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Hüttenwirte kritisieren Schifffahrt Königssee: »Diese Entscheidung bedeutet eine Katastrophe«

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Hüttenwirte kritisieren Schifffahrt Königssee: »Diese Entscheidung bedeutet eine Katastrophe«
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Die Wirtsfamilie Schwaiger von der Gaststätte »Saletalm« hatte fest mit Gästen am Pfingstwochenende gerechnet. Ihnen machte die Schifffahrt nun einen Strich durch diese Rechnung. Denn Schifffahrts-Chef Michael Grießer befürchtet eine Überforderung durch die Registrierungspflicht, die dann für alle gilt. (Foto: Bernhard Stanggassinger)

Schönau am Königssee – Kopfschütteln, Ärger und Bedauern machen sich seit Mittwoch unter den Hüttenwirten im Bereich Königssee und Steinernes Meer breit. Denn die Schifffahrt am Königssee nimmt zwar ihren Betrieb wieder auf, allerdings wird nur die Haltestelle St. Bartholomä angefahren. Nicht Kessel, und auch nicht Salet.


Was nicht nur für die Wirtsfamilie Schwaiger von der Gaststätte »Saletalm« schlimm ist. Wie sollen nun außerdem die Bergsteiger, die aus dem Steinernen Meer kommen, zurück zur Seelände gebracht werden? In ihrer Not haben die Wirte des Vereins der Berchtesgadener und Salzburger Hüttenwirte einen offenen Brief an Bürgermeister Hannes Rasp geschrieben, der dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt.

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Der Schuldige der ganzen Geschichte heißt »Registrierungspflicht«. Denn durch die Corona-Krise wurde auch der Bayerischen Seenschifffahrt eine Vielzahl an Auflagen aufgebrummt. So darf zum Beispiel nur ein Bruchteil der Zahl an Fahrgästen transportiert werden, die sonst in einem Schiff Platz hat. Dazu muss jeder Gast registriert werden. Auf der Fahrt nach St. Bartholomä und auch auf der Heimfahrt. Würde das Schiff nun bis Salet weiterfahren, sind es schon vier Registrierungen pro Gast. Das ist der Schifffahrt am Königssee momentan zu viel.

Michael Grießer ist der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt und muss sich an die Vorgaben des Freistaats Bayern halten. »Wir haben es kurzfristig vom Ministerium erfahren, dass wir alle Fahrgäste registrieren müssen. Wir sehen uns momentan nicht in der Lage, dass wir das im Linienverkehr mit der Registrierung hinbringen«, so Grießer. Er hofft, dass es vielleicht nach dem Wochenende klappt, neben St. Bartholomä auch Salet anzufahren. »Versprechen kann ich nichts.«

Zum einen muss der Betrieb erst testen, wie gut die Registrierung der Gäste klappt, zum anderen engagiert sich Michael Grießer derzeit dafür, dass es für die Schifffahrt eine Ausnahmeregelung gibt. Diese existiert bereits für Seilbahnen, für die auch keine Registrierungspflicht besteht. »Denn die Schiffe ohne Gastronomie an Bord, wie wir sie am Königssee haben, gleichen eher dem Busverkehr.«

Was nun Helmut Pfitzer, Vorsitzender des Hüttenwirtevereins, und auch seine Kollegen nicht verstehen: Warum nicht ganz oder gar nicht? Warum fährt die Schifffahrt St. Bartholomä an und nicht einfach weiter bis Salet oder lässt es gleich ganz bleiben?

»Ich finde das ungerecht«, sagt Helmut Pfitzer dem »Berchtesgadener Anzeiger« mit empörter Stimme. »Wir Hüttenwirte haben auch Auflagen und die Registrierungspflicht. Wir sitzen doch alle im selben Boot.« Jedoch gehe es bei den Hüttenwirten teilweise um ihre Existenz. Sie sind auf das Schiff angewiesen, dass die Bergsteiger über den See bringt. »Es ist einfach unverständlich für uns, warum Salet nicht angefahren wird.«

Sein Kollege, der Wirt der Gaststätte »Saletalm«, Michael Schwaiger, ist hörbar verärgert. »Wir hatten schon Ware bestellt, und das Personal ist auch schon angestellt.« Man habe fest damit gerechnet, dass es an Pfingsten endlich so weit ist und das Wirtshaus wieder öffnen kann. Die Vorbereitungen für den Saisonbeginn laufen seit einigen Tagen, denn nach dem Winter gibt es viel zu tun.

Dann kam der Anruf von Michael Grießer – am Mittwoch um 8 Uhr. Kurz zuvor erst hatte Grießer von der Registrierungspflicht auf den Schiffen vom zuständigen Bayerischen Finanzministerium erfahren. Die Entscheidung, dass die Haltestelle Salet nicht bedient wird, traf Schwaiger wie ein Donnerschlag. Er musste die Lebensmittelbestellung stornieren. »Das wäre mir doch alles schlecht geworden, wenn keiner kommt.« Schwaiger informierte daraufhin die anderen Hüttenwirte und den Verein. »Es betrifft ja auch die Wirte der Königssee-Almen«, betont er. Alle hatten sich auf die Auskunft verlassen: Wenn sich das Infektionsgeschehen nicht mehr ändert, geht es ab 30. Mai mit der Saison los.

Nun will Michael Schwaiger der Belegschaft der Königssee-Schifffahrt aber nicht »den schwarzen Peter zuschieben«. Auch die anderen Hüttenwirte sehen die Verantwortung bei der Politik. Daher verfassten die beiden Vorsitzenden des Vereins der Berchtesgadener und Salzburger Hüttenwirte, Helmut Pfitzer und Sigi Hinterbrandner, einen offenen Brief an Hannes Rasp, Bürgermeister von Schönau am Königssee.

Darin steht unter anderem über die Entscheidung der Schifffahrt zu lesen: »Dies so kurzfristig anzuordnen, bedeutet eine Katastrophe für unseren Kollegen Michael Schwaiger, ganz abgesehen auch von dem geschäftlichen Verlust. Weiters sind auch unsere Kollegen der Gotzenalm, Wasseralm und vom Kärlingerhaus betroffen. Auch wir als Berggaststätten können unsere Betriebe nur mit enormen Aufwand öffnen und betreiben.« Die Hüttenwirte schreiben weiter, sie glauben, dass es auch bei der Schifffahrt eine Lösung geben müsste, um die Anlegestellen Kessel und Salet zu bedienen. »Wir verstehen zwar, dass dies einen Mehraufwand bedeutet, aber für unsere Kollegen ist es lebensnotwendig.«

Nach Meinung der Hüttenwirte müsste sich die Gemeinde auf der politischen Ebene dafür einsetzen, »hierzu in Zusammenarbeit mit der Schifffahrt eine Lösung zu finden«. Genau das ist auch passiert. Hannes Rasp berichtete dem »Berchtesgadener Anzeiger« gestern Donnerstag, er habe eben einen Brief an Staatsministerin und Stimmkreisabgeordnete, Michaela Kaniber, verfasst. Darin habe er die Notwendigkeit des Bedienens der Haltestelle Kessel betont. Rasp habe auch bereits mit Michael Grießer gesprochen. Diesem seien in gewisser Weise auch die Hände gebunden.

Der Schifffahrtschef betont seinerseits: »Ich sage es auch zu den Wirten: Es steckt wirklich keine böse Absicht dahinter.« Es mangle schlicht derzeit an der Umsetzbarkeit. Nach dem Pfingstwochenende könne man weitersehen. »Außerdem ist Berchtesgaden auch ausgebucht, nachdem, was wir gehört haben. Das heißt, wir werden auch so genug zu tun haben, die Leute zu transportieren.«

Annabelle Voss