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Nach zehn Jahren an der Spitze des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein übergab Hans Helmberger (rechts) den Vorsitz an Gernot Pültz. Neu im Beirat ist Hedwig Amann.

Historischer Verein: Auf Hans Helmberger folgt Gernot Pültz

Traunstein – Gernot Pültz ist neuer Vorsitzender des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein. In der Jahreshauptversammlung für 2020 und 2021 im Hofbräustüberl wählten ihn die Mitglieder einstimmig zum Nachfolger von Hans Helmberger, der nach zehn Jahren den Vorsitz aus persönlichen Gründen abgegeben hatte. Für seine Verdienste um den Verein wurde Helmberger, der vor seiner Amtsübernahme bereits zwei Jahre als Schriftführer tätig war, zum Ehrenmitglied ernannt. Willi Schwenkmeier ging in seiner Laudatio auf die Verdienste des scheidenden Vorsitzenden ein, den die Mitglieder mit Standing Ovations verabschiedeten.


Der Historische Verein sehe sich auch als Kulturverein, betonte Helmberger. Und Kultur bedeute unter anderem, »dem Schöpferischen Raum zu geben« – und diesen Raum beanspruche man auch »für den Ausbau des Stadtmuseums und damit eine zeitgemäße Pflege und Präsentation unserer Erinnerung«. »Wie wir wurden, was wir sind« sei die Überschrift über das Bemühen für den Ausbau des Stadtmuseums, das der 1951 gegründeten Stiftung Heimathaus gehört. Historischer Verein und Stadt sind gemeinsam Träger dieser Einrichtung.

Helmberger ging auf die Situation der vergangenen beiden Jahre 2020 und 2021 ein und bedauerte, dass aus Pandemiegründen nur wenige Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Lediglich eine Exkursion im Januar 2020 zur Bayerischen Landesausstellung nach Regensburg, dann der Vortrag von Julian Traut über den Journalisten und Rom-Kenner Reinhard Raffalt konnten 2020 angeboten werden. Zwei Stadtführungen der Heimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch zum 200. Todestag von Ludwig Thoma und ein Vortrag von Franz-Josef Rigo über den bayerischen Dichter, Schriftsteller und Satiriker waren die Veranstaltungen 2021. Außerdem wurde eine Informationstafel über die Geschichte des ehemaligen Stadtteils Heilig Geist am Fußgängerüberweg beim Kreisel vor dem Ettendorfer Tunnel erstellt. Die Verleihung des Max-Fürst-Preises an Richard Ruhland aus Tittmoning (2020) und den Traunsteiner Ehrenbürger und Altoberbürgermeister Fritz Stahl (2021) sowie der Jugendpreise waren jeweils die Höhepunkte des Vereinsjahres.

Kassenverwalterin Silvia Fröhler konnte einen positiven Kassenbericht vorlegen. Sie freute sich auch über die in den letzten zehn Jahren stetig gewachsene Zahl an Mitgliedern, derzeit sind es knapp 380, von denen knapp 250 in diesem Jahrzehnt neu hinzugekommen sind.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer dankte dem Historischen Verein und würdigte dessen Arbeit als »wichtigen Teil zur Bewahrung des geschichtlichen Erbes der Stadt«. Zum geplanten Neubau des Museums erklärte der Oberbürgermeister, dass es ein Haus brauche, das für möglichst viele Zielgruppen interessant sei – Einheimische, Touristen, geschichtsbewanderte Menschen und Laien. Er zeigte sich auch dankbar dem vor einem Jahr gestorbenen Spender Dietrich von Dobeneck, der das neue Museum mit einem beachtlichen Erbe ausgestattet hatte. »Der Historische Verein, der Vorstand der Stiftung Heimathaus und auch die Stadtverwaltung werden gemeinsam auf diesem Weg weitergehen, wir brauchen aber noch einen gewissen Atem, bis das neue Museum tatsächlich gebaut wird«, so der Oberbürgermeister.

Schwenkmeier würdigte die Leistungen von Helmberger und betonte, dass er allzeit ein sehr hohes Engagement an der Spitze des Vereins an den Tag gelegt habe. »Wir, die wir dich damals gewählt hatten, erwarteten, das du dich, mal übertrieben gesagt, mit annähernd hundert Prozent in dieses neue Amt hineinwirfst, aber da täuschten wir uns, denn das war nicht der Fall, es waren nicht hundert Prozent, sondern tausend.« Helmbergers Amtszeit seien, wie man gerne auf neudeutsch sage, »zehn Jahre volle Kanne und volles Rohr« oder, wie das junge Leute nennen würden, zehn Jahre »full power« gewesen – mit Anecken und Kopfschütteln bei so manchen Kritikern. Aber so etwas gebe es immer. Vermutlich habe es Helmberger mit Goethe gehalten: »Mir ist so kannibalisch wohl als fünfhundert Säuen.«

Schwenkmeier hatte eine Überraschung für Helmberger parat: Der Laudator und Beirat im Verein berichtete, dass der Vorstand einstimmig beschlossen habe, den aus seinem Amt scheidenden Vorsitzenden zum Ehrenmitglied zu ernennen. Vorstandsmitglieder überreichten die Urkunde – zusammen mit Geschenken für ihn und seine Frau Erika. Die Mitglieder erhoben sich von ihren Plätzen und klatschten Beifall.

Einstimmig wählten die Mitglieder Gernot Pültz zum neuen Vorsitzenden. Er schied damit aus dem Beirat aus. Neu in dieses Gremium schickten die Mitglieder Hedwig Amann.

Pültz erklärte, wichtigstes, kurzfristiges Ziel für den Verein sei nun, die durch Corona entstandenen Schäden im Vereinsleben zu beseitigen und möglichst schnell wieder Veranstaltungen anzubieten. Langfristig gebe es eine Reihe von abzuarbeitenden Projekten. Insbesondere stehe der Verein in der Verantwortung, die Stadt bei der Erweiterung des Heimathauses zu unterstützen. Der neue Vorsitzende sah es darüber hinaus ebenfalls als wichtiges Ziel an, die heimische Geschichte für die junge Generation attraktiv zu machen, unter anderem durch die Miteinbeziehung moderner Medien. Er formulierte dazu die Leitidee: »Lassen Sie uns gemeinsam Geschichte und Geschichten erzählen.«

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