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Hopp-Freund Beckenbauer: Thema Hoffenheim »ist durch«

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Trost
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Das Maskottchen Hoffi tröstete nach dem Spiel die Hoffenheimer Andreas Beck (l) und Sejad Salihovic. Foto: Uwe Anspach Foto: dpa

Sinsheim (dpa) - Kommentarlos eilte Mäzen Dietmar Hopp in die Kabine von 1899 Hoffenheim, seine ernste Miene aber sprach Bände: Das Fußball-Märchen um den einstigen Dorfverein geht nach fünf Jahren wohl zu Ende. Nur noch ein kleines Wunder kann den Bundesliga-Abstieg verhindern.


Nach dem 1:4 (0:2) gegen den Hamburger SV müsste die TSG bei Borussia Dortmund gewinnen und dabei auf Ausrutscher der Düsseldorfer oder Augsburger hoffen, um den Relegationsplatz doch noch zu erreichen. »Für Hoffenheim ist das Thema durch. Schade für Dietmar Hopp. Aber vielleicht ist das eine gute Gelegenheit, jetzt in der zweiten Liga von vorne anzufangen«, sagte Franz Beckenbauer, der Golffreund des Milliardärs, dem TV-Sender »Sky«.

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Hopp selbst äußerte sich nur im Stadionmagazin zum Absturz seines Clubs. »Niemand von uns, auch ich nicht, hätte gedacht, dass es nach vier Jahren im gediegenen Bundesliga-Mittelfeld zu einem solchen Abstiegsszenario kommen könnte«, schrieb der 73-Jährige und versprach, dass sich in der zweiten Liga nicht das Geringste an den Zielen und Ideen ändern werde: »Sondern die TSG wird, unterstützt von Ihnen, von mir und allen, die hier Verantwortung tragen, frisch angreifen.«

Mit einem Sieg hätte Hoffenheim vor dem letzten Spieltag an den beiden Mitkonkurrenten vorbeiziehen können, aber dieses Mal hielten die Kraichgauer dem Druck nicht stand, waren laut Markus Gisdol »etwas übermotiviert und nervös«. Zudem verzockte sich der neue Cheftrainer bei der Aufstellung: Sowohl der 17-jährige Niklas Süle bei seinem Erstliga-Debüt in der Innenverteidigung, der unerfahrene Stefan Thesker auf der linken Abwehrseite anstelle von US-Nationalspieler Fabian Johnson und Joker Sven Schipplock, der in seiner 47. Bundesliga-Partie zum ersten Mal überhaupt 90 Minuten lang ran durfte, waren gegen den HSV überfordert.

»Wir verarbeiten jetzt dieses Spiel und dann fahren wir voller Zuversicht nach Dortmund - die Saison ist noch nicht zu Ende«, sagte Gisdol trotzig. »Wichtig ist, dass wir als Team auftreten, dann ist immer alles möglich.« Torschütze Kevin Volland (61.) versprach: »Wir werden bis zur letzten Minute in Dortmund kämpfen, um in der Bundesliga zu bleiben.«

Ausgerechnet Dortmund. Die BVB-Fans hatte Hopp mal als seine »Angstgegner« bezeichnet. In der ersten Bundesliga-Saison, als die Debatte im deutschen Fußball über den reichen Emporkömmling hochkochte, hatte sich Hopp fürchterlich über ein Plakat eines Borussia-Fans mit der Aufschrift »Im Fadenkreuz. Hasta la vista, Hopp« aufgeregt. Da gab es auch Aussagen von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wie: »Dietmar Hopp ist komplett in Ordnung, aber die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht zwingend.« Auch die sogenannte, letztendlich harmlose »Beschallungsaffäre« im Spiel der TSG gegen die Borussia 2011 sorgte für Aufsehen.

Jetzt muss sich Hoffenheim möglicherweise ausgerechnet in Dortmund aus der Eliteklasse verabschieden. Hopp hat längst angekündigt, dass er sein finanzielles Engagement auch in der zweiten Liga fortsetzen werde. Und Gisdol soll den Neuaufbau stemmen nach einer völlig verkorksten Saison, zu deren Beginn Ex-Trainer Markus Babbel die Europacup-Teilnahme als Ziel ausgerufen hatte.

»Wir singen: Hoffe, Hoffe, zweite Liga - oh, wie ist das schön«, höhnten die HSV-Fans in der mit 30 150 Zuschauern ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Wie ein Trauerlied klang für die Hoffenheimer Anhänger nach dem Abpfiff die Fußball-Hymne »You'll never walk alone.« Schlagartig leerte sich das Stadion nach dem 85. und vorläufig wohl letzten Bundesliga-Heimspiel der TSG. »Hoffnung hat man immer«, sagte Routinier Sejad Salihovic und wirkte dabei sehr müde. »Man kann jede Mannschaft schlagen.«

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