weather-image

»Ich muss mich auf die Fahrer verlassen können«

5.0
5.0
Biathlon Weltcup in Ruhpolding
Bildtext einblenden
Mit 26 Fahrzeugen ist Horst Wallners Team unterwegs, um Athleten, Ehrengäste und Funktionäre zur Chiemgau-Arena und wieder zurückzubringen. (Foto: Brenninger)

Was auf Horst Wallner und seine Mannschaft bei diesem Biathlon-Weltcup zukommt, wissen die ehrenamtlichen Helfer vom Fahrdienst noch nicht so ganz genau: »Die Planung läuft wie immer. Wie es tatsächlich wird, müssen wir sehen. Wir werden aber sicher mehr zu tun haben«, sagt Horst Wallner, der die Fahrten koordiniert. Schließlich gibt es wegen des Schnees keine Parkplätze an der Chiemgau-Arena. Also müssen auch Ehrengäste, Funktionäre und Pressevertreter, die sonst dort geparkt hätten, die Shuttle von Ruhpolding aus nutzen. Im Ort gibt es dafür einen zusätzlichen Parkplatz am Speedway-Stadion, der von den Zuschauer-Shuttles und Horst Wallners Team angefahren wird.


Aus der Ruhe bringen den 56-Jährigen aber weder der zusätzliche Aufwand noch die gesperrten Straßen. »Es ist halt Winter und wir müssen mit solchen Umständen rechnen. Das bedeutet mehr Aufwand, aber wir sind gerüstet.« 26 Fahrer sind während des Weltcups im Einsatz. Sie bringen nicht nur Ehrengäste, Funktionäre und Presse in die Chiemgau-Arena und zurück, sondern fahren auch einen Teil der Mannschaften. 26 Fahrzeuge stehen ihnen dafür zur Verfügung: Neunsitzer-Busse, Kombis und Pkw.

Anzeige

Die Fahrer sind aber nicht nur zwischen Ruhpolding und der Chiemgau-Arena unterwegs, bis zu den Flughäfen in Salzburg oder München reicht ihr Einsatzgebiet. Außerdem sind sie für die Fahrten der Dopingkontrolleure zuständig.

Mittlerweile habe sich das Angebot gut eingespielt, sagt Horst Wallner. Nachfragen, ob die Fahrer auch Essen beim Metzger oder ein paar Kugelschreiber holen können, gebe es kaum mehr. »Die Mannschaften wissen, wann sie zu uns kommen können und wann nicht.« Und sie nutzen das Angebot intensiv: »Etwa die Hälfte der Mannschaften fährt mit unseren Shuttles«, weiß Horst Wallner. Inzwischen gehören dazu auch die deutschen Biathleten, die bis vor wenigen Jahren noch mit den eigenen Autos zur Arena gefahren sind. »Unser Service wird sehr gelobt. Damit tragen wir auch zum Erfolg des Weltcups bei.«

Horst Wallner, der als Versicherungskaufmann in Ruhpolding arbeitet, koordiniert die Fahrten während des Weltcups zusammen mit Wolfgang Albrecht. »Alleine könnte ich das gar nicht mehr bewältigen«, betont er. So bleibt in der Weltcup-Woche auch das Büro in der Alten Schule immer besetzt, wenn einer der beiden während der Wettkämpfe in der Chiemgau-Arena ist, um dort auf kurzfristige Aufträge reagieren zu können.

Die ersten Anfragen gibt es bereits im August, die »heiße Phase« mit den ersten Besprechungen beginnt dann im Dezember. Während des Weltcups treffen sich die Fahrer jeden Morgen – Dienstbeginn ist um 8 Uhr – im Büro. Dann werden die Zeitpläne abgeglichen und Aufträge verteilt. Die ersten Fahrten können aber durchaus früher anstehen: Zwischen 6 und 21 Uhr gibt es den Service, den beispielsweise auch die Köche des VIP-Zelts nutzen, wenn sie morgens um 7 Uhr zu ihrer Arbeitsstelle müssen.

Welcher der ehrenamtlichen Fahrer welche Mannschaft betreut, steht schon vor der Ruhpoldinger Biathlon-Woche fest. Weil sich daran von Jahr zu Jahr wenig ändert – etwa 90 Prozent der Fahrer sind jedes Jahr dabei – sind inzwischen auch »gute persönliche Verhältnisse zu den Sportlern« entstanden, wie Horst Wallner weiß.

Das gilt nicht nur für die deutschsprachigen Mannschaften: So wurde ein Fahrer vom japanischen Team 1998 auch zu den Olympischen Winterspielen nach Nagano eingeladen. Berührungsängste brauchen die Fahrer bei den Biathleten nicht zu haben. »Die Sportler haben alle keine Starallüren und machen auch mal ein Foto mit den Fahrern«, weiß Horst Wallner. Immerhin sorgen die Ehrenamtlichen dafür, dass die Athleten möglichst stressfrei und vor allem pünktlich zum Training, zu den Wettkämpfen und abends zur Siegerehrung kommen.

Als Voraussetzung müssen die Fahrer nur einen Führerschein mitbringen – und ins Team passen. »Ein harmonisches Miteinander ist wichtig«, betont Horst Wallner. »Ich muss mich auf die Fahrer verlassen können.« Schließlich organisieren die ihre Termine mit dem jeweiligen Biathlon-Team selbst.

Dass trotzdem nicht immer alles reibungslos klappt, gehört dazu: Dass ein Fahrer ohne Fahrgast vom Flughafen zurückkehrt, weil niemand die Fahrt abgesagt hat, kommt inzwischen fast nicht mehr vor. »Natürlich ist auch schon mal ein Auto falsch betankt worden«, berichtet Horst Wallner, dem aber auch lustige Geschichten in Erinnerung geblieben sind: Früher fuhren die Teams die Fahrzeuge für den Shuttle-Dienst vom Weltcup in Oberhof nach Ruhpolding. »Wir haben dann eine Liste mit allen Fahrzeugen bekommen. Einmal kam eine Liste, die nur zu zwei Dritteln ausgefüllt war mit dem Vermerk 'Leider habe ich den Überblick verloren' in Ruhpolding an.« Inzwischen werden die Fahrzeuge für den Weltcup in Ruhpolding extra angemietet.

Auch mit dem Ruhpoldinger Maskottchen, den Beppos, weiß nicht immer jeder Fahrer etwas anzufangen: »Einer sollte mal zehn Beppos abholen. Irgendwann hat er sich gemeldet und gefragt, wo die Polizisten stehen«, erzählt Horst Wallner und lacht – denn auch die Bereitschaftspolizei wird mit »Bepo« abgekürzt.

Der 56-Jährige hat in seiner Zeit beim Fahrdienst schon viel erlebt – 1981 war das auch sein Aufgabengebiet bei einem Schülerpraktikum bei der Gemeinde. Anschließend half er immer wieder auch als Fahrer mit, erlebte, wie die Aufgaben und der Fuhrpark wuchsen: Bei der Weltmeisterschaft 2012 mussten immerhin 48 Fahrzeuge koordiniert werden.

Horst Wallner war aber nicht nur in Ruhpolding im Einsatz, bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 kümmerte er sich für die Internationale Biathlon-Union um den Fahrdienst. »Wir wurden zur Eröffnungsfeier eingeladen. Das war schon ein Highlight«, erinnert sich der Versicherungskaufmann. Auch die eigene Spur für die Olympia-Fahrzeuge ist ihm gut im Gedächtnis geblieben. Beim Weltcup in Ruhpolding kommen die Fahrer aber auch ohne extra Spur fast überall hin. Und schließlich sind auch sie gar nicht immer gefordert, wie Horst Wallner erzählt: »Manchmal hat der IBU-Präsident angerufen und gesagt, dass er zu Fuß in die Arena geht.« Jonas Müller