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»Ich brauche keine Millionen …«

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»Stammgäste« in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS und jetzt erstmals auf der NUTS-Sommerbühne: »Die Herren Wunderlich« präsentierten das Beste aus den vergangenen 20 Jahren. (Foto: Ortner)

Das Beste aus 22 Jahren »Die Herren Wunderlich« hatte das Trio aus dem schönen Kufstein versprochen – und hielt Wort. Zwei Stunden beste Unterhaltung sollten die Tiroler bieten, wobei, Georg Anker sichtlich bewegt erzählt, dass die NUTS-Sommerbühne das erste Engagement seit dem mittlerweile legendären Neujahrskonzert im NUTS sei.


Während er noch nach Worten für seine rührend-humoristische Dankesrede sucht, grätscht Herbert Oberhofer bereits mit lockeren Sprüchen von der Seite in die Ansprache. Josef Hack-linger sitzt wie so oft unbeweglich und schweigend am Piano und verfolgt aufmerksam den verbalen Abtausch des temperamentvollen Duos. Und dann kommt die »unerwartete« Reaktion aus dem Off. Eine Bewegung, eine Grimasse, ein Satz – und schon hat der Pianist die Knallerpointe geliefert, nach der die beiden Sänger gesucht haben. Aber keine Sorge, da schenken alle drei sich und dem Publikum nichts.

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»Die Herren Wunderlich« sind nicht nur des meisterlichen Singens mächtig, sondern beherrschen auch die Kunst der Comedy, des Slapsticks und der Improvisation meisterlich. So werden in die Spontansketche und Ansagen kurzerhand verbogene Mikrofonständer eingebunden – Ursache und Wirkung herauszufinden ist fast wie das Henne-und-Ei-Spiel. Anker und Oberhofer frotzeln und keifen wie ein altes Ehepaar, schenken sich nichts und sind auch mit vordergründig negativen Komplimenten nicht geizig. Nicht selten drängt sich der Eindruck auf, Heinz Erhard und Theo Lingen trügen hier einen Wettstreit um die beste Pointe aus. Dabei verlieren sie gelegentlich Josef Hacklinger aus den Augen, den einzigen »echten Bayern« im Team. Einer, der lange, sehr lange zuschaut – um ganz unverhofft zuzuschlagen und die Lacher auf seiner Seite hat.

22 Jahre »Wunderliche Lieder« bieten auch eine schöne Zeitreise durch die Entwicklung des Schlagers von der Leichtigkeit und geschickt verpackten Frivolität der 20er Jahre bis zu den Heile-Welt-Liedern der ansonsten eher rebellischen 60er Jahre. Wie immer dürfte den Tirolern die Auswahl schwer gefallen sein, umfasst das Repertoire doch rund 150 Lieder und sowohl ihnen als auch dem Publikum ist der Gedanke nicht fremd »Dies oder das wäre auch noch schön gewesen«. Die Damenwelt hat die Fantasie der Herren von jeher beflügelt und so tanzt Lulu zu Veronikas Frühlingsgefühlen, was Ruth gut tut, während die arme Elisabeth ihre schönen langen Beine unter einem züchtigen langen Kleid verschwinden lässt. In diese Thematik reiht sich nahtlos der einzige Hit ein, den die »Wunderlichen« jemals selbst geschrieben haben. »Amelié«, deren umwerfendstes Kapital ihre Knie sind.

Doris Days »Que sera sera« folgt auf Marlene Dietrichs »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt«. Mina, in Italien einst ein Superstar mit einer umfangreichen Diskografie, kommt hier mit »Heißer Sand« zu Ehren und natürlich darf auch das allseits beliebte »Connie-Potpurri« mit Hits von Connie Francis nicht fehlen. Angesichts derart starker Damenpräsenz müssen sich die Herren der Schöpfung ein klein wenig strecken. Die Comedian Harmonists sorgen noch für den humoristischen Mitschunkel-Kick, bevor es mit Frank Sinatra dann richtig besinnlich wird. Georg Anker besingt »My Way«, Herbert Oberhofer trifft die »Strangers In The Night« und manch einer versinkt gerührt in alten Erinnerungen und hebt den Blick in den nächtlichen Sommerhimmel.

Doch so derart in Gedanken und Melancholie versunken schicken die »Wunderlichen« niemand nach Hause. Kurz vorm Zapfenstreich duellieren sich Mireille Mathieu (Verzeihung, Georg Anker) mit »Akropolis Adieu« und Nana Mouskouri (Vielmehr: Herbert Oberhofer) mit »Weisse Rosen aus Athen«. Wer’s nicht glaubt, dass das im Duett funktioniert, sollte sich tunlichst selbst davon überzeugen. Wenn alle brav zugeschaut und sich gefreut haben, gibt’s als Draufgabe vielleicht noch an Sirtaki- mit »Dirty Dancing«-Hebefigur. Für Filmkenner: das sollte die wunderbar akrobatische Szene aus dem See sein. Maria Ortner