Hickhack um abgerissenen Bundwerkstadel

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So sah der Stadel kurz vor dem Abriss aus. Eine Sanierung war aufgrund des schlechten Zustands nicht mehr möglich.

Traunreut – Um den Abbruch des denkmalgeschützten Stadels im Zusammenhang mit einer geplanten Bebauung in Nunhausen ranken sich viele Gerüchte und Vermutungen. Bei einigen Bewohnern in Nunhausen drängt sich die Frage auf, ob der Bundwerkstadel in der Nähe der Bundesstraße 304 der Bebauung im Wege stand und deshalb abgerissen wurde.


Kritisiert wird unter anderem auch, dass die Abrissgenehmigung des Baudenkmals im Nachhinein erfolgt sei. Mit der Herangehensweise wurde auch die Landtagsabgeordnete der Grünen, Gisela Sengl, in einer Bürgeranfrage konfrontiert. In einer Stellungnahme verweist Sengl auf das Denkmalschutzgesetz, das besagt, dass jede Veränderung an oder im Nahbereich von Bau- und Bodendenkmälern einer denkmalrechtlichen Erlaubnis bedürfe. Die größte Veränderung sei ein Abriss, denn dann gebe es das Denkmal einfach nicht mehr, erklärt Sengl. Deshalb müsse nach ihrem Dafürhalten seitens der Behörde klargestellt werden, dass eine Abrissgenehmigung niemals im Nachhinein erteilt werden könne, sondern immer vorher beantragt werden müsse. Leider sei genau das beim Bundwerkstadel in Nunhausen passiert. Hier sei die Abrissgenehmigung nachweislich im Nachhinein beantragt worden.

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Wie berichtet, sollen in Nunhausen auf einer landwirtschaftlichen Fläche einschließlich der Fläche, auf der sich der sanierungsbedürftige Stadel einer früheren Landwirtschaft befunden hatte, Wohnhäuser gebaut werden. Die Eigentümergemeinschaft Alexander Thusbaß und Roman Richter hatte das rund ein Hek­tar große Grundstück vor zwei Jahren erworben und möchte dort fünf Zweifamilienhäuser bauen. Die geplanten Häuser sind aber im Dorf sehr umstritten. Anlieger beklagen eine zu massive Bebauung. »Es wird permanent Stimmung gegen uns gemacht, obwohl eine Bebauung in dem Bereich möglich ist«, beklagt Alexander Thusbaß. Auch die Spekulationen, dass der Bundwerkstadel dem Bau im Wege stand, weist Thusbaß entschieden zurück. Auf Aufforderung der Behörden habe man den einsturzgefährdeten Stadel prüfen lassen und einen Statiker eingeschaltet: »Wir waren gezwungen, umgehend zu handeln«, erklärte Thusbaß gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Aufgrund der schlechten Bausubstanz hätte man aber den Stadel nicht sichern und somit auch die Gefahren unter anderem für den Straßenverkehr nicht ausschließen können. »Wir haben mit der Denkmalschutzbehörde auch darüber gesprochen, den Stadel mit Fördergeldern zu sanieren, aber man hätte ihn tatsächlich nicht sichern können«, so Thusbaß.

Die Aussagen des Bauherrn decken sich mit der Stellungnahme des Landratsamts. Wie der Sprecher des Landratsamts auf Nachfrage mittteilte, sei ein Abriss eines denkmalgeschütztem Gebäudes grundsätzlich nur im Ausnahmefall möglich. Bereits im Herbst 2018 seien mit dem damaligen Eigentümer des betreffenden Bundwerkstadels in Nunhausen Gespräche geführt und eine Notsicherung des Objekts gefordert worden. Eine Baukontrolle nach dem Eigentümerwechsel im Frühjahr 2019 hätte bereits damals gezeigt, dass bezüglich der Statik erhebliche Bedenken bestanden hätten. Maßgebliche Teile der Holzkonstruktion sowie das Mauerwerk seien stark beschädigt gewesen. Auch das Staatliche Bauamt Traunstein habe den Zustand wegen der Nähe zur B 304 bereits unter Beobachtung gehalten und den äußerst schlechten Zustand der Bausubstanz bestätigt. Die neuen Eigentümer seien unverzüglich aufgefordert worden, sämtliche losen Teile zu befestigen oder zu entfernen, um zunächst Gefahren beispielsweise für den Straßenverkehr auszuschließen. Zudem sei eine Überprüfung der Standsicherheit des Gebäudes durch einen Statiker zur Ermittlung der erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen durch die Denkmalschutzbehörde eingefordert worden.

Weiter heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts, dass bei einem schon in der Substanz stark beschädigten Baudenkmal eine Untersuchung zeigen müsse, wie viel des historischen Gebäudes bei einer Instandsetzung ausgetauscht werden müsse. »Wenn im Endergebnis dann – wie im vorliegenden Fall – das Gebäude zwar wiederhergestellt, jedoch die historische Bausubstanz dabei weitgehend ausgetauscht werden muss, würde das Gebäude dadurch seine Denkmaleigenschaft verlieren. Diese Untersuchungen von Fachbüros zeigten in ihren statischen Berechnungen und Stellungnahmen, dass eine Erhaltung sowohl wirtschaftlich als auch im Sinne des Denkmalschutzes nicht mehr realisierbar war. Für den in der Zwischenzeit bereits abgeschlossenen Abbruch des Baudenkmals konnte daher die Entsorgung des Stadels erlaubt werden.«

Wie der Historie zu entnehmen ist, wurde der Bundwerkstadel des Huberhofs um 1840 erbaut. Nach den Recherchen des Traunwalchner Ortheimapflegers, Johannes Danner, stammte der Stadel möglicherweise von der damaligen Zimmerei Hörrer (Zimmermeister-Hof) in Traunwalchen, die sich im 19. Jahrhundert mit der Errichtung von handwerklich besonders aufwändig gestalteten Bundwerkstadeln einen Namen gemacht habe. Als Bauherr wird in den Quellen der Huberbauer Josef II Winklmayer erwähnt, der ein sehr fleißiger und erfolgreicher Landwirt gewesen sein soll. Über ihn wird ferner berichtet, dass er sich auch beim Kirchenbau in Traunwalchen im Jahr 1839 sehr engagierte. Von ihm stammt auch die Nunhausener Dorfkapelle, die auf die Zeit um 1840 datiert wird und sich stilistisch an der Traunwalchner Pfarrkirche orientiert. Die Dorfkapelle ist mit dem Kauf des Grundstücks vor zwei Jahren ebenfalls in den Besitz der Eigentümergemeinschaft übergegangen. Nach Angaben von Thusbaß soll das Umfeld der Kapelle im Zuge der Bebauung neu gestaltet werden.

1872 brannte der Hof ab, wobei der Stadel unversehrt blieb. Das wieder aufgebaute Haus wurde mit allen Grundstücken an das Schloss Pertenstein verkauft, das es verkleinert an eine Familie Wechselberger aus Stum im Zillertal weiter veräußerte. Diese erwarb später das Gasthaus zur schönen Aussicht in Matzing und verkaufte den Huberhof 1932 an die Familie Rapf. Vater und Sohn waren die letzten, die den Hof noch bewirtschafteten. ga

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