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»Ich glaube, das mag sie«

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Der Grassauer Autor Robert Höpfner hat einen neuen Gedicht-band und lyrische Prosa herausgebracht. (Foto: Giesen)

Ein wenig irreführend ist der Titel des neuen Gedichtbandes von Robert Höpfner schon: »Ich glaube, das mag sie«. Der ahnungslose Leser könnte glauben, es handle sich um eine Frau, eine Geliebte oder ähnliches. Bei Höpfner aber ist das »sie« eine Esche – die letzten Zeilen lauten: »Einsame Esche./ Wenn ich an ihr vorüber gehe/ fährt meine Hand an ihrer Rinde entlang./ Ich glaube, das mag sie.«


Höpfners Gedichte und Kurzprosa – der Autor gab mit diesem Büchlein nun seinen fünften Gedichtband heraus – zeichnen sich durch eine lakonische Nüchternheit aus, hinter der sich jedoch Hochemoti-onales verbirgt. Die Wahrnehmungen des im Brotberuf Ge-schäftsführenden Beamten der Gemeinde Grassau stammen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld: eine Beobachtung auf dem Weg zur Amtsstube, im Cafe, im Kaufhaus oder im Garten – den Autor sprechen die verschiedensten Dinge und Orte an, für die er dann die passenden Worte und Formulierungen findet, um das Flüchtige des Augenblicks festzuhalten.

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Dabei gibt es bei vielen seiner oft kurz prägnanten Lyrik am Schluss Dissonanzen, unerwartete, überraschende Brechungen, die zum Nachdenken bringen oder den Leser schmunzeln lassen: »Lass dir gesagt sein: Den Knoten im Schnürsenkel/den du belässt, wenn abends du/den Schuh vom Fuß streifst, wirst/ am nächsten Morgen du lösen müssen./ Da beißt die Maus keinen Faden ab./ Den Strumpf, den du am Ende des Tages/ links herum vom Fuß ziehst/ wirst du wenden müssen/ am nächsten Tag, willst du dich/ wieder auf die Socken machen.« Oder »Zwiesprache: Auf dem Friedhof Grab an Grab/ Alle sind sie von uns gegangen./ Sag mir/ was ist von ihnen geblieben?// Du musst nur lang genug graben/ flüstert mir eine Stimme zu.«

Robert Höpfner wurde 1954 in München geboren und lebt seit 1981 in Grassau. Hier arbeitete er zuerst als Kämmerer bei der Gemeinde und wurde dann Geschäftsleiter. Im letzten Jahr feierte er hier sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Schon in seiner Jugend hat Höpfner gerne geschrieben. Vor gut 20 Jahren begann er sich ernsthaft mit Lyrik zu beschäftigen und gab in den 90er Jahren drei verschiedene Gedichtbücher heraus, die bei vielen Lesern auf großes Interesse stießen und von Seiten der Fachwelt als »echte lyrische Neuentdeckung« gefeiert wurden. Nach einer schöpferischen Pause von über zehn Jahren lieferte der Autor vor zwei Jahren sein viertes und bald darauf sein fünftes Büchlein: ein reizvoller und Erfolg versprechender Neuanfang.

Höpfners Gedichte kennzeichnen eine große Sensibilität der Wahrnehmung und erzeugen sprachlich dichte und originelle Bilder. Der Lyriker macht deutlich, dass man die Welt auch mit ganz anderen Augen sehen kann, wenn man bittere Momente und die manchmal absurden Dinge des Lebens erkennt. Seine meist kurzen, auf den Punkt gebrachten Gedichte gehen völlig sachlich immer von einem realen Kern aus, aus dem unvermittelt Emotionales aufbricht. Die präzise Wortwahl, oft in einen neuen Zusammenhang gebracht, lässt ungekannte Bilder entstehen. Der Autor beobachtet Dinge, oft nur winzige Begebenheiten, die andere kaum wahrnehmen, und stellt sie in einen neuen, unerwarteten Zusammenhang. Aus Sicht des Lesers werden ganz verschiedene Gedanken und Deutungen angeregt wie bei: »Auszeit: War unterwegs die letzten Tage/ durch verlassene Straßen /Tage ohne Worte./ Zuhause fand ich wieder Anschluss/ am Ende von Seite 107.«

Höpfner ist immer auf Entdeckungsreise, mal in der nahen Landschaft, mal bei den ihn umgebenden Menschen. In seinen knappen, konzentrierten Formulierungen kann manchmal ein ganzer Film vor dem geistigen Auge ablaufen und Schicksale erahnen lassen.

Ein besonderes Schmankerl beim neuen Gedichtband von Robert Höpfner, das sich der Leser nicht entgehen lassen sollte, ist sein fiktiver Brief an den berühmten Schweizer Schriftsteller Robert Walser (1878 bis 1956). Ähnlichkeiten beider Autoren sind nicht nur im Vornamen begründet, sondern auch in der subtilen Beobachtungsgabe beider. Christiane Giesen

»Ich glaube, das mag sie«, Gedichte, Kurzprosa, mit einem Brief an Robert Walser, von Robert Höpfner ist in der edition lyrik 13 bei Books on Demand, Norderstedt, erschienen. ISBN 9783848259038 und kostet 13,80 Euro, auch als e-book erhältlich.