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Hunderte von Jugendlichen im Landkreis starten in die Ausbildung

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Über 300 Lehrstellen sind in den Betrieben im Landkreis Traunstein nicht besetzt. So viele Meldungen sind in der Agentur für Arbeit eingegangen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Tage sind gezählt: Am 1. September starten Hunderte von Jugendlichen im Landkreis Traunstein in ihre Berufsausbildung. Wie viele Lehrlinge genau ans Werk gehen, bleibt offen. Denn die Kammern, die Interessensvertretungen der Betriebe, wollen ihre Zahlen für die abgeschlossenen Verträge, wie eine Umfrage des Traunsteiner Tagblatts ergab, zum Teil erst in den nächsten Tagen veröffentlichen.


Die Handwerksbetriebe im Landkreis Traunstein haben aber bereits auf Anfrage mitgeteilt, wie viele Azubis sie aufnehmen: Sie haben – wie Jens Christopher Ulrich, der Pressesprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern, berichtete – 307 Ausbildungsverträge ausgegeben. Zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr waren 355 Lehrlinge vor den Türen der Firmen gestanden. »Wir hinken ein bisschen hinterher«, sagt Ulrich. Und weiter: »Wir haben noch Luft nach oben.«

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Erfahrungsgemäß seien die Zahlen zum Start ins neue Ausbildungsjahr immer nur eine »Bestandsaufnahme«. Seinen Angaben zufolge erfolgen auch in den Wochen nach dem 1. September noch weitere Abschlüsse.

»Ich freue mich über das große Interesse junger Menschen an einer handwerklichen Berufsausbildung«, betont Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter. Es sei ein »Beleg für die Attraktivität unseres äußerst vielseitigen Wirtschaftsbereichs mit rund 130 verschiedenen Ausbildungsberufen«.

Franz Xaver Peteranderl, der Präsident der Handwerkskammer, empfiehlt jungen Leuten, mit einer dualen Ausbildung ins Berufsleben zu starten. »In jedem Handwerksberuf wird man zielgerichtet darauf vorbereitet, nach bestandener Gesellenprüfung sofort als vollwertige Fachkraft zu arbeiten – das kann längst nicht jeder fertige Akademiker von sich behaupten.«

Wie viele Lehrlinge im Landkreis Traunstein in der Industrie oder im Handel beginnen, ließ die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern offen. Die IHK veröffentliche ihre aktuellen Zahlen zur Ausbildung in allen südostoberbayerischen Landkreisen, wie Aaron Gottardi, der stellvertretende Pressesprecher mitteilte, am Freitag.
Vorab sagt Wolfgang Janhsen, der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim, nur so viel: »In den vergangenen Jahren ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Landkreis Traunstein stetig gewachsen. Wir sind deshalb sehr zuversichtlich, dass sich dieser positive Trend auch heuer fortsetzt. Denn selber ausbilden ist die beste Strategie gegen mangelnde Fachkräfte, das haben die Unternehmen längst verstanden.«

Viele Betriebe haben bislang erfolglos nach Nachwuchs gesucht. Auf Anfrage berichtete Jutta Müller, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, dass mehr als 300 Ausbildungsstellen im Landkreis Traunstein nicht besetzt seien. Über ein Drittel dieser freien Lehrstellen werden ihren Angaben zufolge im Bereich »Produktion und Fertigung« angeboten. Unter ihnen seien Ausbildungen in so beliebten Richtungen wie der der Fahrzeug- und der Energietechnik, aber auch in eher unbeliebten wie der Lebensmittelherstellung und Speisenzubereitung.

Über 300 Lehrstellen im Landkreis nicht besetzt

Wenn Müller auf die kaufmännischen Dienstleistungen blickt, dann sieht sie auch dort noch sehr viele Stellen, die die Firmen noch nicht besetzen konnten. Vor allem im Verkauf klaffen ihr zufolge personelle Lücken. Vorbehalte gegenüber Berufen in diesem Bereich sind laut der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Traunstein die langen Arbeitszeiten und die vergleichsweise geringere Bezahlung. Gerade die Bäckereien, Metzgereien und anderen Betriebe, die Lebensmittel verkaufen, finden ihren Angaben zufolge kaum Bewerber für ihre Lehrstellen.

Betriebe suchen ihre Azubis über verschiedene Kanäle. Knapp 80 Prozent aller Ausbildungsplätze sind bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Auf diesen Stellenpool greifen die Berufsberater in der Betreuung eines Jugendlichen zu. Auf ihren eigenen Firmen-Homepages inserieren beinahe alle Unternehmen. Einige Arbeitgeber berichten laut Müller auch, dass sie bei ihren Mitarbeitern verstärkt nachfragen und auf Empfehlungen setzen. Medien, die junge Leute benutzen – Youtube, Facebook und andere – werden ihren Angaben zufolge vermehrt benutzt, um die Jugendlichen zu erreichen. Die Methoden reichen, wie sie weiter mitteilte, von witzigen Clips bis zu sachlichen, sehr ausführlichen, virtuellen Firmenrundgängen. Mancher Arbeitgeber stelle eine »Belohnung« in Aussicht, wenn eine bestimmte Note erreicht wird. Diese Angebote reichen laut Müller vom Zuschuss zum Führerschein bis zum Handyvertrag und Freikarten für Festivals.