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»Ich bin die Christl von der Post«

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Eine turbulente Massenszene: im Vordergrund (v. l.) Baronin Adelaide, die Kurfürstin und Baron Weps. (Foto: Kaiser)

Seit 1981 bereichert das Freie Landestheater Bayern mit Sitz in Miesbach die süddeutsche Theaterlandschaft mit gelungenen Aufführungen der »leichten Muse«, seit seinem Bestehen unter seinem Gründer, Intendanten und Chefdirigenten Rudolf Maier-Kleeblatt, von seinen Verbündeten liebevoll »RuMaKl« genannt. Mit seinem bestens geschulten Stammchor und mit professionellen Gesangssolisten und Musikern stellte er, genau zwei Wochen nach der Premiere im Stammhaus »Waiztinger Keller« in Miesbach, in Prien zusammen mit »Hausregisseur« Marcus Schneider eine charmant-beschwingte Inszenierung von Carl Zellers Operette »Der Vogelhändler« als umjubelten Beitrag zum Priener Kulturdschungel auf die Bühne des Großen Kursaals.


Mit dem »Vogelhändler« schuf der Jurist, Ministerialrat im Wiener Unterrichtsministerium und auch Komponist Carl Adam Johann Nepomuk Zeller (1842-1898) nach dem Libretto von Moritz West und Ludwig Held als Spätzünder im »Goldenen Zeitalter« der Operette den Inbegriff der deutsch-österreichischen Heimatoperette. Sie hat sich, reich gesegnet mit gehörfreundlichen pfiffigen und schmeichlerischen Melodien, seit der Uraufführung im Theater an der Wien im Jahr 1891 fröhlich und fesch unter dem halben Dutzend Dauerbrennern im Operetten-Repertoire deutschsprachiger Bühnen gehalten.

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Die Operette, bei der die schlichte, aber raffiniert-witzige Bühnenausstattung (Caroline Neven Du Mont) und die phantasievoll-fantastischen Kostüme (Anne Hebbeker) gefallen, weist die üblichen genretypischen Verkleidungen und Verwechslungen auf. Das füreinander bestimmte Paar Adam, Vogelhändler aus Tirol (Harald Wurmsdobler) und die »Briefchristl« (Yvonne Steiner) heben sich dabei in ihrer frischen und echten Natürlichkeit wohltuend von den Mitgliedern des kurfürstlichen Hofes ab, an dem die Handlung irgendwo in der Rheinpfalz angesiedelt ist.

Deren Protagonistin, die elegante Kurfürstin (Diana-Marina Fischer) ist die dritte im Bund der handlungstragenden Personen; ihr Lied »Als geblüht der Kirschenbaum« war eine Kostbarkeit neben den ganz natürlich präsentierten Liedern der Christl (»Ich bin die Christl von der Post«) und des Adam (»Grüß euch Gott, alle miteinander«, »Schenkt man sich Rosen in Tirol«); selbst das so oft verkitschte »Wie mein Ahn'l zwanzig Jahr« kam ohne falsches Sentiment und in unverfälschtem Dialekt.

Klangprächtige Vokalensembles und wirkungsvolle Chöre, dazu die Walzermelodien »Schau mir nur recht ins Gesicht« und »Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!« rundeten zusammen mit dem schnörkellos geführten, leistungsstarken Orchester die überzeugende musikalische Qualität ab.

Doch was wäre eine Operette ohne lustige Zwischenszenen? Die exaltierte Baronin Adelaide (Elisabeth Neuhäusler) wird in ihrem Liebesschmerz mit den Worten getröstet: »Der Zahn der Zeit hat schon so manche Träne getrocknet – er wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen«; die überdrehten Professoren Süffle und Würmchen (Tobias Gründl und Andreas Haas), ein »schwuler« Kammerherr und »Zeremonienmeister« (Andreas Fimm) und eine freche Wirtin (Monika Reiser) sorgen für Heiterkeit, auch der geldgierige Wald- und Wildhofmeister Baron Weps (Alfrred Hörmayer) und sein windiger Neffe Graf Stanislaus (Andreas Stauber), wenn sie sich in ihren Intrigen selber Fallen stellen.

Nach zwei vergnüglichen Stunden stand fest: Das Ding hat Schwung und Niveau. Engelbert Kaiser