Hotelbaupläne am Königssee: Viereinhalb Jahre für den ersten großen Schritt

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Zentraler Bestandteil des 100-Millionen-Euro-Projekts am Königssee ist der in Bumerangform angelegte Hotelbau im östlichen Grundstücksteil. Manchen ist er zu groß. (Grafik: Snøhetta)

Schönau am Königssee – Elf Jahre nach Bekanntwerden der ersten Hotelbaupläne am Königssee und viereinhalb Jahre nach Einleitung des Bauleitplanverfahrens für die jüngste Planung sind nun die Voraussetzungen für das Großprojekt geschaffen. Der Gemeinderat Schönau am Königssee fasste am Dienstag nach der Behandlung der Stellungnahmen, die bei der dritten Auslegung eingegangen waren, mit den Gegenstimmen der Grünen (Jakob Palm und Margret Pfnür) den Satzungsbeschluss. Damit ist die Änderung des Bebauungsplans Seestraße nun fix. Die Resort Königssee GmbH um den Pongauer Projektentwickler Martin Harlander will hier für rund 100 Millionen Euro ein Vier-Sterne-Superior-Hotel realisieren, parallel dazu kann Josef Größwang sein Hotel »Königssee« erweitern und sanieren.


Tiefgarage mit 200 Stellplätzen

Harlander hatte sich bereits vor einigen Jahren für die Pläne des global agierenden Osloer Architekturbüros Snøhetta entschieden. Sie sehen mehrere Baukörper vor, das Hauptgebäude soll laut Beschreibung »mit seiner Bumerangform weniger wuchtig wirken und zugunsten eines öffentlichen Platzes mit Gastronomie und Geschäften an den Hang rücken«. Drei Baukörper bilden zudem das sogenannte »Haus am Anger« östlich des Alten Bahnhofs. Früher einmal als »Junges Hotel« geplant, sollte es eigentlich ein eigenständiges Haus werden. Jetzt ist es organisatorisch an das Haupthotel angebunden. Situiert ist es in der aktuellen Wiesenfläche östlich des Alten Bahnhofs, den die Resort Königssee GmbH kürzlich von der Gemeinde Schönau am Königssee erworben hatte. Der 1909 gebaute, 1965 stillgelegte und inzwischen denkmalgeschützte Alte Bahnhof soll erhalten bleiben. Um für den Neubau ausreichend Platz zu schaffen, will der Projektentwickler den östlichen Anbau des Bahnhofsgebäudes allerdings abreißen.

Erhalten bleiben soll, im Gegensatz zu früheren Hotelplanungen, auch die Grünfläche vor und neben dem Alten Bahnhof. Etwa auf Höhe der hinteren Flucht des Bahnhofsgebäudes wird die Tiefgarageneinfahrt angelegt, denn das gesamte Areal soll zweigeschossig unterkellert werden, unter anderem mit einer 200 Stellplätze umfassenden Tiefgarage. Rund 100 Millionen Euro könnte das Vier-Sterne-Superior-Hotel kosten. Geplant sind 283 Zimmer mit 566 Betten.

Bürgermeister Hannes Rasp ging noch einmal auf den langen Entwicklungsprozess ein, in dem man mit allen Beteiligten nach der besten Lösung gesucht habe. In 15 Gemeinderatssitzungen hatte man sich mit dem Projekt befasst, drei Auslegungen des Bebauungsplans waren notwendig. Die haben auch zu zahlreichen Änderungen geführt. Rasp erwähnte vor allem die komplette Streichung der von Anfang an umstrittenen neun Waldzimmer. Beim »Haus am Anger« wurde genauso wie bei der Hotelerweiterung Josef Größwangs ein komplettes Stockwerk herausgenommen. Die benötigten Ausgleichsflächen für das Projekt fand man auf der Punzen-Tratte in der Schönau, auf einem Ökokonto in Wallgau und in der Waldfläche hinter dem Hotel. Getrennt wurde schließlich das Bebauungsplanverfahren vom Ausbau des Pletzgrabens für den Hochwasserschutz. Hierfür läuft ein eigenes wasserrechtliches Verfahren. Hannes Rasp stellte hier noch einmal klar: »Für die Finanzierung der Hochwasserschutzmaßnahmen muss alleine der Vorhabensträger aufkommen, den Steuerzahler kostet es nichts. Ohne Hotelbau hätte man 30 Prozent der Kosten auf die Anlieger umlegen müssen, denn der Pletzgraben wäre so und so ausgebaut worden.«

Überdimensioniert und dennoch raumverträglich

Vor allem die Behörden und Verbände würdigten in ihren Stellungnahmen zur dritten Auslegung das Wegfallen der Waldzimmer, wenngleich manche das Hauptgebäude immer noch für überdimensioniert halten. Dieses Wort benutzte auch die Höhere Landesplanungsbehörde der Regierung von Oberbayern in ihrer Stellungnahme. Insgesamt aber beurteilt die Regierung das Vorhaben als raumverträglich.

Ganz anders sehen es nach wie vor Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz. Der LBV kritisiert vor allem den massiven Ausbau des Pletzgrabens mit Bau eines riesigen Rückhaltebeckens und plädierte stattdessen für eine Renaturierung. Gegen einen kleineren Ausbau hätte Bürgermeister Hannes Rasp nach eigenen Worten nichts einzuwenden, »aber das ist vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein nun einmal so vorgeschrieben«. In diesem Zusammenhang betonte Rasp auch, dass der Pletzbach unverändert bleibe, zu 95 Prozent würde der Bach auch weiterhin ganz normal Wasser führen. »Der Bypass springt nur bei Hochwasser an.«

LBV und Bund Naturschutz halten vor allem das Hauptgebäude für zu groß, es füge sich in dieser sensiblen Lage nicht in die Umgebung ein. Befürchtet wird außerdem eine Verschärfung der Verkehrssituation, darüber hinaus halten die beiden Naturschutzverbände die geplante Zahl von 70 Personalwohnungen für zu wenig.

Nicht entschieden ist bislang über den Bau einer Fotovoltaikanlage auf den Hoteldächern, was der LBV ebenfalls anregte. »Ob der Vorhabensträger das macht, ist Zukunftsmusik«, sagte Bürgermeister Rasp. Jedenfalls ist der Bau laut Bebauungsplan möglich, »nur nicht aufgeständert«.

Heftige Kritik äußerte Bürgermeister Hannes Rasp an einer Stellungnahme des Landratsamtes, Bereich Verkehrswesen. Dort warnte man vor einem verkehrsmäßigen Konflikt, wenn das Verkehrsaufkommen in der Jennerbahnstraße steige. Der Fachbereich plädierte auch für ein Freihalten der Bahntrasse für den Fall, dass die Regionalstadtbahn eines Tages realisiert werde. Das Projekt widerspreche auch dem Mobilitätskonzept des Landkreises, in dem eine Förderung des Individualverkehrs nicht vorgesehen sei. »Als ich das gelesen habe, habe ich einen richtigen Hals bekommen«, erzürnte sich Rasp, der dem Landkreis vorwarf, sich nicht richtig um den ÖPNV zu kümmern. »Seit Februar 2019 reden wir über einen Nahverkehrsplan und kommen einfach nicht weiter. Ich erwarte schon, dass die Behörde einmal selbst in die Gänge kommt.« Die Gemeinde Schönau am Königssee jedenfalls werde im Rahmen des Projekts »Aufbruch in die neuen 20er« durchaus selbst aktiv.

Belastung durch mehr Verkehr?

Die Bürger, die im Rahmen der dritten Auslegung erneut Stellungnahmen abgegeben hatten, machen sich vor allem Sorgen wegen des zu erwartenden steigenden Verkehrsaufkommens von und in Richtung Königssee. Als Antwort darauf berichtete Bürgermeister Rasp von einem Verkehrsgutachten. Das kam zu dem Ergebnis, dass sich zur saisonalen Hauptverkehrszeit am Bahnhofskreisverkehr in Berchtesgaden die Wartezeit aus Königssee um 29 Sekunden erhöhen werde, an den anderen Zufahrten bleibe die Wartezeit identisch.

Kritik äußern einige Bürger sowie auch die Grünen im Gemeinderat weiterhin an der Größe des Haupthauses, sie fordern kleinteiligere Baukörper. So sieht es auch Gemeinderat Jakob Palm, der genauso wie Sabine Kruis den Tiefgaragenbau ablehnt.

Der Gemeinderat änderte die Pläne nach der dritten Auslegung nicht mehr. Die Gegenstimmen bei den einzelnen Abstimmungen kamen zumeist von Jakob Palm und Margret Pfnür, in einigen wenigen Punkten auch von Andreas Zechmeister (CSU). Gegen den Satzungsbeschluss stimmten Jakob Palm und Margret Pfnür. Eine neue Entwicklung gab Bürgermeister Hannes Rasp dann doch noch bekannt: Der Hotelbetrieb darf erst aufgenommen werden, wenn der Hochwasserschutz vollendet ist.

Ulli Kastner