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»Ich male keine Frauen, ich male ihre Seele«

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Das Bild »Mutter«, in Öl- und Acrylfarbe gemalt, von Aldona Sassek. (Foto: Giesen)

In eine bezaubernde, innere Welt führt die neue Ausstellung in der CHIEMSEEBRUCKgalerie in Seebruck. Aldona Sassek zeigt bis zum kommenden Donnerstag insgesamt 16 Frauenbildnisse, die dem Betrachter direkt unter die Haut gehen können, gleichsam seine Seele ansprechen.


Die in einer aufwändigen, eigens von der Künstlerin entwickelten Technik gemalten Frauen und Kinder scheinen in eine eigene Welt entrückt zu sein, in sich gekehrt, ruhig und abgeklärt. Besonders die Augen, die dem Betrachter überall hin zu folgen scheinen, faszinieren. Eine Rolle dabei spielt, dass die Gemälde ungewöhnlich tief gehängt sind – gleichsam auf Augenhöhe mit dem Betrachter. Dadurch sind sie ganz nah und scheinen doch unnahbar, wie in eine unendliche Ferne gerückt. Nicht von ungefähr trägt die Präsentation den Titel »Innenräume«. Denn Aldona Sassek malt zwar nach Modellen, aber nicht nur deren äußere Erscheinung möchte sie wiedergeben, sondern den Wesenskern, das, was sich hinter dem Äußeren verbirgt. »Ich versuche, direkt die Seele zu malen«, erklärt sie. An den sensiblen Betrachter sind die Gemälde so eine Aufforderung, sich selbst zu hinterfragen und dem Wesentlichen im Leben zuzuwenden.

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Alle Frauenbildnisse der Künstlerin strahlen eine geheimnisvolle, fast mystische Aura aus. Oft tragen die Frauen schöne Gewänder, Kleider oder Röcke mit fantasievollen Mustern, die mit den Mustern des Hintergrunds harmonieren und bisweilen auch verschmelzen. Dazu tragen sie, oft kunstvoll verschlungene Kopfbedeckungen oder Hut ähnliche Gebilde, die ihren Trägerinnen eine besondere Würde verleihen. Da ist Sasseks besonders eindrucksvolles Bild »Mutter« in warmen Erdfarben. Mit dem Kind auf dem Arm der Frau lässt es unwillkürlich an eine Madonna denken. Auch hier zeigt der Bildhintergrund die Liebe der Künstlerin zum Spiel mit Formen. Farblich harmonisch abgestimmt enthält er oft Motive aus der Pflanzen- und Tierwelt, die symbolisch die Verbindung von Natur und Mensch darstellen. In jedem der Bilder spielen dabei Symbole eine wichtige Rolle, oft Tiere, die den Frauen zugeordnet sind, zum Beispiel eine Katze, ein Hündchen, eine Gans und die breiten Spielraum zur Interpretation lassen.

Aldona Sassek wurde 1954 in Posen, Polen, geboren und wuchs dort auf. Nach einer Ausbildung zur Goldschmiedemeisterin studierte sie Malerei und Grafik in London und München. Seit über 35 Jahren lebt sie in Bayern, heute seit langem in dem kleinen Flecken Kieling in Stephanskirchen, wo sie ihr Atelier in einem jahrhundertealten ehemaligen Stall betreibt. Neben ihrer regen Ausstellungstätigkeit in der Region ist sie auch international mit ihren außergewöhnlichen Bildern häufig vertreten.

Aldona Sassek hat eine echte »Fan-Gemeinde«, die sich kaum eine Ausstellung entgehen lässt. So waren auch zur Vernissage in Seebruck sehr viele Besucher gekommen, bei der der Kunstsammler Volker von der Goltz eine kenntnisreiche, einfühlsame Einführung in die Ausstellung gab. Besonders ging er auf die Symbolik in den Bildern der Künstlerin ein.

Die sehenswerte Ausstellung in der Chiemseebruck-Galerie ist bis einschließlich 22. März von Montag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr und am Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Christiane Giesen

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