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Hygienemängel in Hotelküche: Schönauer Geschäftsführerin vor Gericht

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Foto: Symbolbild (pixabay)

Schönau am Königssee – Bereits im Vorjahr hatte das Landratsamt einen Bußgeldbescheid wegen Hygienemängel erlassen. Was sich die Verantwortlichen in dem Schönauer Hotel offensichtlich wenig zu Herzen genommen haben. Diesmal gab es einen Strafbefehl gegen den Küchenchef und die Geschäftsführerin wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetzbuch.


Während der Küchenchef die 2 250 Euro akzeptierte, legte die Frau Einspruch gegen einen Strafbefehl über 5 000 Euro ein. Mit Erfolg: Am Ende der Verhandlung am Laufener Amtsgericht waren es noch 600 Euro.

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Am 27. Februar 2018 hatten Lebensmittelkontrolleure des Landratsamtes den Betrieb erneut unter die Lupe genommen. Dabei stellten sie erhebliche Mängel in der Küche, in den Kühlräumen und im Trockenlager fest. Spinnen, tote Fliegen und Fleisch, das über mehrere Tage gelegen war. »Für den menschlichen Verzehr ungeeignet«, wie es im Bericht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hieß.

Richter Martin Forster verwies auf die gängige Rechtsprechung, wonach zuverlässige Mitarbeiter weniger zu kontrollieren seien, als solche, die sich schon in der Vergangenheit als »schlampig« erwiesen hatten. Wie der Küchenchef dieses Hotels. »Es ist schwierig, der Markt ist leer gefegt«, blickte Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer auf die Personalsituation im Gastgewerbe. Man überlege sogar, das Speisenangebot ganz zu streichen und nur noch Frühstück anzubieten. »Bei einem weiteren Verstoß wird es vielleicht eh geschlossen«, gab der Richter zu bedenken.

Seine Mandantin habe durchaus ein Auge auf die Sache gehabt, betonte der Verteidiger, sei aber zeitweise auch überfordert gewesen. Schwarzer sah die Hauptverantwortung beim Küchenmeister. Der hatte die Strafe von 50 Tagessätzen zu je 45 Euro akzeptiert. Bei der Geschäftsführerin war die Staatsanwaltschaft von einem monatlichen Einkommen in Höhe von 3 000 Euro ausgegangen. Entsprechend multiplizierten sich die Tagessatzhöhe von 100 Euro und die 50 Tagessätze auf 5 000 Euro. Weil die Frau glaubhaft machen konnte, derzeit über sehr wenig Geld zu verfügen, plädierte auch Staatsanwalt Thomas Krojer auf 40 Tagessätze zu je 15 Euro.

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Wegen Hygienemängel stand die Geschäftsführerin vor Gericht und muss nun 600 Euro zahlen. (Foto: Höfer)

Von einem »leichten Verstoß« sprach der Verteidiger und einer im Vergleich geringeren Sorgfaltspflicht, weshalb man – verglichen mit den 50 Tagessätzen des Küchenchefs – durchaus auf 30 gehen könne. Einer gewissen »Abstufung« mochte sich auch Richter Martin Forster nicht verweigern, allerdings sah er doch »einiges im Argen«, und der »schlechte Eindruck« hätte auch der Geschäftsführerin auffallen müssen. Forster folgte dem Antrag des Staatsanwaltes, sodass die Frau nun 600 Euro zu zahlen hat. Die 41-Jährige nahm das Urteil an. Hannes Höfer