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Höllischer Spaß mit göttlichem Blödsinn

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Gemeinsam stark: Die Fee aus dem See (Pia Douwes) und Sir Dennis Galahad (Julian Looman) wappnen sich für bevorstehende gemeinsame Abenteuer. (Foto: Benekam)

Im Salzburger Landestheater steppt derzeit in der Musical-Parodie »Spamalot« von Monty Python nicht der Bär, sondern die Ritter der Tafelrunde: In lust- und liebevoller »Zerfledderung« wird der Kultfilm »Der Ritter der Kokosnuss« mit seinen mehrfach unsinnigen Inhalten (Buch und Liedtexte von Eric Idle, Musik von John Du Prez) über König Artus auf der Jagd nach dem Heiligen Gral als geniale, mehrfach preisgekrönte Bühnenadaption aufgeführt.


Andreas Gergens Inszenierung am Salzburger Landestheater des im März 2005 in New York uraufgeführten Musicals reiht sich zusammen mit Peter Ewaldts großartiger musikalischer Leitung in die Erfolgsgeschichte des schrill-schrägen Musicals ein. »Spamalot« erfreut sich über endlos ausgelassenes Gelächter seines Publikums und infolgedessen allerbester Besucherzahlen – wer sich diesen königlich komischen Leckerbissen britisch-schwarzen Humors durch die Lappen gehen lässt, der ist selbst schuld.

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Monty Pythons hohe Kunst des Blödsinns

Monty Pythons hohe Kunst des Blödsinns ist nicht jedermanns Humor. Aber einmal infiziert, macht er süchtig. Zumindest die Zuschauer, die über mordende Kaninchen, über Schlossmauern katapultierte Kühe, einen trojanischen Hasen oder einen schwarzen Ritter, dem im Kampf alle Extremitäten abgeschlagen wurden und der dennoch das Ergebnis des Kampfes als »Unentschieden« deklariert, lachen können.

Die Liste »lachergarantierender« Gags ist endlos, auch – und gerade weil – das Ensemble des Salzburger Landestheaters sich voller Inbrunst mit sich überschlagender Spielfreude in den ritterlichen Wahnsinn stürzt. Schon das erste Erscheinen von König Artus (Uwe Kröger), wie er mit seinem Diener Patsy (Elliott Carlton Hines) im Schlepptau über die Bühne galoppiert, ist ein Knüller. In Ermangelung eines Pferdes greift man – genau wie im Film – schlicht zur Kokosnuss. Zwei Hälften einer leeren Kokosnuss aneinandergeschlagen imitieren das Hufgeräusch.

König Artus, sein sagenhaftes Schwert Excalibur (ein Geschenk zur Befreiung Britanniens von der selbstverliebten und erfolgsgeilen Fee aus dem See) und sein Diener Patsy sind ziemlich beste Freunde und verfolgen einen gemeinsamen Auftrag: Das von Chaos und Pest geplagte Britannien um 932 nach Christus zu befreien. Dazu braucht man freilich Mitstreiter, die es zu finden gilt – die Ritter der Tafelrunde.

Einmal auf dem Weg hat das seltsam klappernde Paar schnell einige geeignete und hoch motivierte Ritter rekrutiert: den überaus kampfesmutigen Sir Lancelot (Sascha Oscar Weis), den überhaupt nicht mutigen Sir Robin (Marc Seitz), den leicht flatulenten Sir Bedevere (Axel Meinhardt) und schließlich den überaus gut aussehenden Frauenversteher Sir Dennis Galahad (Julian Looman).

In dieser fantastischen Tafelrunde wird erst einmal eine lasterhafte Party mit Wein, Weib und Gesang gefeiert, die aber jäh von Gott unterbrochen wird. Artus und sein beklopptes Gefolge wird abgerufen den »verbummelten Becher« des Allmächtigen zu finden: »Such den Gral«, singt und motiviert auch die immer verführerische, hoch attraktive Fee aus dem See (Pia Douwes), die den »fast Furchtlosen« ihre Unterstützung zusagt. Die Suche nach dem Heiligen Gral führt die Ritter so durch aller Herren Länder.

Wie auch im Film ist die Szene ihres Eintreffens an den Mauern eines französischen Schlosses Höhepunkt des an Wahnsinn grenzenden, britisch-schwarzen Humors: wüste Ergüsse exaltierter Schimpfwortduelle zwischen Franzosen und Briten, Bombardierung mit allem, was geht. Bei dem Befehl »Jetez la vache!« ziehen die der französischen Sprache mächtigen Zuschauer vorsichtshalber die Köpfe ein – und tatsächlich lassen die Salzburger da die Kuh fliegen. Die Briten fliehen zunächst und versuchen, sich mittels eines überdimensionierten trojanischen Hasen Zutritt zu verschaffen – haben aber blöderweise vergessen, einzusteigen.

Das Lied »Nimm das Leben leicht, hab einfach Spaß«, in Anlehnung an »Always look on the bright side of life«, tröstet Artur über die bittere Niederlage hinweg. Dem Zuschauer gewährt es eine dringend notwendige Atempause, bevor die Lachmuskulatur bei dem Kampf mit dem Schwarzen Ritter, der Begegnung mit den »Rittern, die immer Nie sagen« (und immer neue kniffelige Aufgaben für Artus bereithalten), sowie Sir Lancelots heldenhaftem Einschreiten zur Rettung vor einer erzwungenen Hochzeit des schwulen Prinzen Herbert (Marco Dott) erneut strapaziert werden.

Schier unüberwindbare Aufgaben für König Artus

Nun bleiben aber dem deprimierten Artus immer noch schier unüberwindbare Aufgaben, bis er sein Fernziel – das Finden des Heiligen Grals – erreicht. Wie soll man denn in Österreich ein erfolgreiches Broadwaymusical auf die Bühne bringen? Und wie überlistet man diesen »Mörderhasen«, den grauenhaften Bewacher des Heiligen Grals? Dem Killer-Meister-Lampe schleudern die Ritter kurzerhand die Heilige Handgranate entgegen und das erfolgreiche Musical vom Broadway in Österreich, da ist die Fee vom See sich sicher, in dem befinde man sich gerade.

Um schließlich das Objekt der Begierde zu finden, wird im Salzburger Landestheater die vierte Wand durchbrochen: Der Heilige Gral war nicht etwa in den finsteren Wäldern Camelots verschollen, auch nicht in den ägyptischen Pyramiden, sondern im Zuschauersaal. Hier findet dann das grandiose Ensemble auch den verdienten Applaus. Ein mehr als begeistertes Publikum feiert alle Darsteller für die immer ansteckende Spielwut, das Musical-Ensemble für seine kaum zu toppenden Tanzchoreografien, das in der Schlosskulisse ins Bühnenbild integrierte Mozarteumorchester mit dem Chor des Salzburger Landestheaters und die an Kreativität und Schönheitssinn unüberbietbare Arbeit von Bühnenbild (Courd Watson) und Kostüm (Conny Lüders).

Das sagenhafte Musicalvergnügen ist für alle, die sich den ritterlichen Blödsinn noch einmal gönnen wollen, noch nicht genossen haben, bis Ende März zu erleben. Kirsten Benekam