weather-image
29°

Hohe Zielvorgabe: Zwei Hockey-Medaillen, eine in Gold

London (dpa) - Deutschlands Hockey-Asse wollen in London erneut zum großen Schlag ausholen. Zwei Medaillen, davon eine in Gold, lautet die vom Verband mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vereinbarte Olympia-Zielvereinbarung.

Zielvereinbarung
Beide deutsche Hockeyteams wollen eine Medaille holen. Foto: Christian Charisius Foto: dpa

Während außer den Volleyballern alle anderen deutschen Mannschaften wie die Basketballer um Topstar Dirk Nowitzki, die einstigen Handball-Weltmeister oder die ambitionierten Fußballerinnen nur Zuschauer sind, wollen sich beide Hockey-Teams den extrem hohen Forderungen stellen.

Anzeige

«Warum nicht? Wir sind eben in der absoluten Weltspitze und nicht nur im erweiterten Kreis», sagte Markus Weise, der mit seiner Herren-Auswahl den Triumph von Peking 2008 wiederholen möchte. Die ambitionierte Vereinbarung mit dem DOSB empfindet der Trainer mehr als Ansporn denn als Last. «Ich spüre den Druck nicht und sage mir nicht jeden Tag, wie viele Olympiasieger ich in meiner Mannschaft habe.»

Michael Behrmann hält seine Damen, die unter Vorgänger Weise 2004 in Athen sensationell Gold schürften und nach seiner Amtsübernahme in Peking als Vierte nur knapp am Podest vorbeischrammten, reif für eine Steigerung. «Argentinien, die Niederlande und Großbritannien müssten von der Leistungsstärke vorn sein. Aber wir sind nah dran und so gut vorbereitet, dass wir in diese Phalanx einbrechen können», glaubt der Hamburger.

Ein letztes Mal baut er bei einem großen Turnier auf Natascha Keller. Die Rekord-Nationalspielerin (419 Einsätze/209 Tore) ist zum fünften Mal seit 1996 bei Olympischen Spielen dabei - und motivierter denn je. «Das Motto ,Dabeisein ist alles' gilt für mich auf keinen Fall. Wir wissen von Athen, wie schön es ist, eine Medaille zu holen. Diese Erfahrung würden wir nur zu gerne noch einmal machen», sagte die Berlinerin. Als besondere Ehre sieht die 35-Jährige, die im EM-Halbfinale 2011 mit ihrem Tor zum 2:1 gegen Spanien die direkte Qualifikation für London perfekt gemacht hatte, dass sie bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend die deutsche Fahne tragen durfte.

Neben Fanny Rinne und Abwehrchefin Mandy Haase ist «Taschi» eine von nur noch drei Olympiasiegerinnen im Kader. Hinzu gekommen sind eine Reihe von ehrgeizigen jungen Damen, die sich im harten Kampf unter anfangs 32 Spielerinnen in den 16er-Kader gekämpft haben. Nun müssen sie unter extremem Wettkampfdruck ihre wahre Stärke be- und die in der Vergangenheit oft vermisste Konstanz nachweisen. Spielführerin Rinne ist zuversichtlich, dass Formschwankungen ausbleiben: «Wenn wir die Gruppenphase überstehen, ist alles möglich.»

Dagegen präsentierten sich die Männer in den vergangenen Jahren meist auf den Punkt topfit. Kapitän Max Müller ist schon länger dabei und glaubt, «noch nie in so einer guten Mannschaft gespielt zu haben. Die Leistungsstärke ist enorm hoch», befand der Abwehrchef. In selten souveräner Manier hatte sein Team 2011 den EM-Titel gewonnen. Danach sind in Abwehrspieler Timo Wess, Kapitän des Gold-Teams von 2008, und dem lange verletzten Toptorjäger Christopher Zeller noch zwei absolute Leistungsträger hinzu gekommen. Nicht zuletzt deshalb glaubt Verbandschef Stephan Abel, dass gerade von den Herren in London «Großes zu erwarten» ist.

Durch die Qualifikationspleiten diverser deutscher Mannschaften in anderen Sportarten stehen die beiden Hockeyteams nach Einschätzung von Weise mehr als zuletzt im olympischen Fokus: «Die Aufmerksamkeit ist auf uns gerichtet.» Doch der Trainer hält das für eine nur temporäre Erscheinung: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es vier Jahren anhalten wird.»