Justiz Gericht Justitia Urteil
Bildtext einblenden
Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Hohe Strafen erwartet – Prozess um Rauschgiftgeschäfte in Rosenheim

Zwei angebliche Rauschgiftlieferanten der Hells Angels in Rosenheim werden möglicherweise für zehn Jahre oder mehr ins Gefängnis gehen. Die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune unterbreitete jetzt einem 43-Jährigen aus Taufkirchen und einem 37-Jährigen aus Neubiberg ihre Strafvorschläge – jeweils ein volles Geständnis vorausgesetzt. In dem Prozess, dem letzten einer ganzen Serie seit dem Frühjahr, geht es um zahlreiche Drogen- und Waffendelikte sowie um »bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln«. Die auf zehn Tage terminierte Hauptverhandlung wird am Freitag fortgesetzt.


Fünf Abnehmer der jetzigen Angeklagten erhielten in insgesamt vier Verfahren der Siebten Strafkammer heuer bereits hohe Freiheitsstrafen. Alle Urteile wurden rechtskräftig. Seit spätestens 2020 sollen die beiden Männer mit verschiedenen Drogen und mit Waffen enorme Geschäfte gemacht haben. Sie belieferten laut Anklage von Staatsanwältin Barbara Miller und Staatsanwalt Nils Wewer »Kunden« vor allem im Raum südlich von München – darunter vor allem Mitglieder des Chapters der Hells Angels Rosenheim, zum gewinnbringenden Weiterverkauf im Raum Rosenheim. Die Vorwürfe beinhalten mehr als 100 Einzelfälle mit kiloweisem Verkauf von Drogen wie Kokain, Marihuana und anderen Betäubungsmitteln. Tatorte sollen Taufkirchen, Brunnthal, Hohenbrunn, Höhenkirchen, München, Neubiberg, Ottobrunn und Unterhaching gewesen sein.

Vor etwa einem Jahr hatte die Polizei einen »Bunker« im Keller einer Frau in Taufkirchen entdeckt – darin 14,7 Kilogramm Marihuana, 75 Gramm Haschisch, über 3,9 Kilogramm eines Kokaingemisches, 18 823 Tabletten Ecstasy, über 838 Gramm MDMA, einer Art Ecstasy in Form einer kristallinen Substanz, sowie mehr als 4,9 Kilogramm Crystal-Meth. Zusätzlich stießen die Ermittler auf vier Feuerwaffen, drei davon mit Schalldämpfern, sowie etwa 260 Patronen verschiedener Kaliber und eine Signalpistole. Auch Bargeld fand sich – in dem Kellerabteil 80 450 Euro und in einer Wohnung weitere 56 130 Euro.

Einer der Verteidiger, Dr. Kai Wagler aus München, hatte schon bei Prozessauftakt für den 43-jährigen Angeklagten Bereitschaft zu einem Deal über die Höhe der Strafe im Fall eines Geständnisses signalisiert. Am Mittwoch zogen sich die Prozessbeteiligten für Stunden zu dem Rechtsgespräch zurück. Vorsitzende Richterin Christina Braune berichtete anschließend, Dr. Kai Wagler habe für den 43-Jährigen mit Geständnis nicht mehr als acht Jahre Freiheitsstrafe gefordert, Verteidiger Jörg Sklebitz, ebenfalls aus München, nicht über neun Jahre für den 37-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft habe mindestens zwölf Jahre für den älteren Angeklagten beziehungsweise angemessen mehr für den 37-Jährigen als Ziel formuliert. Die Kammer schlage eine Strafe von zehn bis elf Jahren für den 43-Jährigen vor. Wegen mehrerer Vorstrafen könnte die Strafe für den 37-Jährigen im Bereich von elf Jahren neun Monaten und 13 Jahren liegen. Eine eventuelle Unterbringung der Männer zum Drogenentzug sei Thema der noch folgenden psychiatrischen Gutachten, so Vorsitzende Richterin Christina Braune.

kd