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»Hokus Pokus Fidibus« - mehr als ein Zauberspruch

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Die Skulptur »Hekate« von Moni Stein. (Foto: Giesen)

Was für ein Glück, dass es große Fensterscheiben gibt! Die neue Ausstellung der Galerie Marah ART im Herzen von Bernau nahe beim Rathaus nimmt in ihrer neuen Ausstellung »Hokus Pokus Fidibus« Bezug auf die Herausforderungen unserer Zeit.

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Denn der Titel soll hier weit mehr sein als ein Zauberspruch – er weist auf die notwendige Wandlung (Hokus Pokus) hin, die durch das Feuer des brennenden Kienspans (Fidibus) entzündet wird, erklärt Galeristin Marah Strohmeyer Heider. Die beiden Künstlerinnen Moni Stein aus Unterwössen und Lisa Glocker, Augs-burg, bearbeiten das Thema sehr spannend, witzig und ganz unterschiedlich.

Kleine und große Skulpturen zeigt Moni Stein, so eine große schlanke Gipsfigur der Zauberin »Hekate« oder kleine Skulpturen aus gehärtetem Stoff wie »Engelwärts« und eine Material-Collage im Holzkasten, eine Engel-Trilogie. In ihren Acryl- und Mischtechnik-Bildern auf Leinwand, wie »Morbides Spiel« oder »Aleppo«, zeigt die Künstlerin apokalyptisch anmutende Gemälde, die sich mit Chaos, Unruhe und Schicksal beschäftigen, aus dem etwas Neues, schicksalhaft Erlösendes zu entstehen scheint.

Die Unterwössenerin Moni Stein,1954 in München geboren, beschäftigt sich nach ihrem Leben als Mutter von vier erwachsenen Kindern und vielen Enkeln seit zwölf Jahren intensiv mit Malerei in den verschiedensten Techniken. Später wandte sie sich der Skulptur zu, wobei sie mehrfach Fortbildungskurse im In- und Ausland besucht hat. In Unterwössen betreibt sie ein eigenes Atelier, wo sie auch Malkurse abhält und Ausstellungen für sich und befreundete Künstler zeigt. Moni Steins Arbeiten sind an vielen Plätzen im öffentlichen Raum zu sehen, so auch die Bronze »Der Mantel meines Vaters« vor dem Bernauer Rathaus. Häufig war bereits ihr außergewöhnlicher »Kreuzweg« sowohl im Bild als auch in Skulpturen zu sehen, so in der Maxhütte in Bergen, in Traunstein, der St.-Nikolaus-Kirche in Rosenheim oder im Kloster Maria Laach.

Farben sprühendes Inferno aus Restmüll

Ganz anders als die eher in gedeckten Farben gehaltenen Arbeiten von Moni Stein präsentieren sich die von Farben sprühenden Installationen der Augsburgerin Lisa Glocker. Ein Farbeninferno, das bei genauerer Betrachtung »nur« aus Restmüll entstanden und eigentlich nur ganz Alltägliches präsentiert: Das »Tortenbüffet« besteht ausschließlich aus Haushaltsplastik, aus der jedoch optisch die leckersten, kunstvollsten Torten entstehen. Die reine Verpackung jedoch wirft viele Fragen auf: Heute Plas-tik – morgen Nahrung? Tolle Verpackung – kein Inhalt? Wie oft gibt es das? Vordergründig wirken Lisa Glockers Arbeiten lustig oder witzig, bei genauerer Betrachtung tiefsinnig und enthüllend. »Ich möchte mit meiner Kunst aus dem etwas gestalten, was eh schon vorhanden ist«, sagt die Künstlerin. Deshalb verwendet sie in ihrem gesamten Werk überwiegend Fundstücke aus der Natur und Gesammeltes aus dem Haushalts- und Kosmetikmüll. Bei ihrer Arbeit lässt sie sich ganz auf das Material ein und erhält so ihre Inspiration.

Das technische Know-how erarbeitete sich Lisa Glocker in der Freien Akademie in Augsburg. 1954 in München geboren studierte sie Biologie an der TU in München und wurde nach ihrer Heirat und zwei Kindern Hauswirtschaftsmeisterin. Stark beeinflusst wurde sie beim Besuch der Ateliertage der Künstlerin und Galeristin Marah Strohmeyer-Haider. Dabei erwachte ihre Experimentierfreude und Lust am Installieren.

Eine der Werkgruppen von Lisa Glocker ist »Zweckentfremdet«, eine Hommage an die Hausfrauen. Sie verwendet gewöhnliche Deckel von Weckgläsern, die sie mit Wachs ausgießt, arrangiert und in Szene setzt. Glocker möchte durch die gezeigte Vielfalt auf die Bedeutung der Frauenarbeit im Haushalt, vor allem auch in früheren Zeiten, hinweisen. Die in der Galerie gezeigten Werkgruppen sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Schaffen der Künstlerin.

Zu sehen ist die Präsentation in der Galerie Marah ART in Bernau, Chiemseestraße 20, während des Lockdowns nur durch die drei großen Fensterscheiben oder auf der Website unter www.galeriemarah.art. Auch telefonischer Kontakt unter der Nummer 0172/4864956 ist möglich.

Christiane Giesen

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