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Hops und platsch

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Georg Hackl ist angespannt. Gleich hebt er ab. Fotos: Anzeiger/Waßmuth
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Athletisch: Felix Loch kurz vor dem Aufprall auf dem Wasser. Knapp neun Meter ist er gesprungen. Zu wenig.

Schönau am Königssee – Der Höhepunkt der Wok-WM? Ganz klar: die Qualifikation am Freitagabend. Top-Sportler und Halb-Promis rasen in einem Wok eine Rampe hinab. Wer am Ende am weitesten durch die Luft fliegt, gewinnt. Der Hops endet in einem riesigen Wasserbecken. Wer am spektakulärsten fliegt, bekommt Applaus.


Ein Quadrocopter surrt über der Kunsteisbahn am Königssee, sendet Luftaufnahmen in den Übertragungswagen, ein paar Security-Männer stehen vor dem Eingang, blicken in den Nachthimmel, verfolgen das Schauspiel. Besucher haben sich hierhin nur wenige verirrt. Vielleicht auch, weil es sich lediglich um die Qualifikation handelt: Ausgelost wird, wer an welcher Position starten darf. Der Hauptevent ist ja die Samstagsshow, die Wok-Weltmeisterschaft.

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Die Qualifikation ist für Besucher kostenlos. Jeder darf also an die Kunsteisbahn und den A-, B- und C-Promis dabei zusehen, wie sie in hohem Bogen durch die Luft fliegen und mit einem mächtigen Platscher in einem überdimensionalen Schwimmbecken auf der Wasseroberfläche aufschlagen. Allerdings weiß das niemand, der Veranstalter hat es nicht für notwendig gehalten, darüber zu informieren. Deshalb haben sich auch nur wenige an die Bahn verirrt. Es herrscht Totengräberstimmung. Obwohl hier gerade eine zweistündige Sendung aufgezeichnet wird, die zeitversetzt auf Pro7 ausgestrahlt wird.

Der Schauplatz ist nicht die Kunsteisbahn, sondern eine Riesenrampe mit einer Schneebahn daneben. Am Ende steht ein rund 16 Meter langes Wasserbassin, aufgeheizt auf 28 Grad. Viele der Teilnehmer, die am Samstag um den Sieg bei der Wok-WM fahren, müssen die Rampe runter. Und zeigen, wie weit sie kommen. Natalie Geisenberger ist dabei, Rodel-Olympiasieger Felix Loch, der Hackl Schorsch, neunmaliger Wok-WM-Champion, ebenso.

Auf der Rampe steht Matze Knop, Moderator und Stimmwunder, er reißt ein paar Sprüche, stimmt die Fahrer auf den »Riesensatz durch die Luft« ein. Dann geht es los: Ein paar Sekunden dauert die Rutschpartie, dann der »Höllensprung«, die Fahrer segeln bis zu zwölf Meter weit durch die Luft, schlagen auf dem Wasser auf, es spritzt, die wenigen Zuschauer applaudieren. Nicht immer, hin und wieder. Vor allem bei besonders imposanten Wok-Flug-Einlagen.

Als Eko Fresh, ehemals Deutschlands Rapper Nummer eins, Fahrt aufnimmt, geht einiges schief. Der Wok, in dem er sitzt, dreht sich einmal um die eigene Achse, in der Luft wirbelt der Rapper dann eine ansehnliche Pirouette, der Aufschlag ist hart. Die Weite: na ja. Der Hackl Schorsch ist auch schon mal besser geflogen. Überhaupt sind es die Leichtgewichte, die einen weiten Satz hinlegen, um die vorderen Startplätze zu belegen.

Für die Zuschauer an der Rampe bleibt die Veranstaltung nichts weiter als mittelmäßige Unterhaltung. Zumal in den Werbepausen Totenstille herrscht. Musik aus der Konserve? Gibt es nicht. Ein Moderator mit Alleinunterhalter-Qualität? Auch da: Fehlanzeige. Die Zuschauer stehen herum, Langeweile. »Hoffentlich wird es morgen besser.« Kilian Pfeiffer