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Hommage-Konzert für Max Reger

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Meisterten konzentriert den spieltechnischen Anspruch der Cellosonate von Max Reger: Michael Schäfer am Klavier und Wen-Sinn Yang am Cello. (Foto: Aumiller)

Zu Beginn des Kammerkonzertabends in der gut besuchten Konzertrotunde Bad Reichenhall nahm Hochschulpräsident Bernd Redmann einführend informativen Bezug zu Max Regers Leben und Werken – am 11. Mai 1916 war der Dirigent, Pianist, Kompositionslehrer und Komponist im Alter von nur 43 Jahren gestorben. Er habe ein intensives, maßloses Leben als Arbeitstier geführt, dabei eine große schöpferische Fantasie besessen und eine Menge Werke hinterlassen.


Kompositorisch sei Max Reger gegen den Strom geschwommen, aber die Auseinandersetzung mit Bach sei ihm enorm wichtig gewesen. Er stand als Komponist an einer Weggabelung, war Ende und Anfang zugleich, indem er eine Brücke schlug zwischen Tradition und Moderne.

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Die Serenade für Flöte, Violine und Viola D-Dur op. 77 entstand 1904 und enthält Anspielungen auf Mozart, wie Redmann erklärte. Andrea Lieberknecht, Ulf Wallin und Roland Glassl bildeten ein erlesenes Trio, das die Serenade zum Hörerlebnis werden ließ. Reger gilt einerseits als exzellenter Beherrscher des kompositorischen Handwerks, ist aber in seinen Strukturen sehr freizügig und eigenständig.

Extravagante polyfone Passagen, die an der Schwelle zur neueren Musik stehen, wechseln mit einschmeichelnden Kantilenen, die in kantablen Linien und in der Rhythmik an die Wiener Klassik erinnern. Lieberknecht und die Streicher Wallin und Glassl machen dieses Wechselspiel zum höchst reizvollen klanglichen Ping-Pong-Spiel voll instrumentaler Schönheit. Die drei Solisten bilden ein fein aufeinander abgestimmtes Ensemble, auch wenn jeder seine eigene Stimme profiliert ausagierte, sie aber gleichzeitig als Teil des Ganzen begriff. Die Flöte blieb ihrer angestammten Oberstimmenfunktion treu, während Violine und Viola auch mal in Wechselbeziehung traten, wenn die Geige in die tiefere Lage hinabstieg und die Viola sich im oberen Bereich tummelte. Lieberknechts Flötenton war rund, brillant oder zärtlich und stets vollkommen rein in Ansatz und Tonführung.

Zweites Reger-Werk des Abends war die Sonate für Violoncello und Klavier a-Moll op. 116. Zwischen den beiden Reger-Stücken erklang noch die Sonate op. 41 für Bassklarinette und Klavier von Othmar Schoeck – weil Schoeck bei Reger studiert und viel Anregung von ihm mitbekommen hat. Schoeck war hauptsächlich Lieder- und Opernkomponist, Kammermusik spielte bei ihm eher eine untergeordnete Rolle. Schoeck selbst autorisierte die Möglichkeit, die Bassklarinette durch Cello oder Fagott zu ersetzen. So bot Dag Jensen das Fagott meisterhaft dar.

Am Klavier war die neuseeländische Pianistin Betty Lee, Lehrbeauftragte der Münchner Hochschule, eine ebenbürtige Partnerin. Konzentriert gab sie dem technisch und musikalisch anspruchsvollen Part eindringliches pianistisches Profil. Im 1. Satz entlockte Jensen dem Fagott einschmeichelnd zarte Tönung, im zweiten Satz entstand die Bewegung aus komplizierterer Rhythmik und wagemutigerer Harmonik, bevor der Schlussteil in geschwinder Gangart amüsante Instrumentenlaune übermittelte.

Wen-Sinn Yang und Michael Schäfer spielten anschließend Regers Cellosonate. Reger geht hier eine bewusste Rückbindung an die Tradition ein, wie Redmann es ausdrückte. Die Bewegung ist ein dynamisches Vorwärtsdrängen, Cello und Klavier sind in hohem Maße technisch und formal gefordert. Yang und Schäfer machten daraus im exzellenten Miteinander ein faszinierendes Klangergebnis. Einmal mehr waren es Yangs samtiger Celloton und sein musikalisches Einfühlungsvermögen, die berührten und begeisterten. Das Largo brachte schwebend geheimnisvolle Stimmung, fast ätherisch schimmernd. Das finale Sonatenrondo enthielt Wendungen ins Dramatische, bevor es subtil verklang. Elisabeth Aumiller