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»Ich will Bürgermeister für alle sein«

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Wolfgang Lochner will mit allen ins Gespräch kommen. Auch mit denen, die nicht auf seiner Wellenlänge sind. (Foto: privat)

Marktschellenberg – Wolfgang Lochner bezeichnet sich selbst als »interessierten Hobbypolitiker«. Der Marktschellenberger kandidiert für die CSU in seiner Gemeinde als Bürgermeister. Neben den beiden anderen Kandidaten Michael Ernst und Franz Halmich sieht er sich selbst in der Rolle des Außenseiters. Wofür er steht, was er als Bürgermeister erreichen will und wie er den Ortskern beleben will, erzählte er dem »Berchtesgadener Anzeiger« im Vorfeld der Kommunalwahl im März.


Als Wolfgang Lochner 25 oder 26 Jahre alt war, ist Alfons Kandler zu ihm gekommen, um ihn für die CSU anzuwerben. »Er musste mich aber schon ein paarmal fragen«, erinnert sich der 50-Jährige. Er sei aber nicht der »klassische« überzeugte CSUler, fügt er hinzu. »Ich sehe mich selbst eher am rot-grünen-Rand.« Lochner bewirtschaftet mit seiner Frau daheim den elterlichen Bauernhof und will für die Belange der Landwirte einstehen. Er steht für Brauchtum und Familie und ist »als Arbeitnehmer der Ansicht, dass niemand umsonst arbeiten muss«. Sein Leitspruch: Arbeit und vor allem Leistung muss sich lohnen. Seit 2002 ist er im Kreisvorstand der CSU.

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Große Ambitionen hatte er als Politiker zunächst keine, verrät er dem »Anzeiger«. »Für mich ist die Politik ein Hobby. Das heißt, ich will mich nicht ärgern, es muss mir Spaß machen.« Trotzdem steht er nun als Bürgermeisterkandidat auf der Liste – auch wenn er seit 2014 nicht mehr im Gemeinderat sitzt. »Die Entscheidung, zu kandidieren, habe ich gemeinsam mit meiner Familie getroffen.« Denn diese müsse dahinterstehen. Sonst würde Wolfgang Lochner nicht antreten. Und warum? »Weil ich Bürgermeister für alle sein will«, lautet seine Antwort. Dem schiebt der Marktschellenberger nach: »Ich hab die Streiterei dick.«

Wenn er Rathauschef wird, dann bringt der Diplomingenieur bereits Vorwissen aus dem Bereich Bauleitplanung mit. Dies ist unter anderem praktisch, wenn es um Baupläne, Tiefbau und Straßenbau geht. »Außerdem kenne ich die Probleme der Bauern, die unsere Kulturlandschaft erhalten.«

Nun tritt Lochner aber nicht als Einziger zur Bürgermeisterwahl an. Wie schätzt er seine Chancen ein? Nach kurzer Überlegung sagt er mit einem Grinsen: »Wenn mich alle, die auf meiner Wellenlänge sind, wählen, dann freue ich mich darauf, Bürgermeister sein zu dürfen.«

Der Familienvater hat auch schon konkrete Pläne. So will er unter anderem die Bürgernähe intensivieren, und eine Ansprechperson für alle sein. »Auch für die, die nicht auf meiner Wellenlänge sind«, betont er. Einige Aufgaben würden auf Marktschellenberg zukommen. Hier nennt er, wie auch die anderen beiden Kandidaten Franz Halmich und Michael Ernst, das Abwasser. Ein verwandtes Thema: Die Trinkwasserversorgung stamme bereits aus den 70er-Jahren. Die Unterhaltung des Rohrleitungssystems sei ihm besonders wichtig, um den Bürgern stets eine gute Trinkwasserqualität zu erhalten.

»Was komplett verschlafen wurde, ist der Breitbandausbau«, kritisiert der 50-Jährige. Hier müsse man »lästig sein« und ständig nachhaken. »Hartnäckigkeit zahlt sich einfach aus, das weiß ich aus meinem Berufsleben.« Lochner ist Leiter der Markscheiderei im Salzbergwerk Berchtesgaden. Zu seinen Aufgaben zählt zum Beispiel die Liegenschaftsverwaltung, 100 Hektar Wald gehören dem Bergwerk. Auch für die Wasserkraftanlagen zeichnet er verantwortlich und übernimmt hierbei die Projektleitungen. Ebenso ist Lochner für die Soleleitungen und Solebohrungen in Bad Reichenhall zuständig.

Der Landwirt ist Fan seiner kleinen Gemeinde. Marktschellenberg habe eine tolle Lage und sei von allen Gemeinden des südlichen Landkreises am besten zu erreichen. Auch die Bürgernähe sieht er als Vorteil. »Es ist einfach schön, in Marktschellenberg zu leben.« Auch die touristischen Punkte, wie die Wallfahrtskirche am Ettenberg oder die Almbachklamm zählt Lochner zu den großen Vorzügen. Apropos Tourismus – dazu positioniert sich der Kandidat klar und nennt ein Beispiel: »Vor zwei Jahren war ich frühzeitig gegen die damals geplanten Chalets. Es kann nicht sein, dass eine ganze Wiese für 200 Übernachtungen im Jahr zugebaut wird, wenn ich stattdessen dort auch Wohnraum für junge Familien schaffen könnte.« Er sei für das Umbauen im Bestand, aber das schließe nicht aus, auch neue Wohngebiete zu erschließen. Das Potenzial sei da. Dennoch betont er: »Es geht natürlich nichts ohne den Grundbesitzer. Ich bin für das Recht auf Eigentum, und nicht für Verbote.« So kritisiere er etwa das Volksbegehren »Rettet die Bienen«. Darin würden Bauern diffamiert. »Ich denke, das grenzt mich wieder von den Grünen ab«, kommentiert Lochner seine Aussage schmunzelnd. Seiner Meinung nach müssten Ökonomie und Ökologie im Einklang stehen.

Um dem Ortskern wieder mehr Leben einzuhauchen, müsse laut Lochner das Potenzial des ehemaligen Gasthauses »Forelle« genutzt werden. Dort könnten etwa eine Gastronomie, eine Apotheke, eine Drogerie oder auch ein Dorfladen Platz finden. »Das sehe ich dann als meine Aufgabe als Bürgermeister, hier die Rahmenbedingungen für den Investor zu schaffen«, sagt der Marktschellenberger. Aber auch in den Gebäuden schräg gegenüber sieht er schlummernde Möglichkeiten. So ist die Ortszentrumsgestaltung eines seiner Ziele für die nächsten fünf Jahre.

Auch auf seiner Agenda steht die Sanierung der B 305 durch das Staatliche Bauamt. »Da kann man sicher als Gemeinde auf das Bauamt einwirken und vielleicht erreichen, dass die Bundesstraße zum Beispiel verschmälert wird.« Er sehe es als Aufgabe eines Bürgermeisters, mit allen zu kommunizieren.

Ob Wolfgang Lochner auch die Chance bekommt, alle seine Pläne umzusetzen, wird sich am 15. März zeigen. Dass es zu einer Stichwahl kommt, damit rechnet er fest. Zu der Tatsache, dass in der Marktgemeinde drei Kandidaten zur Wahlstehen, sagt er nur: »Das ist Demokratie.«

Annabelle Voss