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Hörgenüsse erster Güte

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Der Chiemgau-Chor unter der Leitung von Michael Felsenstein (am Klavier) bot mit Solisten und dem Klezmer-Trio »Gschekad« in der Franz-Eyrich-Halle ein mit vielen Höhepunkten gespicktes Sommerkonzert. (Foto: Benekam)

Der 1911 gegründete Chiemgau-Chor hat sich in seinem Sommerkonzert mit einem bunt gemischten Programm unterschiedlichster Musikgenres in der Traunsteiner Franz-Eyrich-Halle in Bestform präsentiert. Da stand ein stimmlich gut aufgestellter, vierstimmiger Chor auf der großen Bühne, der vortrefflich sang und dabei selbst allergrößtes Vergnügen hatte.


Unter der musikalischen Leitung von Michael Felsenstein wurde sauber intoniert, es entstand eine weite Dynamik bei präzisen Tempowechseln und klangschöner Homogenität. Zudem ergänzten mehrere Chorsolisten das sängerische Tableau – sie werteten mit kleineren und größeren Solopartien das Gesamtpaket auf und rundeten das Konzert ab. Christa Huber, von Michael Felsenstein ausgebildet, überzeugte mit solistischen Partien, auch Rudolf Obermaier (Vorsitzender des Chiemgau-Chors) und Sepp Jaud glänzten mit gekonnten solistischen Einsätzen.

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Im Sommerkonzert erstmals mit von der Partie war das grandios aufspielende Klezmer-Trio »Gschekad«. Die drei aus dem Chiemgau stammenden Musiker Maximilian Schmid (Kontrabass), Franziska Wallner (Klarinette) und Martin Pfaffinger (Akkordeon) stellten sich für das Konzert als attraktive Errungenschaft heraus, denn mit ihrer Mischung aus Klezmer, Gipsy, Latin Music und Eigenkompositionen heizten die drei zwischen den Choreinsätzen dem Publikum kräftig ein.

Mit dem tief bewegenden »Irish Blessing« (May the road rise), einem irischen Segenslied, eröffnete der Chor das Sommerkonzert. Anschließend kam ein Potpourri aus dem »Dreimäderlhaus« von Heinrich Berté zu Gehör. Eine kurze Lesung von Schauspielerin und Chorsängerin Judith Pfistner, die durch den Abend moderierte, führte ins Thema des Singspiels in drei Akten ein,

Frisch und lustig servierte der Chor mit sichtbarer Sangesfreude unter dem schwungvollen Dirigat von Felsenstein einen ansprechenden Querschnitt aus dem »Dreimäderlhaus«. Ein Höhepunkt des abwechslungsreichen Konzerts war die Arie aus »La Traviata«, »Ah, forse e' lui che l'anima«, die Christa Huber mit opernhafter Dramatik und voller Leidenschaft in gut ausgebildeter Singstimme kredenzte. Dazu wurde sie am Klavier einfühlsam und virtuos von Alejandro Vila begleitet und durfte sich über einen tosenden Applaus – sowohl vom Chor als auch von den begeisterten Konzertbesuchern freuen.

Zu Beginn des zweiten Konzertteils punktete wieder der Chiemgau-Chor mit dem »Halleluja« von Leonhard Cohen: andächtig, mit einem Höchstmaß an Gefühl gesungen, immer in engem Kontakt zum Chorleiter Felsenstein, dem es gelang, in seinem sensiblen Dirigat feine harmonische Regungen in klangvollen Ausdruck zu bringen – ein Hörgenuss erster Güte.

Im Anschluss kamen die Liebhaber von Operettenmusik bei »Ein Abend mit Paul Linke«, einem Potpourri mit Operettenliedern des »Vaters« der Berliner Operette, voll auf ihre Kosten.

Michael Felsensteins spürbare Liebe zur Musik übertrug sich auf den Chor, der ihm bereitwillig zu »folgen« schien. In einer Passage aus dem »Dreimäderlhaus« drehte er sich aus dem Schwung seines Dirigats zum Publikum herum, übernahm selbst einen solistischen Gesangspart und drehte sich wieder zum Chor, um weiter zu dirigieren. Köstlich! Die restlos begeisterten Zuhörer bedankten sich mit einem Riesenapplaus und erklatschten sich als Zugabe noch einmal das »Halleluja« von Leonhard Cohen. Kirsten Benekam