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Hirtenkinder proben auf der Loferer Alm »Schnee in Bethlehem«

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Die 12-jährige Monika Schöne (mit grüner Jacke) ist bereits zum vierten Mal als Hiatamadl beim Salzburger Adventsingen dabei. (Foto: Michael Hudelist)

19 Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren verbrachten ihre letzte Ferienwoche damit, ihre Texte und Lieder für das diesjährige Salzburger Adventsingen einzustudieren. Die Kinder sind aus dem gesamten Bundesland, die mittlerweile 12-jährige Monika Schöne aus Bischofswiesen ist der einzige »Export« aus Bayern.


»Das Beinand’ sein, das gemeinsame Frühstücken, das Lernen der Texte und auch das gemeinsame Musizieren am Abend«, das hat ihr auch dieses Mal am meisten gefallen. »Schnee in Bethlehem« heißt das Hirtenspiel heuer, das ab Ende November wieder rund 36 000 Besucher anziehen wird und damit das Adventsingen nach den Festspielen im Sommer zur zweitgrößten Kulturveranstaltung des Landes macht.

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Es ist eine verregnete und kalte Woche auf der Soderkaser-Alm hoch über Lofer, die Kinder sind daher meistens in der geräumigen Hütte, rund um den warmen Kachelofen und proben ihre Texte und Musikstücke für das diesjährige Adventsingen. Fünf neue Kinder sind dieses Mal dabei, drei mussten ausscheiden, »weil sie in die Pubertät gekommen sind oder einfach wegen ihrer Größe kein Kind mehr darstellen konnten«, so der Gesamtleiter des Adventsingens, Hans Köhl.

Ein »alter Hase« ist mittlerweile schon die 12-jährige Monika Schöne, die vor vier Jahren über die Empfehlung ihrer Klarinetten-Lehrerin Teil der Hirtenkinder wurde. Drei anstrengende Saisonen im Festspielhaus hat sie schon hinter sich, mit bis zu vier Aufführungen an einem Wochenende und insgesamt 36 000 Besuchern. Lampenfieber hat Monika keines, sagt sie, »Es ist nicht mehr so aufregend, man sieht ja nur die ersten beiden Reihen im Publikum«. Heuer wird sie schon mit vier anderen Kindern vor dem eigentlichen Auftritt der Hirtenkinder auf der Bühne stehen und einen Landler spielen.

Das diesjährige Hirtenspiel »Schnee in Bethlehem« soll eine starke, soziale Komponente beinhalten, »es wird also nicht nur lustig sein, sondern auch nachdenklich«, so der künstlerische Leiter Hans Köhl. Die Hirtenkinder sind historisch uneheliche Kinder von Dienstmägden oder ohne Eltern, die drei Hauptrollen im Stück symbolisieren daher auch ein Findelkind, ein Waisenkind und einen »Bleib im Haus«, eine frühere Bezeichnung für ein behindertes Kind, das das Haus nicht verlassen sollte. »Diese Kinder haben es sehr schwer gehabt, genauso wie die Flüchtlingskinder heute«, so Köhl.

Die Tage auf der Alm sind besonders für die »Ersatzmama« der Kinder, Gudrun Köhl, aufregend: »Weil es heuer ja meist geregnet hat, haben wir uns die Freizeit mit vielen Spielen im Haus vertrieben«. Während vor einigen Jahren nur die Betreuer mit Handys ausgestattet waren, um die Eltern im Notfall erreichen zu können, haben heute die meisten Kinder ein eigenes Smartphone dabei, rufen abends alleine Mama oder Papa an und surfen in den Pausen fleißig im Internet. »Bei den Proben selbst müssen aber alle Handys ausgeschaltet sein und auch beim Schlafengehen sammle ich alle ein, sonst wäre da nie eine Ruhe«, so Gudrun Köhl schmunzelnd.

Premiere am 27. November

Regisseurin Caroline Richards ist das Arbeiten mit den Kindern mittlerweile auch schon gewöhnt: »Das schöne ist, dass die Einteilung der Texte wirklich zu jedem Charakter passt, dass also die Kinder sich mit ihrem Text voll identifizieren können«. Nach dem Kennenlernen der Rollen und Texte auf der Alm folgen jetzt intensive Probenwochen in der Musikschule Liefering, ab Mitte November dann bereits im Festspielhaus. Die Premiere von »Schnee in Bethlehem« ist am 27. November, es folgen insgesamt 14 Aufführungen bis zum dritten Adventsonntag, rund 36 000 Besucher, vor allem aus Salzburg, Oberösterreich und Bayern, werden auch heuer erwartet. Das von Tobi Reiser 1946 gegründete Adventsingen zeigt neben Volksliedern und Weisen auch eine szenische Handlung.

Weitere Informationen, auch zu den Karten, gibt es auf www.salzburgeradventsingen.at . Michael Hudelist