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Hommage an zwei besondere Bühnenpaare

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Bei der humoristischen Lesung »Sie und Er« in der Grabenstätter Theater-Strickerei schlüpften Gerhard Brusche und Susanne Hansen abwechselnd in die Paar-Rollen von Walter Sedlmayr und Ruth Kappelsberger sowie Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Viel gelacht wurde bei der szenischen Lesung »Sie und Er« mit ausgesuchten Texten und Dialogstücken aus der legendären gleichnamigen Hörfunk-Reihe »Er und Sie« mit dem 1990 verstorbenen bayerischen Volksschauspieler Walter Sedlmayr und der früheren Fernsehansagerin und Schauspielerin Ruth Kappelsberger in der Theater-Strickerei Grabenstätt.


Die Protagonisten des Abends, Gerhard Brusche und Susanne Hansen, erwiesen auch dem unvergesslichen bayerischen Komiker-Paar Karl Valentin und Liesl Karlstadt die Ehre. Ob am Bahnhof oder im Hutladen oder bei einem schwierigen Kuhhandel: Nicht nur die eingefleischten Karl Valentin-Fans kamen voll auf ihre Kosten. Dessen unverwechselbare Wortakrobatik und die rasend schnellen, schwindelerregenden Dialoge wurden von Brusche und Hansen auch in den bekannten Bühnenstücken »Die gestrige Zeitung« und »Die Fremden« auf die Spitze getrieben, in bester Karl-Valentin-Art ad absurdum geführt oder mit unumstößlichen Lebensweisheiten wie »Der Fremde ist nur in der Fremde fremd« garniert.

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Es war köstlich, wie der verpasste Zug nach Italien die gschnappige Wally wieder mit ihrer Jugendliebe, dem Xaver, mittlerweile ein bärbeißiger Bahnbeamter, vereinte. Karl Valentin, aus dessen Feder auch die Komödie »Er und Sie« stammt, und Liesl Karlstadt waren bekanntlich nur auf der Bühne ein Paar, zum Leidwesen von Karlstadt, heißt es.

Sedlmayr, der im wahren Leben nie verheiratet war, und Kappelsberger, die sich zweimal »getraut« hatte, bildeten ein altes Bühnen-Ehepaar, das authentischer nicht sein hätte können – Brusche und Hansen erfüllen ihre Wortgefechte nun grandios mit neuem Leben. Schon am Frühstückstisch bekommen sich »Ludwig«/«Papa« und »Luise«/«Mama« wegen Nichtigkeiten und Haarspaltereien in die Haare, doch genau dies hält sie am Leben, schweißt sie noch enger zusammen und lässt sie die Probleme des Alltags am Ende leichter meistern.

Der Zeitpunkt der Lesung wurde bewusst gewählt, denn vor gut einem Monat jährte sich der Todestag des bayerischen Ausnahme-Komikers, Volkssängers, Autors und Filmproduzenten Karl Valentin zum 70. Mal. Was viele nicht wissen: Sein Leben war abseits der Bühnen und Aufnahmestudios meist alles andere als lustig. Ein sorgenfreies, finanziell abgesichertes Leben war ihm selten beschieden und als er 1947 und 1948 nach jahrelanger Trennung wieder gemeinsam mit seiner Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt auftrat, konnte man an die einstigen Erfolge nicht mehr anknüpfen – Valentins seit jeher anspruchsvoller und verwinkelter Humor war den Leuten in der eh schon tristen Nachkriegszeit zu pessimistisch geworden. Auch die Umstände seines Todes sind tragisch und gleichsam komisch. So starb der unterernährte Valentin am Rosenmontag 1948 an einer Lungenentzündung, die er sich zugezogen hatte, weil er nach einem Auftritt aus Versehen in einem Münchner Theater eingeschlossen worden war und die Nacht in unbeheizten Räumen verbringen hatte müssen.

Für die passenden Klänge und die Lacher zwischendurch sorgten Simon Berger, großartiger Musikant (Ziach/Gesang), Geschichten- und Witzeerzähler aus dem nahen Übersee, und dessen kongeniale Kollegin Rosi Karger (Gitarre/Gesang), die extra aus der Holledau angereist war. Mit echter Wirtshausmusik, Münchner Couplets und Gstanzln zogen sie die Besucher in ihren Bann. Lachmuskelkater waren vorprogrammiert. Erstaunlich war auch, wie Berger in Sekundenschnelle aus jeweils zwei Begriffen, die ihm das Publikum willkürlich zuwarf, passende Gstanzl bildete. Besser hätte die Premiere von Bergers und Kargers gemeinsamem Programm nicht verlaufen können.

Auch am Samstag, 24. März bei der zweiten Auflage der humoristischen Lesung »Sie und Er« werden sie in der Theater-Strickerei wieder wortgewaltig mitmischen. Dass die vier Künstler gemeinsam auf der Bühne stehen, ist der Idee von Doris Biller entsprungen. Sie hat damit voll ins Schwarze getroffen, waren sich alle Besucher einig. Markus Müller

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