»Ich gehe es Schritt für Schritt an« – Andreas Wellinger freut sich über sein Weltcup-Comeback

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Zurück im Weltcup: Der Weißbacher Skispringer Andreas Wellinger möchte wieder angreifen. Foto: dpa

Endlich! Die lange Leidenszeit von Andreas Wellinger ist vorbei. Der Weißbacher Skispringer, der für den SC Ruhpolding startet, kehrte im polnischen Wisla nach seiner Verletzungspause in den Weltcup-Zirkus zurück.


Er war auch im finnischen Ruka dabei. Für die ersten Weltcup-Punkte hat es bei beiden Veranstaltungen noch nicht ganz gereicht. Bundestrainer Stefan Horngacher will Wellinger Zeit geben, auf seinem Weg zurück in die Weltspitze.

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Jetzt geht es für die Skispringer. Die nächste Station der Skispringer ist nun am morgigen Samstag und Sonntag im russischen Nischni Tagil. Der 25 Jahre alte Olympiasieger steht erneut im Aufgebot. Wir haben Andreas Wellinger ein paar Fragen gestellt. Es geht dabei unter anderem um sein Comeback und darum, was er sich für diese Saison so alles vornimmt.

Hallo Herr Wellinger, nach rund 20 Monaten sind Sie in Wisla in den Weltcup-Zirkus zurückgekehrt. Wie ist Ihre Gefühlslage gerade eben?

Ich freue mich riesig, dass es jetzt endlich wieder losgegangen ist! Ich bin extrem happy, dass ich wieder im Weltcup springen darf. Ich bin mit dem Einstieg zufrieden. Ich war schon nervös – deutlich mehr, als ich es von mir kenne.

Was nehmen Sie sich für die nächsten Wochen vor?

Mir ist bewusst, dass ich jetzt nicht gleich mit Top- Platzierungen starten werde. Ich muss Geduld haben. Die Zielsetzung für mich lautet jetzt, dass ich Weltcup-Punkte sammeln und den Wettkampf-Rhythmus wiederfinden will. Darüber hinaus werde ich versuchen, mich immer weiter zu steigern.

Wie haben Ihre vergangenen Monate fernab des Weltcup-Trubels ausgesehen? Konnten Sie Ihre Vorbereitung durchziehen?

Die Sommer-Vorbereitung hat den aktuellen Umständen entsprechend trotzdem gut funktioniert! Wir haben versucht, uns immer den Situationen anzupassen. Schlussendlich war die Vorbereitung ähnlich wie in den letzten Jahren. Mit dem Unterschied, dass wir etwas weniger Reisen hatten und dafür mehr Zeit zu Hause verbringen konnten, was ja auch mal schön ist.

Sie hatten zuletzt gleich zwei schwere Verletzungen. Zunächst einen Kreuzbandriss, dann einen Schlüsselbeinbruch. Würden Sie sagen, Sie sind schon wieder 100 Prozent der Alte?

Körperlich bin ich auf jeden Fall topfit! Auf der Schanze bin ich aber noch nicht bei 100 Prozent, da sind es vielleicht so rund 80 Prozent. Meine Sprünge sind aktuell noch zu unsauber. Das Skispringen ist einfach zu sensibel und zu komplex, dass man nach solchen Verletzungen und nach einer doch recht langen Zeit ohne Wettkampfpraxis wieder einfach mal so schnell in die Weltspitze zurückkehrt.

Was nehmen Sie sich für die Saison vor?

Um es kurz zu machen: Eine erfolgreiche Teilnahme an den Großereignissen!

Als Olympiasieger steht man automatisch sofort wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich freue mich sehr darüber, wieder im Team dabei zu sein und aktiv im Geschehen mitmischen zu können.

Wie sehr glauben Sie, wird die Saison durch die Pandemie beeinflusst werden?

Die Zuschauer werden uns sicher sehr fehlen! Ich hoffe, wir bekommen unsere Sportart trotzdem medial gut zu den Fans nach Hause rüber. Ansonsten sind die Bedingungen für alle gleich. Wir werden uns darauf einstellen und versuchen, das Bestmögliche daraus zu machen.

Sie haben die Zuschauer angesprochen. Die Fans werden ja leider nicht oft an der Schanze dabei sein können. Werden Sie die Fans in diesem Winter vermissen?

Ja, auf jeden Fall! Die Begeisterung der Zuschauer an der Schanze ist auch für uns Athleten immer etwas Besonderes.

Es gibt auch in diesem Winter neben den Weltcupspringen eine jede Menge Höhepunkte – etwa mit den zwei Weltmeisterschaften und der Vierschanzentournee. Auf was für einen Wettkampf freuen Sie sich am meisten?

Ich möchte da keinen Höhepunkt besonders herausstellen. Das sind alles ganz besondere Veranstaltungen mit ihren eigenen Facetten. Ich gehe es Schritt für Schritt an. Jetzt versuche ich erst einmal, gut in die Saison zu kommen.

Das erste dieser Großereignisse steht auch schon kurz bevor. Es geht ja gleich im Dezember (10. bis 13.) mit der Skiflug-WM in Planica los. Wie schätzen Sie da Ihre Chancen und die Chancen des deutschen Teams ein?

Dass die Skiflug-Weltmeisterschaft so zeitig in der Saison stattfindet, ist schon speziell. Sprich: Man muss zum Saisonbeginn schon wirklich alles richtig machen, um dort ganz vorne dabei zu sein. Zudem müssen Technik und Material bei 100 Prozent sein. Für unser Team sehe ich da sehr gute Chancen auf eine Team-Medaille. Markus Eisenbichler und Karl Geiger sehe ich auch im Einzel ganz vorne dabei.

Die Vierschanzentournee wartet dann traditionell wieder zum Jahreswechsel. Erleben die deutschen Fans da endlich mal wieder einen deutschen Sieger – zuletzt gewann die Tournee ja Sven Hannawald in der Saison 2001/2002?

Wir werden wieder angreifen und alles versuchen. Irgendwann muss es doch mal klappen!

Und dann kommt noch im Februar/März 2021 die Nordische Ski-WM dahoam in Oberstdorf. Gibt es für das deutsche Team da so etwas wie einen Heimvorteil?

Hoffentlich dürfen da einige Zuschauer dabei sein! Dann wäre es bestimmt ein Heimvorteil für uns. Dafür ist Oberstdorf ja bekannt. Ansonsten trainieren auch die anderen Nationen oft dort.

Ist der Druck bei einer Heim-WM größer? Muss man da als deutsches Team eine Medaille holen? Mit Markus Eisenbichler habt ihr ja noch dazu den dreimaligen Titelverteidiger in der Mannschaft…

Nicht wirklich. Wir wollen immer gewinnen und geben immer unser Bestes. Ich sehe das als Vorteil an, dass wir den Titelverteidiger im Team haben!

Wie schätzen Sie die internationale Konkurrenz in diesem Winter ein? Wer wird ganz vorne dabei sein?

Ich rechne in diesem Winter eher mit einer breiteren Spitze! Ein bis zwei Japaner werden aber bestimmt wieder vorne mitmischen. Stefan Kraft sowieso, Kamil Stoch und David Kubacki aus Polen sind auch immer gefährlich und die Norweger haben auch immer gute Leute dabei. Aber das ist gut für unsere Sportart. Da bleibt es immer spannend.

Und wer wird beim deutschen Team ganz vorn mitspringen?

Ich rechne sehr stark mit Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Martin Hamann und vielleicht mit der einen oder anderen Überraschung der im letzten Jahr verletzten Athleten.

Was wünschen Sie sich persönlich für das Jahr 2021 – auch hinsichtlich der Corona-Pandemie?

Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe und wieder ganz vorne im Weltcup mitmischen kann. SB


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