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»Ich dachte, wenn das Feuer jetzt kommt, sind wir am A...«

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Berchtesgadenerin reist durch Australien und schildert Eindrücke von Waldbränden
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Barbara Müller will noch mehrere Jahre in Australien verbringen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Wer in diesen Tagen Nachrichten liest oder im TV anschaut, der kommt nicht um die verheerenden Waldbrände in Australien herum. Millionen Tiere starben bereits, die Feuer wüten immer noch und zerstören ganze Ortschaften. Klingt nicht unbedingt nach einer Traum-Urlaubsdestination.


Die Berchtesgadenerin Barbara Müller reist derzeit durch Australien und will noch etwa zwei Jahre dort verbringen. Trotz der Lage. Warum die 23-Jährige nicht ausreisen will, wie sie die Situation erlebt und was ihre australischen Bekannten zu der Katastrophe sagen, erzählte die gelernte Bankkauffrau dem »Berchtesgadener Anzeiger« bei einem interkontinentalen Telefonat.

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Frau Müller, seit wann reisen Sie durch Australien?

Barbara Müller: Seit September. Die ersten drei Wochen habe ich bei meiner Familie verbracht, mein Onkel lebt hier. Ende September flog ich weiter nach Melbourne und war in der Ortschaft Emerald, etwa eine Stunde entfernt, in einem Working Hostel tätig. Bis Ende Dezember war ich dort und habe auf der dortigen Beerenfarm gearbeitet. Über Silvester war ich in Sydney und habe mir dort das Feuerwerk angeschaut. Am 2. Januar bin ich nach Brisbane weitergereist. Derzeit bin ich mit zwei anderen Deutschen für einen Monat im Camper unterwegs. Momentan sind wir in der Nähe von Fraser Island.

Wie lange wollen Sie noch bleiben?

Müller: Open End. Also mindestens noch zwei Jahre. Das Work-and-Travel-Visum ist drei Jahre gültig, Voraussetzung dafür ist aber auch, mehrere Monate zu arbeiten.

Auch jetzt noch, da Waldbrände wüten?

Müller: Ja. Dort, wo wir sind, besteht keine Gefahr. Aber wir hatten richtig Glück. Als wir in Sydney waren, war der Himmel verraucht, es war richtig diesig. Freunde von uns sind nach Silvester wieder weiter hinunter in Richtung Süden, Melbourne, gefahren. Die hatten in den vergangenen Tagen das Problem, dass sie nirgends campen konnten. Entweder ist es zu gefährlich, weil sich das Feuer in den Gebieten ausbreiten kann, oder es ist so viel Rauch in der Luft, dass man die Fenster nicht öffnen kann. Jetzt mussten sie wieder umplanen.

Inwiefern sind Sie selbst von den Waldbränden betroffen?

Müller: Naja, das Feuer gesehen hab ich noch nicht. Aber als wir auf der Great Ocean Road entlang der Südküste gefahren sind, von Melbourne in Richtung Sydney, ist der Rauch von Sydney herübergezogen. Wie der Rauch zieht, kommt immer darauf an, in welche Richtung der Wind weht. Und während ich auf der Farm in Emerald gearbeitet hab, waren im Nachbarort bereits Straßen gesperrt, und dort haben auch Feuer gebrannt. Man sah auch dort die Rauchsäulen in den Himmel steigen. Außerdem habe ich riesige Vogelschwärme gesehen, die quasi geflüchtet sind.

Haben Sie australische Bekannte? Wenn ja, haben Sie sich mit ihnen bereits über die Waldbrände ausgetauscht? 

Müller: Ja, ich habe erst kürzlich wieder mit meinem Farmer gesprochen, von der Beerenfarm, und auch anderen, die dort in Emerald gearbeitet haben. Dort herrscht nun das große Problem, dass das Wasser knapp wird. Die Farmer nutzen nämlich das Regenwasser als Trinkwasser und für die Pflanzen. Nun schmeckt das Wasser bereits so rauchig, dass es nicht mehr verwendet werden kann.

Unser Farmer erzählte uns auch, dass bei einem Waldbrand vor ein paar Jahren nicht weit entfernt Menschen gestorben sind. Andere Freunde haben mir erzählt, dass in den besonders betroffenen Gebieten die Atemschutzmasken bereits bis zu 100 Dollar kosten, da die Nachfrage verständlicherweise so hoch ist.

Haben sie als Touristin bereits Anweisungen bekommen, auszureisen?

Müller: Nein, eigentlich nicht.

Worauf müssen Sie als Reisende jetzt besonders achten?

Müller: Derzeit sind wir ja zu dritt im Camper unterwegs. Man sollte zum Beispiel wirklich nicht wildcampen. Die Feuer sind nämlich richtig schnell. Wir müssen daher darauf achten, dass wir nur Plätze in sicheren Gebieten anfahren, von denen es auch Fluchtmöglichkeiten gibt. Da schauen wir schon immer.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, sofort auszureisen?

Müller: Niemals. Es brennt echt an vielen Orten, aber Australien ist riesig. Man fährt dann eben in einen anderen Teil des Landes. Und wenn es mal rauchig ist, verzieht es sich auch wieder.

Hatten Sie zu einem Zeitpunkt Angst?

Müller: Ein mulmiges Gefühl hatte ich, ja. In Emerald wurden wir mit Bussen von der Farm auf die Felder zum Arbeiten gefahren. Im Bus wurden die Bilder der gesperrten Straßen aus dem Nachbarort herumgezeigt. Unsere Unterkunft war von Wäldern umgeben, nur eine einzige Straße führte dorthin. Da habe ich mir schon gedacht: Wenn das Feuer jetzt kommt, sind wir am A...

Ist der Himmel denn rot eingefärbt, wie man es in vielen Zeitungen gesehen hat?

Müller: Das sieht man besonders morgens und abends, diese ungewöhnliche Färbung. Tagsüber ist es eher diesig. Diese feine Rauchschicht merkt man einfach.

Bekommen Sie etwas von dem massenhaften Sterben der Tiere mit?

Müller: Nicht direkt, aber für die Koalas ist die Situation natürlich besonders schlimm. Das tut mir auch leid. Ich habe schon einmal einen gestreichelt, und auf der Farm waren auch öfter Wombats. Morgens kam uns außerdem immer eine Gruppe Kängurus besuchen. Aber auch während meiner Reise habe ich Koalas in Bäumen schlafen gesehen. Nicht nur die Feuer an sich sind schlimm für sie, sondern sie verlieren ja auch ihr Futter, da die Eukalyptuswälder niederbrennen.

Haben Sie bereits etwas gespendet, wie es derzeit viele tun?

Müller: Ja, wir haben in Sydney für die Feuerwehr gespendet.

Annabelle Voss