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»Ich hoffe, dass möglichst viele Rennen stattfinden werden«

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Johannes Kühn – hier bei der Biathlon-WM in Antholz – hat sich für die neue Weltcup-Saison wieder einiges vorgenommen. (Foto: Brenninger)

Seinen Platz im deutschen Weltcup-Team hat Johannes Kühn schon sicher. Der Biathlet aus Tüßling, der für den WSV Reit im Winkl startet, freut sich nun sehr auf die bevorstehende Saison, auch wenn diese aufgrund der Corona-Pandemie mit vielen Fragezeichen versehen ist. »Keiner weiß, wie es werden wird«, sagt Kühn deshalb auch im Interview mit unserer Sportredaktion.


Zudem läuft es beim Mitglied des Zoll-Teams mit dem Dienstgrad Erster Zollhauptwachtmeister aktuell nicht ganz rund. Eine Verletzung handicapt den 28 Jahre alten Athleten gerade etwas. Dennoch will er auch in diesem Winter wieder eine gute Platzierung im Gesamtweltcup schaffen und nach Möglichkeit auch wieder auf dem Podest stehen.

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Bislang hat Johannes Kühn in den Weltcup-Einzelrennen zwei Treppchenplätze erreicht: Er wurde Zweiter im Einzel über 20 km im slowenischen Pokljuka und Dritter im Sprint über 10 km in Oberhof.

Hallo Herr Kühn, wie läuft die Vorbereitung auf die neue Biathlon-Saison beiIhnen?

Über den Sommer war alles sehr gut. Kurz vor der Deutschen Meisterschaft bin ich dann aber gestürzt und konnte nicht teilnehmen. Das war natürlich schade, aber nach ein paar Tagen konnte ich wieder normal trainieren und ich habe mich gut in Form gefühlt. Mitte Oktober bin ich aber leider beim Joggen umgeknickt und habe mir eine Außenbandverletzung im Knöchel zugezogen. Das ist natürlich kein guter Zeitpunkt, ich musste etwas pausieren und bin daher aktuell nicht ganz sicher, wie meine Form ist. Ich hoffe aber, es reicht bis zum Winter.

Die jüngste Verletzung macht Ihnen also noch zu schaffen?

Ich bin deswegen aktuell noch eingeschränkt, ja. Es ist also noch nicht alles auskuriert.

Dann ist es ja umso besser, dass Sie bereits fix für das Weltcup-Team gesetzt sind. Ein gutes Gefühl?

Natürlich ist das schön und man muss sich nicht auf die Qualifikation konzentrieren. Dennoch muss man aber auch wieder seine Leistung bringen. Das will ich natürlich versuchen. Nur weiß ich leider im Moment noch nicht so genau, wie fit ich bin und wie weit ich zum ersten Rennen sein werde.

Nochmals kurz zurück zur Deutschen Meisterschaft. Ärgert es Sie, dass Sie in Altenberg nicht dabei sein konnten?

Das ärgert mich schon sehr. Ich habe – wenn überhaupt – schon sehr lange keine Deutsche Meisterschaft mehr verpasst. Am Ende des Sommers ist das immer eine gute Standortbestimmung und eben ein Vergleich mit anderen Sportlern unter Wettkampfbedingungen. Das ist mir schon immer wichtig, leider fehlt mir das heuer.

Wie sehr hat euch die Corona-Krise in der Vorbereitung bisher beeinträchtigt?

Das Training am Stützpunkt war den Sommer über relativ wenig beeinträchtigt. Wir haben uns mit den Vorgaben arrangiert und uns an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten. Das war für uns kein Problem. Die ersten Lehrgänge im Mai und Juni wurden aber abgesagt und natürlich ist auch die Sommer-Biathlon-WM in Ruhpolding der Pandemie zum Opfer gefallen. Da hätten wir zuhause natürlich gerne teilgenommen.

Ihr konntet also bisher alles weitgehend nach Plan durchziehen?

Ja, das Training konnten wir insgesamt ohne wesentliche Einschränkungen durchführen. Das meiste Training findet – gerade im Sommer – sowieso draußen statt, da hatten wir wenig Probleme. Wir haben uns der Situation ganz gut angepasst.

Auf was haben Sie in der Vorbereitung Ihr Hauptaugenmerk gelegt?

Einen besonderen Schwerpunkt hat es nicht gegeben. Unser Sport ist sehr komplex und wir dürfen uns nicht nur auf eine Disziplin konzentrieren. Natürlich habe ich versucht, besonders am Stehendschießen zu arbeiten – gerade auch zusammen mit Engelbert Sklorz. Aber man darf natürlich Kondition, Lauftechnik und Liegendschießen deshalb nicht vernachlässigen, sonst hat man am Ende nichts gewonnen.

Wie schaut jetzt Ihr Fahrplan bis zum ersten Weltcup in Kontiolahti aus?

Es gibt einen Fahrplan, aber wir müssen angesichts der aktuellen Lage natürlich ein bisschen von Tag zu Tag schauen. Diese Woche war ein Lehrgang in Oberhof geplant, für den mussten wir schon ein wenig improvisieren, weil ja alle Unterkünfte geschlossen haben. Wir sind nun für ein paar Tage in der Kaserne untergekommen, das passt. Ab Mitte November ist ein Vorbereitungslehrgang in Muonio (Finnland) geplant und danach geht es direkt zum Weltcup nach Kontiolahti.

Ist die bevorstehende Saison für euch auch ein stückweit eine Fahrt ins Ungewisse?

Ja, das sieht ganz so aus. Ich glaube, dass wir hier alle ein bisschen »auf Sicht« fahren und keiner weiß, wie es werden wird.

Freut man sich angesichts der aktuellen Corona-Situation überhaupt so richtig auf die bevorstehende Saison?

Natürlich freue ich mich. Man hat das ganze Jahr dafür trainiert. Ich hoffe jetzt, wie alle anderen auch, dass möglichst viele Rennen stattfinden werden.

Wie sehr werden euch die Fans fehlen? Es werden bei den Rennen ja wohl keine oder nur sehr wenige dabei sein können.

Fans sind natürlich schön und wichtig für die Stimmung. Gerade die Weltcups mit vielen Zuschauern sind auch für uns Sportler die interessantesten, insofern fehlen uns die Fans sehr. Aber das muss man in diesem Jahr eben alles ein wenig anders sehen. Die Situation ist nicht schön, aber mir ist es natürlich lieber, in diesem Jahr nur Rennen ohne (oder mit nur wenigen) Fans zu haben als eben gar keine Rennen.

Auch Ihr Heim-Weltcup in Ruhpolding findet in dieser Saison nicht statt. Wie traurig sind Sie darüber?

Klar hätte ich mich – wie jedes Jahr – auf Ruhpolding sehr gefreut. Das Konzept der IBU ist aber schon in Ordnung. Ziel muss es sein, dass wir so viele Rennen wie möglich machen können – egal wo. Und wir freuen uns jetzt schon wieder auf den Heim-Weltcup in Ruhpolding im übernächsten Jahr.

Was nehmen Sie sich persönlich für die Saison vor?

Wenn ich die Form hinbekomme und alles super läuft, möchte ich gerne wieder die Top 10 bis 15 im Gesamtweltcup anpeilen. Zuerst muss ich aber jetzt mal schauen, wie fit ich bis Kontiolahti bin und wie es dann läuft. Meine Ziele unterscheiden sich nicht groß vom letzten Jahr, wobei ich eben das eine oder andere Schießen gerne noch besser hinbekommen möchte.

Als Höhepunkt steht im Februar 2021 die WM in Pokljuka in Slowenien auf dem Plan. Denkt man daran schon?

Im Moment denke ich daran noch gar nicht. Da ist es noch weit hin und die Situation ist ja diesmal schon ein bisschen besonders. Jetzt hoffen wir mal, dass es erstmal planmäßig losgeht.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Wochen und für das neue Jahr – auch im Bezug auf die aktuelle Corona-Krise?

Vor allem viel Gesundheit für alle! So wie es aussieht, wird sich die Lage nicht schnell ändern. Aber wenn sich jeder bemüht und an die Regeln hält, kommen wir alle zusammen schneller wieder zu besseren Zeiten – und darauf hoffe ich.

Stephanie Brenninger