weather-image
22°

»Ich baue unsere Schlitten selbst, da hat niemand Einblick«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Olya Yudakova und Toni Eggert sind stark beschäftigt. Olya führt mit dem »Alpina Ros« und dem »Brennerbascht« zwei Hotels und ihr Partner fährt in der Weltelite der Rennrodler, fliegt ein Sportflugzeug und arbeitet auch im Hotel mit. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Weltklasserennrodler Toni Eggert (27), der im Doppelsitzer mit seinem Hintermann Sascha Benecken in der vergangenen Saison den Gesamtweltcup gewonnen hat, lebt seit über einem Jahr mit seiner Lebensgefährtin Olya Yudakova in Berchtesgaden. Olya leitet die beiden Hotels »Alpina Ros Demming« in Berchtesgaden und »Brennerbascht« in Bischofswiesen. Eggert ist nicht nur ein Spitzensportler, er besitzt auch ein eigenes Flugzeug und hat bereits über 500 Flugstunden absolviert. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem gebürtigen Suhler über Materialgeheimnisse, Flugmaschinen und Mannschaftsgeist.


Wie sind Sie zum Rennrodelsport gekommen?

Anzeige

Toni Eggert: Durch meinen Vater, der auch Rennrodler war. Ich bin 1999 ins Sportinternat nach Oberhof gegangen, wo mein Vater früher auch gewesen war. Nachdem ich dort 2007 mein Abitur abgelegt hatte, bin ich bis zum vergangenen Jahr als Sportsoldat in Oberhof geblieben. Als wir mit der Mannschaft im Hotel »Alpina Ros« in Berchtesgaden gewohnt haben, lernte ich Olya kennen. Und so hat es mich nach Berchtesgaden verschlagen.

Ihr Doppelpartner lebt aber nicht hier. Wie funktioniert da das Training?

Eggert: Da im Sommer viel an der Athletik gearbeitet wird, muss man nicht unbedingt gemeinsam trainieren, das kann jeder für sich alleine machen. Bei Sommerlehrgängen sind wir eh zusammen. Weil wir im Winter ohnehin monatelang unterwegs sind, ist eine räumliche Trennung im Sommer gar nicht so schlecht. Ich habe mir hier im Hotel zudem eine eigene kleine Werkstatt gebaut, in der ich unser Material vorbereiten kann. Ich baue unseren Schlitten selbst.

Hier am Stützpunkt gibt es bekanntlich die erfolgreiche Rennrodelgruppe »Sonnenschein«.

Eggert: Ja, da trainiere ich mit.

Ihr Athletik- und Starttrainer ist der Olympiasieger von 2002, Patric Leitner.

Eggert: Der einen Weltklassejob macht. Er schreibt unsere Trainingspläne, kümmert sich um alle Trainingsmöglichkeiten und das Material. Patric ist immer bei uns und bringt seine große Erfahrung ein.

Und wie läuft es im Winter?

Eggert: Da ist der ganze Trainerstab dabei. Die Trainer werden auf verschiedene Kurven verteilt und wir bekommen von allen Korrekturen zu unserer Fahrt. Patric Leitner ist dann weiterhin für das Athletiktraining und in erster Linie für die Startanalysen zuständig. Dabei werden biomechanische Messungen mit unserem Trainingswissenschaftler Ulli Fietkau durchgeführt. Um das Material kümmere ich mich jedoch völlig alleine. In mein Material hat niemand Einblick, nicht einmal die Trainer. Das ist mein Zeug, mit dem ich mache, was ich möchte.

Schauen Sie da auch woanders hin?

Eggert: Jeder blickt dem anderen über die Schulter, auch die Trainer. Da geht es dann um Details wie unter anderem um Schienengeometrie. Nur mein Doppelpartner Sascha Benecken hat da Einblick.

Die Technik spielt eine große Rolle. Wer hilft Ihnen da?

Eggert: Wir haben seit einem Jahr ThyssenKrupp als Sponsor. Mit Deutschlands größtem Stahl- und Technologieunternehmen arbeite ich beim Material eng zusammen.

Die Olympiasieger von Sotschi und aktuellen Weltmeister, Tobias Wendl und Tobias Arlt, sind nicht nur Mannschaftskameraden, sondern auch Konkurrenten. Wie gehen Sie damit um?

Eggert: Gerade beim BSD zeigen wir, dass man fair miteinander umgehen kann. Man teilt zwar nicht jedes Wissen miteinander, aber wir gehen ganz normal miteinander um. Das hängt jedoch auch mit unserem gutem Trainerstab zusammen. Dass unsere Doppel so stark sind, haben wir auch unserer internen Konkurrenz zu verdanken, die uns immer weiter voranbringt. Dadurch haben wir uns auch vom Rest der Welt etwas abgesetzt. In der vergangenen Saison haben entweder wir oder Wendl/Arlt gewonnen. Einer von uns hatte bei jedem Rennen die Nase vorne. Ich kann nicht sagen, wie es sich ohne die Konkurrenz im eigenen Lager entwickelt hätte.

Was sind Ihre nächsten Ziele? Wie lange wollen Sie noch Spitzensport betreiben?

Eggert: Ich würde gerne alles einmal gewinnen, alle Titel einmal holen, auch Olympia, obwohl ich dazu nicht mehr allzu oft die Möglichkeit haben werde. Es ist sehr schwierig, so etwas zu planen. Bisher ist unsere Leistungsentwicklung ständig bergauf gegangen. Wir konnten uns in jedem Jahr steigern. Aber das muss nicht so weitergehen, denn die anderen versuchen ebenfalls sich ständig zu verbessern. Wie lange ich noch fahre, weiß ich nicht. Das hängt von vielen Komponenten ab.

Sie leben jetzt seit über einem Jahr in Berchtesgaden, wie gefällt es Ihnen hier?

Eggert: Die Gegend hier ist wunderschön. Es gibt Möglichkeiten, die man anderswo nicht hat. Ich mag auch das nahe Salzburg. Es gefällt mir in Berchtesgaden sehr gut und man hat auch die Möglichkeit recht schnell an anderen schönen Orten zu sein. In knapp vier Stunden ist man am Meer, man kann Skifahren, wenngleich ich dafür bisher noch nicht viel Zeit hatte.

Was sagen Sie zur Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Winter am Königssee?

Eggert: Das finde ich aus mehreren Gründen richtig cool. Zum einen ist die Königsseer Bahn richtig schön und es macht dort großen Spaß zu fahren. Zuhause ein Großereignis zu bestreiten, ist ganz etwas Besonderes. Das haben wir auch in Altenberg schon hautnah erlebt. Zudem haben wir viel mehr Trainingsläufe woanders. Im Weiteren sind wir nicht die absoluten Favoriten, wir können recht entspannt unser Rennen fahren und den Druck haben die anderen. Ich freue mich riesig auf die WM am Königssee und auch das Drumherum. Schon die Weltcups hier waren immer schön und die Verantwortlichen werden uns und den Zuschauern eine tolle WM bieten. Oberhof und Königssee sind für mich die beiden Vorzeigeveranstalter. Es wird sicher eine großartige Weltmeisterschaft, bei der wir gerne eine Medaille gewinnen möchten. Zudem habe ich meine eigene Werkstatt. Hier habe ich alles, was ich brauche, das ist ein ganz großer Vorteil.

Was halten Sie vom neuen festen VIP-Gebäude an der Bahn?

Eggert: Ich finde diese Einrichtung sehr gelungen und aus wirtschaftlichen Gründen sehr sinnvoll. Ich kenne auch die Zeltfirma Eschenbacher und weiß, was der Auf- und Abbau eines solchen Zeltes jeweils kostet. Dieses Haus ist zudem nicht nur für die Bahnwettbewerbe da, sondern wird auch für Firmenveranstaltungen genützt. Ein Festbau ist auf jeden Fall nachhaltiger und kostengünstiger als die Zeltvariante. Christian Wechslinger