der zitierten Personen im Film spekulativ.

Doch für die gezeigten Beispiele von Willkür und Zwang gibt es heute keine derart einfachen Erklärungen wie damals: Wenn es einem kleinen Mädchen schlecht ging, dann hatte es eben kein verschimmeltes Brot gegessen, sondern war vom Teufel besessen. Erst im Jahre 2001 wurden die letzten Opfer der Hexenprozesse, die heute als ein Symbol für Ungerechtigkeit und Verfolgung gewertet werden, offiziell für unschuldig erklärt.

Bei näherer Betrachtung dieser interessanten Dokumentation mögen sich Bezüge zu heute herstellen lassen - im Kampf gegen Unrecht etwa, das es durch Ängste, Vorurteile und Massenwahn gegenüber vielem Fremdem gibt, ohne diese vergleichen zu wollen. Sündenböcke lassen sich immer leicht finden. Der Historiker Baker bringt es im Film auf den Punkt: «Wenn man das Wort «Hexe» durch «Terrorist» ersetzt, dann versteht man vielleicht ein wenig die Lektion, die Salem uns erteilen will. Wir wissen heute genauso wenig, wer ein Böser ist - ein Fremder, ein Nachbar, ein Freund womöglich.»

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