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Historischer Verein Traunstein würdigt »Bauer z' Hof«

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Der Vorsitzende des Historischen Vereins Traunstein, Hans Helmberger (links), und Franz  Demmelmair von den Adelholzener Alpenquellen (rechts) übergaben Franz Huber den Max-Fürst-Preis. Laudator war Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner. (Foto: Buthke)

Traunstein – Bei einer Feierstunde im Traunsteiner Rathaus überreichten der Vorsitzende des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, Hans Helmberger, und Franz Demmelmair von den Adelholzener Alpenquellen, die den Preis stets finanziell ausstatten, Franz Huber aus Hof bei Kirchanschöring den Max-Fürst-Preis.


Seit 2002 verleiht der Historische Verein diesen Preis alljährlich an Personen aus der Region, die sich um die Erforschung der Heimatgeschichte und der Heimatpflege in besonderer Weise Verdienste erworben haben. In Vertretung von Landrat Siegfried Walch übergab stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber die vom Landrat gestifteten Max-Fürst-Jugendpreise an den forschenden Nachwuchs.

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In seiner Laudatio sagte Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner, dem »Bauer z' Hof« sei es zu verdanken, dass wichtiges Brauchtum wieder einen festen Platz in unserer Gesellschaft habe. Als Paradebeispiel dafür nannte er das Schnalzen. 1960 sei Huber beauftragt worden, eine Pass im Ort zu organisieren. Es sei ihm gelungen, die Schnalzertradition in Kirchanschöring ins Leben zu rufen. Vor allem erinnerte Birner sich an den Handwerkermarkt zur 1200-Jahr-Feier 1988, bei der Huber neben dem damaligen Bürgermeister Hans Straßer die treibende Kraft gewesen sei.

Bei den Vorbereitungen wurde auch der Verein für Heimatpflege Kirchanschöring-Lampoding gegründet, dessen Vorsitzender Huber seit 1987 ist. »Er hat ein gutes Gespür dafür, was für die Öffentlichkeit von Bedeutung ist«, sagte Birner. Und so sei es nicht verwunderlich, dass der »Bauer z' Hof« seit 1989 Ortsheimatpfleger sei. In dieser Eigenschaft ist er Mitarbeiter und Autor bei den Heimatbüchern Kirchanschöring-Lampoding, setzt er sich für die Pflege und Weitergabe des Dialekts ein und sei Erfolgsgarant für das Schulprojekt »Auch Brot muss wachsen«.

Er macht Geschichte durch Geschichten erlebbar

Bereits 1972 hat Huber begonnen, handwerkliche, häusliche und landwirtschaftliche Gerätschaften und Maschinen zu sammeln und so wuchs langsam ein richtiges Museum. Ab 1976 wurde dort das bäuerliche Leben mit dem Dampfdreschen und Vorführungen von alten Handwerken ein Stück weit erlebbar. 1979 wurde der zum Abbruch bestimmte Schmiedhof aus Hötzling von 1811 nach Hof versetzt. 1981 eröffnete Huber sein Bauernhofmuseum offiziell. Ihm sei es jedoch nicht nur wichtig, etwas zu zeigen, sondern bei seinen Führungen Geschichte durch Geschichten erlebbar zu machen, betonte der Bürgermeister.

Birner erwähnte auch Hubers Einsatz im Trachtenverein als erster und zweiter Vorstand sowie als Ausschussmitglied. »Dieses Engagement hat mitgeholfen, unseren Trachtenverein erfolgreich durch eine Zeit zu führen, als Tracht und Tradition bei jungen Leuten einen weitaus geringeren Stellenwert hatten als heutzutage«, meinte er. Ferner wies Birner auf Hubers Kümmern um den Maibaum seit rund 60 Jahren hin. Besonders die traditionell handgeschnitzten und handgemalten Taferl seien ihm wichtig.

Als letztes Beispiel seines vielfältigen Einsatzes führte der Bürgermeister sein Engagement für das »Kolomangäu«, die Gegend rund um die Kirche St. Kolomann« bei Lebenau, an. Huber und seine Mitstreiter hätten die Kirchenrenovierung angestoßen und unermüdlich Geld dafür gesammelt. Zum 500. Jubiläum in einigen Tagen sei es tatsächlich geschafft. Wieder einmal habe der »Bauer z' Hof« es geschafft, ein historisch wichtiges Element in unser Bewusstsein und in unsere Zeit zurückzuholen. Die Faszination von Huber drückte Birner abschließend mit folgendem Satz aus: »Er schafft es seit Jahrzehnten, alle Altersgruppen einer ganzen Region für seine Geschichte und seine Geschichten zu faszinieren und diese weiterzuvermitteln.«

Dr. Alfred Kotter gewürdigt

Die Vergabe der Max-Fürst-Jugendpreise war verbunden mit dem Dank des Historischen Vereins, der Stadt Traunstein und des Landkreises an den Initiator sowie langjährigen Organisator, Juror und Laudator Dr. Alfred Kotter, den es beruflich ins Schwäbische verschlagen hat, und der deshalb seine Funktionen niedergelegt hat. Seine Nachfolge hat Vorstandsmitglied Willi Schwenkmeier übernommen. Vom Vorsitzenden Helmberger bekam Kotter ein Geschenk. Oberbürgermeister Christian Kegel hob die Verdienste Kotters um den renommierten Jugendpreis ebenfalls hervor. Stellvertretende Landrätin Schmidhuber erklärte, Kotter habe den Jugendpreis zu einer überregionalen, hoch angesehenen Auszeichnung gemacht.

»Unsere Dörfer und Städte im Landkreis Traunstein sind unsere Heimat, die ohne ihre Geschichte allerdings nichts wäre«, stellte Schmidhuber fest. Die Bezeichnung »ländlicher Raum« beschränke sich nicht ausschließlich auf die Landwirtschaft, jedoch sei klar, dass die Landwirtschaft unseren Landkreis besonders geprägt habe. Deshalb freute sie sich ganz besonders, dass Huber den Max-Fürst-Preis bekommen hat.

Zudem freute es sie, dass wieder viele junge Menschen für ihre herausragenden Arbeiten rund um die Geschichte des Landkreises Traunstein ausgezeichnet wurden. Sie hätten unter anderem politische und gesellschaftliche Themen der regionalen und überregionalen Geschichte beleuchtet. »Behalten Sie Ihre Neugier und Ihre Lust an der Geschichte«, ermunterte Schmidhuber die Jugendpreisträger.

Huber sei völlig zu Recht der 17. Träger des Max-Fürst-Preises, stellte Oberbürgermeister Christian Kegel fest. Er habe auf seinem Anwesen ein Bauernhofmuseum aufgebaut und setze sich auf vielfältige Art und Weise für den Erhalt des Brauchtums und der geschichtlichen Zeugnisse unserer Heimat ein. Ebenso gratulierte er den Max-Fürst-Jugendpreisträgern. Sie hätten sich wiederum mit spannenden Aspekten der Heimatgeschichte befasst.

Die Geschichtsbetrachtung zerfalle in verschiedene Segmentierungsprozesse, bei dem die Geschichte der Heimat ein ganz wesentliches Segment sei, wolle man historische Kontexte verstehen, die mit unserer unmittelbaren Umgebung verwurzelt seien, stellte Willi Schwenkmeier bei der Würdigung der Max-Fürst-Jugendpreisträger fest. Um die sogenannte große Geschichte zu verstehen, könne gerade das Beschäftigen mit der Heimatgeschichte einen wesentlichen Beitrag leisten.

Förderpreise für Arbeiten aus dem AKG

Förderpreise erhielten zwei Arbeiten aus dem Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein. Maximilian Tiling erforschte im Rahmen eines W-Seminars die Entstehung und Verlandung des Chiemsees. Der erste Teil seiner Arbeit erklärt naturgeschichtlich seine Entstehung und all jene Veränderungen, die ihn maßgeblich betroffen haben. Seine naturwissenschaftliche Arbeit weist dagegen in die Zukunft, in der der Chiemsee einst Geschichte sein wird.

Den zweiten Förderpreis bekam die Arbeit des P-Seminars des AKG zur Thematik »Politik im Kinderzimmer, 1900 - 1950«. Unter der Leitung von Studiendirektor Dieter Grosch haben 13 Schülerinnen und Schüler (Jennifer Gübel, Severin Weiß, Bianca Arlt, Lena Rosenegger, Julia Edfelder, Jonas Schützinger, Paula Brüderl, Franziska Edfelder, Georg Ströher, Sina Spiegelsberger, Luzia van de Paas, Berkhan Manap und Atakan Sentürk) eine immense Arbeit geleistet, die im vergangenen Oktober sogar als Ausstellung im Heimathaus zu sehen war.

Mehrere Anerkennungspreise

Mit Anerkennungspreisen ausgezeichnet wurden Katharina Müller (Chiemgau-Gymnasium; Traunstein) für ihre Arbeit »Der politische Neubeginn in Traunstein nach 1945«, Ramona Hagler (Chiemgau-Gymnasium) für »Die Presse nach 1945«, Katharina Hammerl (Achental-Realschule, Marquartstein) für »Brauchtum im Chiemgau: Perchten und Krampusse«, Julia Meinecke (Achental-Realschule) für »Brauchtum im Chiemgau: Trachtenvereine« sowie Veronika Brandstetter für »Brauchtum im Chiemgau: Entwicklung des Chiemgau Alpenverbands«. Bjr