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Höfl-Riesch hört auf dem Gipfel ihrer Karriere auf

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Abschied
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Bei der Übergabe der Abfahrts-Kugel erklärt Maria Höfl-Riesch ihren Abschied vom Profi-Sport. Foto: Marc Müller Foto: dpa
Würdigung
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DOSB-Präsident Alfons Hörmann ehrte den Skistar persönlich. Foto: Marc Müller Foto: dpa
Schöner Abgang
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Bei den Sotschi-Spielen erlebte Höfl-Riesch in der Super-Kombination ihren goldenen Moment. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa
Weltspitze
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Viele Jahre war die Partenkirchenerin in den meisten Disziplinen Weltspitze. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa
Plötzlich
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Ihr letzter sportlicher Auftritt endete in einem Rettungshubschrauber - nach einem Abfahrts-Sturz in der Lenzerheide. Foto: Barbara Gindl Foto: dpa
Kristall-Sammlerin
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In fast 14 Jahren brachte es die 29-Jährige auf fünf kleine Kristallkugeln. Foto: Ettore Ferrari Foto: dpa
Bewegend
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Mit US-Star Lindsey Vonn (l) verband Maria Höfl-Riesch eine besondere Freundschaft. Foto: Jean-Christophe Bott Foto: dpa
Auszeichnung
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Als «Sportlerin des Jahres» wurde der Ski-Star 2010 ausgezeichnet. Foto: Patrick Seeger dpa Foto: dpa
Glücklich
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Im April 2011 ehelichte Frau Riesch ihren Manager Marcus Höfl. Foto: Stephan Jansen Foto: dpa

München (dpa) - Maria Höfl-Riesch kämpfte mit den Tränen - eine der größten deutschen Wintersportkarrieren ist zu Ende. Zwischen »Wehmut und Erleichterung« schwankte die dreimalige Olympiasiegerin, als sie nach mehr als 13 Weltcup-Jahren das Ende einer besonderen Laufbahn verkündete.


»Man soll bei solchen Entscheidungen auf sein Bauchgefühl hören«, sagte die 29-Jährige. Bei der Bekanntgabe des schwierigen Schrittes musste sie sich mehrfach räuspern. »Bei Olympia in Sotschi hat sich für mich noch einmal der größte Traum erfüllt, und man soll aufhören, wenn es am schönsten ist - und das war das Schönste, was ich mir vorstellen konnte.« Höfl-Riesch musste schlucken.

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Sichtlich berührt und mit feuchten Augen schaute die mit dreimal Gold noch vor Rosi Mittermaier und Katja Seizinger erfolgreichste deutsche Olympia-Alpine auf ihre imposante Zeit im Wintersport zurück. Wiederholt suchte Höfl-Riesch dabei den Blick zu ihren Eltern und Ehemann Marcus in der ersten Reihe. »Ich kann mich an jeden einzelnen Sieg erinnern«, betonte die Vielfahrerin. »Aber die ganz großen Highlights waren sicher die drei olympischen Goldmedaillen.«

Zehn Medaillen bei Großereignissen, einen Gesamtweltcupsieg, fünf kleine Kugeln für Gesamtsiege in den Disziplinwertungen und 27 Weltcup-Erfolge hat Höfl-Riesch bejubelt. Immer wieder kam sie auch nach Rückschlägen, wie nach ihren zwei Kreuzbandrissen, zurück. Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist die Sportlerin des Jahres 2010 »alpiner Superstar unserer Generation«. »Sie ist eine der größten Sportlerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrzehnts, sowohl national als auch international«, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Donnerstag der dpa. »Ein Glücksfall für den deutschen Sport.«

Ehe Höfl-Riesch ihren Entschluss verkündete, gab es erst einmal die sechste Kristallkugel. Hörmann überreichte die Trophäe, Küsschen rechts und Küsschen links, dazu eine Umarmung von Alpindirektor Wolfgang Maier. Der Glaspokal war die Auszeichnung für die Abfahrtswertung, die Höfl-Riesch trotz ihres Aus vor einer Woche beim Saisonfinale in der Schweiz gewonnen hatte. Vor allem der lädierte Ellenbogen erinnert sie noch an die Folgen des Sturzes, der vielleicht den letzten Anstoß zum Rücktritt gab.

»Ich bin froh, dass es jetzt raus ist«, gestand Höfl-Riesch. Mehr als 13 Jahre war Höfl-Riesch voller Leidenschaft im alpinen Skirennsport dabei, »der das Leben bestimmt hat«. Gerade die von ihr immer wieder monierte Hetzjagd »von Rennen zu Rennen« werde ihr im Winter fehlen, prognostizierte sie. »Aber erst einmal werde ich es genießen, einfach mal nichts zu tun.« Und danach? »Natürlich gibt es Pläne, aber das ist noch Zukunftsmusik«, betonte sie. »Ich muss erstmal zur Ruhe kommen und mal an nichts denken.«

Die Ruhe hat sich die in Kitzbühel lebende Höfl-Riesch nach anderthalb Jahrzehnten Leistungssport verdient. Im Januar 2001 bestritt die damals 16-Jährige das erste von insgesamt 356 Weltcup-Rennen und erinnerte noch einmal an die Anfänge. »Schon als kleines Kind habe ich unbändige Freude am Skifahren gehabt«, bekannte Höfl-Riesch. »Wahnsinn, was daraus für eine Karriere entstanden ist. Ich war mit viel Talent gesegnet, aber zugeflogen ist mir auch nichts.«

27 Siege und insgesamt 81 Podestplätze stehen bei ihr zu Buche, als Deutsche stand nur Katja Seizinger (36) öfter ganz oben. »Ich durfte über die ganze Karriere so viele schöne Momente erleben«, schwärmte Höfl-Riesch. Mit Kristallkugel und Blumenstrauß in der Hand posierte sie für die Fotografen. »Die abschließende Krönung war Olympiagold in Sotschi.« Danach reifte mehr und mehr der Entschluss zum Rücktritt. Ein Gespräch mit Maier, der einen Trainer nur für sie abstellen wollte, ließ sie aber noch einmal nachdenken. Letztlich aber behielt das Bauchgefühl die Oberhand.

Bis der Deutsche Skiverband erneut ähnliche Erfolge feiern kann, dürfte einige Zeit vergehen. Außer Vancouver-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg gibt es im Damen-Team nach Höfl-Rieschs Rücktritt keine Siegfahrerin mehr. Ganz so lange wird Höfl-Riesch nicht mit einer privaten Rückkehr auf Ski warten, aber lächelnd kündigte sie an: »Das könnte 'mal ne Weile dauern.« Zwar ist für das Wochenende Schnee angesagt. Doch ihr Arzt würde eine Hobby-Skifahrt wegen der Verletzungen sicher »nicht so gut finden«. Und außerdem steht sowieso erst einmal Urlaub in den USA und in der Karibik an.

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