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Historische Gruppe besteht seit 110 Jahren

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Die Historische Gruppe des Trachtenvereins »D' Rauschberger-Zell« führte auch einen Tanz auf. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Einen ganz besonderen Akzent erhielt der Almkirta des Trachtenvereins »D' Rauschberger-Zell« im Holzknechtmuseum (wir berichteten), weil an diesem Tag die rund 40 Mitglieder zählende Historische Gruppe des Vereins 110. Jubiläum feierte.


Der Ruhpoldinger Trachtenverein gehört zu den ganz wenigen Vereinen im Gauverband I, der eine aktive Historische Gruppe hat. Sie ist gegründet worden vom späteren Bürgermeister Bartholomäus Schmucker, dem Vater des heute 99 Jahre alten Altlandrats Leonhard Schmucker.

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Bartholomäus Schmucker, der 1908 auch den Historischen Verein Ruhpoldings ins Leben rief, wollte vor allem die gute Tradition der althergebrachten Festtagskleidung erhalten, wie sie die Einheimischen im 19. Jahrhundert trugen. Es gab keineswegs feste Vorschriften dafür, sondern jeder konnte sein »guat's G'wand«, je nachdem, was er besaß, selbst zusammenstellen. Viele heirateten in diesen Kleidern, trugen sie zu Festtagen wie Geburtstagen, Hochzeiten und Weihnachten und wurden schließlich darin begraben. Bevor die heutige »grüne Tracht« der Rauschberger mit den weißen Federn am Hut eingeführt wurde, hatte dieses bunte, sehr vielfältige Erscheinungsbild das ländliche Geschehen im Miesenbacher Tal bestimmt.

Beim Almkirta fielen auf dem weitläufigen Gelände des Holzknechtmuseums unter den unzähligen »normal« gekleideten Besuchern natürlich überall die ganz besonders gekleideten »Historischen« auf. Von zahlreichen befreundeten Historischen Gruppen anderer Trachtenvereine, mit denen die Rauschberger eine Patenschaft verbindet, waren sehr viele Vertreter zu sehen, zum Beispiel aus Traunstein, Siegsdorf, Reit im Winkl, Grassau, Marquartstein, Staudach oder Bergen.

Manche kamen auch von viel weiter her, wie zum Beispiel die »Historischen« aus Passau, deren Frauen die charakteristischen, aufwändig gearbeiteten, goldenen Riegelhauben trugen. Aber auch der Kopfschmuck vieler anderer fiel auf: zum Beispiel die schönen Perlenkronen der Frauen, im Volksmund »Goaßeiterl« oder »Kuahoater« genannt, oder die dicken Pelzmützen mancher Rauschberger Damen. Weiteres auffälliges Merkmal vieler historischer Trachten ist der Frauenschal aus Kaschmirwolle. Die zahlreich vertretenen »Historischen« aus Traunstein fielen auch durch ihre dicken, aus weißer Baumwolle gestrickten Kniestrümpfe auf.

Beim Almkirta hielt auch der seit 1998 amtierende Ehrenvorstand der Historischen Gruppe, Sepp Lanzinger, eine Ansprache und würdigte dabei besonders den Schweizer Jodlerclub Teufen aus Appenzell, deren Mitglieder nicht nur durch ihre roten Westen mit Goldschmuck auffielen, sondern besonders durch ihren wunderbaren Gesang.

Lanzinger erfand vor Jahren auch den »Tanz der Historischen«, eine gefällige Mischung aus Sterntanz und Mühlradl, der bei feierlichen Anlässen aufgeführt wird, sogar schon auf der »Oidn Wiesn« in München. Auch beim Almkirta begeisterte dieser Tanz der »Historischen« das zahlreiche Publikum, das mit Applaus nicht sparte. gi