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HSV abgestiegen - Ein Bundesliga-Dino geht von Bord

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Pyrotechnik
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Angesichts des ersten Abstiegs der HSV brennen Feuerwerkskörper vor dem Abpfiff auf der Tribüne. Foto: Axel Heimken Foto: dpa
Hamburger SV steigt erstmals in Vereisngeschichte ab
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Der Hamburger SV ist nach 54 Jahren erstmals in der Geschichte des Vereins abgestiegen.Foto: Daniel Reinhardt/dpa
HSV abgestiegen
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Die Hoffnung war groß - Zahlreiche Fans des Hamburger SV warten vor dem Spiel auf den Mannschaftsbus, ein Junge schwenkt dabei eine Fahne mit dem HSV-Logo.Leider hat es nichts gebracht. Der HSV ist abgestiegen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Der HSV ist abgestiegen. Kaum jemand hätte vor Wochen gedacht dass der HSV am 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga tatsächlich noch um den Klassenerhalt kämpft. Doch alle Mühen waren vergebens. 

54 Jahre lang war der Hamburger SV ununterbrochen in der Bundesliga vertreten. Stolz spiegelte dies all die Jahre die berühmte Uhr im Hamburger Volkspark Stadion wieder. Jetz steht die Uhr still.

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Auch ein 2:1 Sieg gegen Gladbach vor heimischen Publikum hat nicht gereicht um den Klassenerhalt zu schaffen. Unmöglich wurde der Verbleib in der ersten Fußball-Bundesliga durch den 4:1 Heimsieg des VFL Wolfsbug gegen den 1. FC Köln. 

Der erstmalige Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds ist der Schlusspunkt einer Negativ-Entwicklung, die schon seit fünf Jahren andauert.

Der Dauerabstiegskampf des HSV seit 2013: 

2013/14: Katastrophen-Saison endet mit Dusel-Rettung unter Slomka

Mit mageren 27 Punkten, den meisten Gegentoren (75) und zwei Relegationsspielen ohne Sieg gegen den Zweitligisten Fürth gelang die Dusel-Rettung. «Wir haben das ganze Glück aufgebraucht», gestand Mirko Slomka. Der Saison-Coach Nummer drei nach Thorsten Fink und Bert van Marwijk holte in 15 Spielen nur drei Siege. Der HSV blieb trotzdem drin, da die Absteiger Nürnberg und Braunschweig noch schwächer waren. Zum Retter wird Stürmer Pierre-Michel Lasogga mit 13 Saisontreffern und dem goldenen Relegations-Auswärtstor in Fürth.

2014/15: Labbadia-Kraftakt und erneutes Relegations-Glück retten HSV

Mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Fußball-AG sollte alles besser werden. Doch erneut musste kräftig gezittert werden. Nach Slomka, Joe Zinnbauer und Peter Knäbel war es Trainer Nummer vier Bruno Labbadia mit zehn Punkten aus sechs Partien zu verdanken, dass der HSV überhaupt noch in die Relegation kam. Dort schoss Marcelo Diaz den HSV per Freistoßtor zum Last-Minute-1:1 beim Karlsruher SC in die Verlängerung. Dann traf Nicolai Müller zum Sieg - der erneut vom Glück verfolgte HSV stand weiter unter Artenschutz.

2015/16: Vermeintlicher Aufschwung weckt zu hohe Erwartungen

In der Spielzeit ohne Trainerwechsel führte Labbadia den HSV durch einen 3:1-Sieg beim FC Augsburg am letzten Spieltag auf Rang zehn. Doch die gute Platzierung in der Abschlusstabelle täuschte darüber hinweg, dass der Nordclub nach einer weiteren Saison ohne konstante Leistungen erneut lange um den Klassenverbleib kämpfen musste. Immerhin blieb Kapitän Johan Djourou & Co. aber ein weiteres Zittern bis zur letzten Minute erspart. Umgekehrt führte der vermeintliche Aufschwung sofort zu überzogenen HSV-Hoffnungen und -Erwartungen.

2016/17: Saison-Achterbahnfahrt endet unter Gisdol mit Happy End

Als nach dem Fehlstart auch der Trainerwechsel von Labbadia zu Markus Gisdol zunächst nicht fruchtete, schien der HSV abgeschlagen. Gisdol reagierte mit einigen Personalwechseln - bis zur Winterpause ging es bergauf. 2017 begann mit Rückschlägen. Dann bäumte sich der HSV auf, bis es kurz vor Schluss wieder abwärts ging. Es reichte aber doch zum Happy End: Am letzten Spieltag gewann der HSV gegen Wolfsburg durch ein Waldschmidt-Tor in der 88. Minute. Statt des HSV musste der VfL in die Relegation. Auch im 54. Liga-Jahr blieb der HSV unabsteigbar.

2017/18: Trotz Traumstarts: HSV muss den Gang in die 2. Liga antreten

Die Serie ist gerissen, der HSV steigt zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die 2. Liga ab. Dabei begann die 55. Saison verheißungsvoll. Nach zwei Siegen waren die Hamburger für eine Nacht sogar Tabellenführer. Doch der Schein trog: Danach ging es nur noch steil bergab. Auch der Trainerwechsel vom letztjährigen Retter Gisdol zu Bernd Hollerbach brachte nichts. Dessen Nachfolger Christian Titz brachte den Dino mit einer neuen Spielidee und einer Verjüngungskur zwar wieder auf Vordermann, doch der HSV-Endspurt mit 13 Punkten in acht Spielen kam zu spät.

Was geschieht in der nächsten Saison?

Lizenz für Liga 2: Es rumorte in den sozialen Medien ob es für den HSV überhaupt möglich sei in der zweiten Bundesliga anzutreten. Viele zweifelten daran ob das Erlangen der Lizenz überhaupt möglich sei. Diese Sorge konnte Geschäftsführer Frank Wettstein den HSV-Anhängern bereits nehmen. Zwar sei der HSV hoch verschuldet, allerdings entfällt ein Großteil davon auf den Stadionkredit und einen erfolgsabhängigen Kredit von Investor Klaus-Michael Kühne. Ob dieser jemals fällig wird ist ohnehin fraglich. Der Schuldenstand beim HSV beläuft sich auf derzeit rund 100 Millionen Euro. 

In welcher Form sich Kühne in der nächsten Saison beim HSV engagiert ist derweil ungewiss. Wie ausführlich berichtet wurde wird er wohl den Geldhahn in der nächsten Saison zudrehen. 

Etat fürs Unterhaus: Laut Informationen der "Sport Bild" plant der HSV in der nächsten Saison mit einem Budget von gut 85 Millionen Euro. In der laufenden Saison kalkulierte der HSV noch mit Einnahmen von 125 Millionen Euro. Dies bedeutet natürlich auch massive Einschränkungen für den Spieleretat. Dieser wird sich von 55 Millionen auf gut 33 Millionen Euro reduzieren. Es dürften also einige Spieler den Verein verlassen. Verbleibende Spieler müssen mit einer Gehaltseinbuße von schätzungsweise 30-40 Prozent rechnen. 

Welche Spieler werden den HSV verlassen? Darüber kann man derzeit nur spekulieren. Sicher ist jedoch dass sich der HSV wohl von den meisten seiner Spieler trennen muss, um im Finanzrahmen zu bleiben. Zu den gut verkäuflichen Spielern darf man wohl Walace, Kyriakos Papadopoulos, Douglas Santos, Filip Kostic und sicherlich auch noch Gideon Jung zählen.
Man darf davon ausgehen, dass die Spieler mit auslaufenden Verträgen (Dennis Diekmeier, Gotoku Sakai, Nicolai Müller usw.) alle den Verein verlassen werden. Dem Verein steht also eine grundlegende Neuausrichtung bevor. Betrachtet man die erfolglose Personalpolitik der letzten Jahre, dürfte dies aber auch eine große Chance sein den Verein sportlich wieder zukunftsfähig zu machen. Eine große Herausforderung die man jetzt in Hamburg zu bewältigen hat. 

Wir drücken dem HSV beim Neuanfang die Daumen. Es wäre schön einen so verdienten, die Liga oft prägenden, Verein bald wieder in der Fußball-Bundesliga begrüßen zu dürfen.