Hochwasser-Katastrophe im Landkreis: Ehrenamtliche der BRK-Bereitschaften kümmern sich um mehrere hundert Betroffene

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Foto: BRK BGL

Berchtesgadener Land – Die Hochwasser-Katastrophe im inneren Landkreis ist gerade einmal zwei Wochen her, wobei viele Menschen noch immer mit dem teilweise dramatischen Folgen zu kämpfen haben. Die ehrenamtliche Rotkreuzlerin Silke Kirchner von der BRK-Bereitschaft Ainring und der für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) verantwortliche BRK-Fachdienstleiter Daniel Bechtel berichten in ihrem Rückblick auf die Ereignisse von der vielleicht weniger spektakulären und öffentlich kaum wahrgenommenen Arbeit im Hintergrund, die für die Betroffenen in der Akutphase jedoch enorm wichtig war: Die Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) Betreuung und Verpflegung mussten im ehrenamtlichen Schichtdienst Notunterkünfte, Verpflegung und in Zusammenarbeit mit dem BRK-Kriseninterventionsdienst (KID) die psychosoziale Notfallversorgung von mehreren hundert Betroffenen, Geschädigten und Evakuierten sicherstellen.


„Um die Evakuierten psychisch etwas zu stabilisieren und ihnen in einer unübersichtlichen und überfordernden Akutphase ein Gefühl der Sicherheit zu geben, haben wir in einer geschützten Umgebung zusammen mit dem Leitenden Notarzt in regelmäßigen Abständen Informationsrunden durchgeführt, um immer wieder die aktuelle Einsatzlage zu erläutern,  alle Fragen zu beantworten, Bedürfnisse zu erkennen und zu stillen und Einzelgespräche für schlimmer Betroffene angeboten und durchgeführt“, berichtet Bechtel, der im Schichtdienst als Abschnittsleiter in einer Notunterkunft gefordert war.

Betreuungsstellen & Notunterkünfte

Noch am späten Samstagabend alarmierte die Leitstelle Traunstein die SEG Betreuung und Verpflegung, die dann in einem öffentlichen Gebäude in Mitterfelden eine Betreuungsstelle für 200 Menschen aufbauten, im Schichtbetrieb personell besetzten und in der Nacht und tagsüber Erkundungsfahrten zur Feststellung der Lage-Entwicklung durchführten. Die Ehrenamtlichen der BRK-Bereitschaften Ainring und Freilassing richteten vorsorglich eine Essensausgabe, Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten sowie Ruhe- und Sozialräume ein, die dann im Lauf des Sonntags nicht mehr benötigt wurden, da die Kapazität der im südlichen Landkreis durch die BRK-Bereitschaften, die BRK-Wasserwacht und den Malteser Hilfsdienst (MHD) betriebenen Betreuungsstellen und Notunterkünfte dann ausreichte. „Nach einer kurzen Nacht, in der die meisten von uns nur zwei bis drei Stunden schlafen konnten, alarmierte uns die Leitstelle aufgrund der Hochwasser-Lageentwicklung erneut, da weitere Anwohner im südlichen Landkreis evakuiert werden mussten. Wir starteten um 5 Uhr in der Früh zur personellen und materiellen Unterstützung des MHD in einer bereits errichteten Betreuungsstelle, wobei wir uns bis zum frühen Nachmittag um die Registrierung der Evakuierten kümmerten. Trotz der unklaren Situation waren Anwohner und Urlauber jeden Alters ruhig, dankbar und vertrauten auf unsere Hilfe“, berichtet Kirchner, die in ihrem Einsatzabschnitt nur einen medizinischen Notfall mit einer älteren, intern vorerkrankten Frau hatte, die nach Erstversorgung durch die Ehrenamtlichen dann der Landrettungsdienst des Roten Kreuzes übernahm und in die Klinik brachte.

Für die erschöpften Rotkreuzler gings gegen Abend mit zunehmender Lage-Entspannung zurück an ihre Standorte, wobei sie noch die Betreuungsstelle in Mitterfelden zurückbauten, für eine Lage-Änderung aber weiterhin betriebsbereit hielten.

BRK-Bereitschaften ergänzen den Rettungsdienst im inneren Landkreis

Darüber hinaus kümmerten sich die ehrenamtlichen Sanitäter auch darum, dass der Rettungsdienst und Krankentransport und damit die medizinische Notfallversorgung der Bevölkerung trotz überfluteter und beschädigter Straßen mit nur noch über große Umwege erreichbaren Ortsteilen ohne Abstriche aufrecht erhalten blieb. Die BRK-Bereitschaft Stadt Freilassing war mit ihrem Gerätewagen Sanität im Einsatz und die Notfallkrankenwagen der Bereitschaften fuhren immer wieder zu Notfällen und Transporten. „Am Sonntagmittag wurde unser Notallkrankenwagen alarmiert und fuhr mit unserem Bereitschaftsarzt Andreas Schaider auf den Einsatz, wobei die Besatzung den Patienten versorgte, in eine Klinik brachte und gegen 14.30 Uhr wieder einrückte“, berichtet Kirchner. Bereits am Samstagabend war das Fahrzeug mit einem Arzt, einem Notfallsanitäter und einem Rettungshelfer besetzt im Schadensgebiet im inneren Landkreis unterwegs, um dort den Rettungsdienst zu verstärken. Feldköchin Maria Krinke kümmerte sich während der Einsätze darum, dass ihre Leute mit warmen Mahlzeiten, Brotzeiten und Getränken versorgt waren.

Zwei Tote, mehrere Verletzte und zwei durchs Wasser beschädigte Einsatzfahrzeuge

Am Montagvormittag bauten die Ehrenamtlichen ihre Betreuungsstelle in Mitterfelden ab, sichteten und ergänzten das benutzte und verbrachte Material und säuberten Ausrüstung und Fahrzeuge. Alle Rotkreuz-Helfer kamen wohlbehalten aus dem nicht ungefährlichen Einsatz zurück, bei dem unter anderem eine Frau ertrank, ein intern vorerkrankter Mann wohl aufgrund der Aufregung verstarb, zwei THW-Helfer bei einem Einsatzfahrzeug-Überschlag verhältnismäßig glimpflich davonkamen, mehrere Privatleute bei Hilfs- und Aufräumarbeiten verletzt wurden und hunderte Menschen ihr Hab und Gut verloren haben. „Unser Mitgefühl gilt ihnen allen! Wir danken allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und wünschen allen Betroffenen viel Kraft in der nächsten Zeit!“, schreibt Kirchner. Durchs Hochwasser wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag unter anderem das Berchtesgadener Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) auf der Anfahrt zum Einsatz für die in ihrem Haus ertrunkene Frau im über einen Meter hohen Wasser auf der Straße im Markt Berchtesgaden so schwer beschädigt, dass es danach nicht mehr einsatzklar war und durch ein Ersatzauto ausgetauscht werden musste. Auch ein Notfallkrankenwagen der BRK-Bereitschaft Berchtesgaden wurde durch rasch steigendes Wasser auf der Straße beschädigt und fiel vorrübergehend aus; das Fahrzeug konnte aber mittlerweile bereits wieder repariert werden.

fb/red