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Extremwanderer Markus Maldinger über seine Erfahrungen beim BGL Wander-Festival

»Ich habe die Stunden bis zum Ziel gezählt«

Berchtesgaden – 90 Bergfexe nahmen im Rahmen des Berchtesgadener Land Wander-Festivals die Tour »Watzmann extrem« mit 3 230 Höhenmetern und 63 Kilometern Länge in Angriff. Zehn von ihnen wechselten während der Tour zur Route »Watzmann alpin« über, die das Hocheck ausließ und sich dadurch auf immer noch stattliche 2 600 Höhenmeter und 56 Kilometer Länge reduzierte. Gewechselt hat beim Watzmannhaus auch der Mannheimer Markus Maldinger, der im letzten Jahr mit einer Zehn-Gipfel-Tour in den Berchtesgadener Alpen auf die Arbeit der Deutschen Krebshilfe aufmerksam gemacht hatte. Der »Berchtesgadener Anzeiger« traf den 48-Jährigen, um mit ihm über seine Erfahrungen auf der langen Tour zu sprechen.

Markus Maldinger nach 2600 Höhenmetern und 56 Kilometern im Ziel auf dem Weihnachtsschützenplatz. (Fotos: privat)

Herr Maldinger, Sie haben jetzt 2 600 Höhenmeter und 56 Kilometer Strecke in den Beinen. Wie geht es Ihnen?

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Markus Maldinger: Eigentlich relativ gut. Irgendwann kam einmal der Punkt, an dem die Müdigkeit gewichen ist. Und auch der Muskelkater ist bis jetzt noch ausgeblieben. Ob das morgen auch noch so ist, weiß ich nicht.

Haben Sie auf der ganzen Strecke einmal geschwächelt? Gab es einmal einen Tiefpunkt?

Maldinger: Richtig geschwächelt eigentlich nicht, aber es wurde zwischendrin schon mal schwieriger. Nachts hatte man nur einen kleinen sichtbaren Bereich und man hat außer den Stirnlampen fast nichts mehr wahrgenommen. Und es war klar, dass du immer noch elf Stunden vor dir hast. Das war schon ein schwieriger Moment.

Was macht man in solchen Momenten? Wie kann man sich da zum Weitergehen motivieren?

Maldinger: Ich hatte einen kleinen MP3-Player dabei und habe Musik gehört. Auch kurze Gespräche können helfen. Man muss halt einen Schritt nach dem anderen tun.

Ist man auf einer Langstreckenwanderung eher gedankenlos oder was schießt einem da durch den Kopf?

Maldinger: Es waren so viele Gedanken, denen ich da nachhing. Und ich habe immer die Stunden gezählt. Da war es 6 Uhr morgens, 7 Uhr, 8 Uhr und endlich 9 Uhr mit dem Zieleinmarsch.

Ist das Wandern für Sie denn auch eine meditative Geschichte?

Maldinger: Definitiv. In dieser langen Zeit kann man sich ja nicht dauernd unterhalten. Und man ist zwischendurch auch mal alleine. So kann das Bergsteigen sehr meditativ sein, ich kann dabei jedenfalls sehr gut nachdenken.

Was macht man als Erstes, wenn man nach 24 langen Stunden endlich im Ziel angekommen ist?

Maldinger: Ich habe mich hingesetzt und habe mir ein Radler geholt.

Warum nimmt man für eine Wanderung überhaupt solche Strapazen auf sich?

Maldinger: Es ist die Gruppe, die Gemeinschaft, die sehr gute Organisation. Das war ja auch ein sehr schöner Event. Allerdings ist es schon verrückt, 60 Kilometer zu laufen und dafür noch Geld zu bezahlen.

Haben Sie sich gesondert vorbereitet oder kann man eine so lange Tour einfach aus dem Ärmel schütteln?

Maldinger: So etwas kann man nicht aus dem Ärmel schütteln, höchstens wenn man noch sehr jung ist. Ich bin halt regelmäßig unterwegs beim Wandern und Bergsteigen. Vor 14 Tagen habe ich vom Bahnhof aus und wieder zurück schon einmal die Hocheck-Tour gemacht – sozusagen als kleinen Test.

Können Sie sich eine Wiederholung vorstellen? Oder sagen Sie eher ›Einmal und nie wieder‹?

Maldinger: Momentan sage ich ›Nie wieder‹, weil ich erst einmal lieber eine kürzere Tour mache oder zum Klettern gehe. Aber in einer Woche kann es schon wieder ganz anders aussehen, das ist ja meistens so. Ulli Kastner