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Hoher Besuch und glücklicher Ausklang

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Für das letzte »Insel-Konzert« der Saison hatte sich hoher Besuch angekündigt. Die Prinzessin von Sachsen weilte im Chiemgau und kam auf die Herreninsel – in Begleitung des ersten und des zweiten Bürgermeisters von Prien. Vor allem aber saß Hans Martin Ritt aus München im Publikum. Er hatte nach dem letzten »Insel-Konzert« die Veranstalterin Claudia Trübsbach kontaktiert, um den neuen A-Flügel von Steinway zu kaufen und den »Insel-Konzerten« zur Verfügung zu stellen.


Seit einigen Wochen stand das schöne Instrument im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts auf Herrenchiemsee, nachdem der alte Flügel verkauft worden war (wir berichteten). Um die letzten zwei »Insel-Konzerte« der Saison zu ermöglichen, wurde das neue Instrument mietfrei zur Verfügung gestellt. Eine längerfristige Perspektive für die »Insel-Konzerte« wäre das freilich nicht gewesen. Der verdienstvollen Konzert-Reihe drohte das Aus. Damit ist der gebürtige Oberpfälzer Ritt, der in München für eine amerikanische Software-Firma arbeitet, der Retter der »Insel-Konzerte«. Beim letzten Konzert war er erstmals bei den »Insel-Konzerten«: »Mir war sofort klar, dass das hier eine ganz besondere Reihe ist – ein Kleinod nicht nur für die Region«, sagte er auf Nachfrage. »Ich wollte einfach etwas für den Fortbestand der Konzerte beitragen.«

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Und dieses beherzte Engagement hat sich in jeder Hinsicht gelohnt, wie das jetzige Konzert mit den Birringer-Schwestern Lea (Violine) und Esther (Klavier) zeigte. Weil Esther Birringer äußerst differenziert in die Tasten griff, mit fein nuancierendem Anschlag, konnten sich die Vorzüge dieses wunderbaren Flügels ganz entfalten. Für die »Insel-Konzerte« hätte es keine bessere Lösung geben können, zumal sich das Timbre des Instruments vortrefflich mit dem Geigenklang von Lea Birringer mischte.

Noch dazu präsentierte das Duo, das schon vor vier Jahren bei den »Insel-Konzerten« gastierte, ein spannendes Programm mit Violinsonaten aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die »neue Sachlichkeit« aus op. 11 Nr. 1 von Paul Hindemith wurde mit dem neobarock gebrochenen Romantizismus von Ottorino Respighi konfrontiert. Das alles wurde gewürzt mit der vollgriffigen, impressionistisch gefärbten Folklore aus op. 9 von Karol Szymanowski.

Mit stupendem technischen Vermögen und dichter Tongebung hat Lea Birringer die Violinsonaten verlebendigt, wobei ihr satter, breiter Strich vor allem zu Respighi und Szymanowski passte. Eine Intensität wurde gelebt, die in keiner Note nachließ – überaus fesselnd und packend. Als Zugabe wurde das Programm mit den »Drei Romanzen« von Clara Wieck Schumann ergänzt. Das Schönste aber an diesem Konzert war der glückliche Ausgang für die »Insel-Konzerte« in der Flügel-Frage.

Es beruhigt zu wissen, dass es großherzige Privatpersonen gibt, die einer wertvollen kleinen Reihe wie die »Insel-Konzerte« unter die Arme greifen. Die Verträge zwischen dem Flügel-Käufer Ritt, der Schlösserverwaltung und der Versicherung sind fast abgeschlossen. Nun wäre es auch an der Zeit, dass sich Prien und die Region bei Ritt für dessen kulturelles Engagement gebührend bedanken. Und vielleicht wird Ritt beim nächsten »Insel-Konzert« genauso von den Bürgermeistern von Prien begleitet wie jetzt die Prinzessin von Sachsen. Marco Frei