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Idyllischer Ort für einen großen Dirigenten

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Eines der Arbeitszimmer in der Villa Sawallisch. (Foto: T. Eder)

Er verkehrte in den berühmtesten Häusern der Welt, war ein gefeierter Dirigent und Pianist, Professor Wolfgang Sawallisch. In Grassau, in seiner Villa, auf einem Hügel im Ortsteil Kucheln, von der Straße aus nicht einsehbar, war der Weltbürger über 50 Jahre zuhause. Das Anwesen vermachte er der Sawallisch-Stiftung, die nun die Pforten öffnet und bei Führungen übFer den Privatmenschen Sawallisch erzählt.


Anwesen in den fünfziger Jahren gebaut

Wolfgang Sawallisch, am 26. August 1923 in München geboren, war unter anderem Chefdirigent der philharmonischen Staatsorchester Hamburg (1961 bis 1973), Chefdirigent in Genf in der Schweiz (1973 bis 80), Generalmusikdirektor der bayrischen Staatsoper in München (1971 bis 1992) und musikalischer Leiter des »Philadelphia Orchestra« in den USA (1993 bis 2003). Seit 1964 reiste er auch regelmäßig nach Japan und war dort ein gefeierter Star. Wie sehr er dieses Land schätzte, ist deutlich in der Sawallisch-Villa zu spüren. Am 22. Februar 2013 verstarb der Ehrenbürger und große Gönner der Grassauer Musikschule in Grassau.

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Ein großes Eisentor versperrt normalerweise den Zutritt zum Anwesen. Dahinter führt ein steiler Steinweg zunächst zum Gästehaus. Hier beherbergte Professor Sawallisch komfortabel seine Gäste. Ein weiterer Anstieg bis auf den Hügel ist notwendig, um zur Villa zu gelangen. Beim Blick nach unten wird jedem Besucher bewusst, warum Sawallisch dieses Fleckchen Erde so liebte. 40 000 Quadratmeter Grund umgeben das von außen zunächst etwas unscheinbar wirkende Haus, das der Dirigent nach seinen Vorstellungen in den fünfziger Jahren bauen ließ. Man wird sich aber wundern, was sich dahinter verbirgt.

Im Eingangsbereich führt eine große Treppe nach oben sowie eine große Türe in das ehemalige Wohnzimmer des Dirigenten. Sawallisch liebte die Natur, entsprechend groß sind die Fenster, die den Blick auf Terrasse, Wald und Wiese freigeben. Ein großer Kamin sorgte für wohlige Wärme und ein großer Schrank ziert das ehemalige Wohnzimmer, heute Empfangsbereich für Musiker, die die Akademie besuchen, oder Gäste während der Kammerkonzerte. Der große Schrank jedoch ist vielmehr das Portal zum Konzertsaal. Hier standen früher gleich drei Konzertflügel.

Vom Konzertsaal geht es in die Bibliothek des Künstlers. Der Musiker und seine Frau Mechthild waren sehr belesen: Unzählige Bücherregale, Bücherwände oder Büchernischen sind in jedem Zimmer zu finden. Vom Konzertsaal wiederum führt eine Treppe in das Obergeschoß und zu den Privaträumen des Ehepaars. Die stilvolle Handschrift der Dame des Hauses lässt sich in den Zimmern erkennen, die fast alle edel ausgestattet sind. Doch auch die Liebe zur japanischen Kunst zeigt sich in einigen Zimmern, wie im Arbeitszimmer des Dirigenten, dessen Schrank, zugleich Schiebetür zum angrenzenden Schlafraum im japanischen Stil gearbeitet ist.

Japanische Kunst, vor allem Geschenke, die Wolfgang Sawallisch während seiner vielen Konzerte in Japan erhalten hat, schmücken einen weiteren Gang der in einen großen, lichtdurchfluteten Raum führt. Hier war früher das Schwimmbad des Ehepaars. Heute ist es ein weiterer Raum für Musikgruppen und für Konzerte. Das Schwimmbad wurde von der Sawallisch-Stiftung aufgelöst. Sicherlich hätte der Dirigent Sawallisch dem nicht widersprochen, denn angeblich hat er das Schwimmbad während der 50 Jahre, die er hier lebte, nur viermal besucht.

Ein Mann von Welt, der die Ruhe liebte

Viel Interessantes ist über den Grassauer Bürger während der Führung zu erfahren, unter anderem, dass er seine Anzüge und Fracks bei der Firma Hofer in Grassau nach Maß schneidern ließ. Katharina Ritter von der Sawallisch-Stiftung, die mit viel Wissen durch die Räume führen wird, beschreibt Sawallisch als Mann von Welt, der wenig Wert auf große Schätze legte, dafür die Ruhe der Natur liebte, zurückgezogen lebte und nur wenig Besuch empfing. Er war sehr interessiert, nicht nur musikalisch, sondern auf allen nur erdenklichen Gebieten. So findet sich in seiner akribisch sortierten, umfangreichen Büchersammlung auch Literatur über Computer.

Die Villa Sawallisch birgt zudem ein weiteres Geheimnis, im Keller des Hauses, denn dort befindet sich die Werkstatt des Hausherrn. So vieles wird erzählt, was den Menschen Sawallisch aus einer ganz neuen Sicht erscheinen lässt, völlig losgelöst vom Dirigentenpult.

Allen, die hinter die Kulissen sehen möchten, bietet sich dazu jeweils montags am 2. Juli, 16. Juli, 30. Juli, 13. August und am 27. August die Gelegenheit, an einer Führung teilzunehmen. Anmeldung und Treffpunkt ist bei der Tourist-Information Grassau, Telefon 08641/697960, E-Mail: hallo@grassau.info. Tamara Eder