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Ihr Glück liegt unter Tage

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Natascha Groll ist seit 1. Juli neue Standortleiterin des Salzbergwerks Berchtesgaden. (Foto: Berwanger)

Berchtesgaden – Auch, wenn Schlägel und Eisen nur ganz dezent auf dem Revers ihres Blazers durch die langen Haare vorblitzen: Die gekreuzten Bergmannswerkzeuge – das Symbol für die buchstäblich tiefe Verbundenheit zum Bergbau – sind für Natascha Groll kein modisches Accessoire. Seit 1. Juli ist sie als Nachfolgerin des überraschend nach Heilbronn versetzten Franz Lenz die neue Standortleiterin des Salzbergwerks Berchtesgaden und weiß sie schon lange um die Bedeutung von Traditionsverbundenheit, Gläubigkeit und Stolz des Bergmanns. Insofern sei auch sie ein Bergmann, sagt die Bergbau-Ingenieurin lächelnd.


Ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrer Leidenschaft für den Bergbau erzählt. »Ich hatte das große Glück, schon mit 18 Jahren genau zu wissen, was ich beruflich machen will«, sagt die 31-Jährige. In Wien geboren, besuchte sie dort eine sogenannte Höhere Technische Lehranstalt, Fachrichtung Hoch- und Tiefbau. Die vielen Exkursionen führten die Schülerin auch in Tunnelbaustellen. »Mir ist sofort aufgefallen, dass ich mich dort wohlfühle«, erinnert sich Natascha Groll noch heute.

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Unter Tage zu sein, dieser Wunsch ließ sie nicht mehr los. Und so studierte sie Bergbau an der Montanuniversität Leoben in der Steiermark. Noch während des Studiums wurde die Unternehmensgruppe Thyssen Schachtbau durch einen Kommilitonen auf die junge Frau aufmerksam. Für diese Bergbau-Spezialgesellschaft war Groll von Anfang 2009 bis November 2014 weltweit unterwegs. In Kanada hat sie sich besonders wohlgefühlt und wollte eigentlich dorthin zurückkehren. Dass in Kanada mehr Frauen als Männer unter Tage arbeiten, hat damit aber eher am Rande zu tun. In Nordkanada herrschten gerade die richtigen Temperaturen für sie, Wärme möge sie nicht so sehr, sagt Natascha Groll.

Nun ist sie in Berchtesgaden, schaut von ihrem Büro auf die wolkenumwobenen Berge und hat unter Tage keine weiblichen Mitarbeiter. Das tut ihrem Wohlbefinden am neuen Arbeitsplatz keinen Abbruch. Ohnehin hat die Bergbau-Ingenieurin keinerlei schlechte Erfahrungen als Frau in diesem Beruf gemacht. Allenfalls Staunen gebe es anfangs vielleicht. »Das verschwindet aber schnell«, sagt sie. Dass Frauen unter Tage achtsamer mit dem Werkzeug und Material umgingen und über Tage eher auf die Gefühle und Befindlichkeiten ihrer Kollegen und Geschäftspartner eingingen, spreche sich im Bergbau immer mehr herum.

Groll kommt mit ihrer freundlichen, zugewandten Art jedenfalls prima mit ihren – in der Hauptsaison von Mai bis Oktober 124 – Mitarbeitern aus. Diese fördern jährlich rund 1,1 Millionen Kubikmeter Sole, die in der Bad Reichenhaller Saline zu 300 Tonnen Salz verarbeitet werden. Auch für die Sicherheit der gut 350 000 Besucher, die jedes Jahr das Salzbergwerk erkunden, ist Natascha Groll zuständig. Ihre Mitarbeiter prüfen regelmäßig die Decken der Bergwerkgänge. Dass zum Betrieb auch eigene Wälder und ein Alt-Recht auf Quellwasser am Obersalzberg gehören, aus dem Ökostrom produziert wird, hat Groll beeindruckt. »Bevor wir es für die Soleerzeugung verwenden, wird es zur Stromproduktion genutzt, das ist schon eine tolle Ingenieursleistung«, so die Bergbau-Ingenieurin.

In ihren privaten Aktivitäten findet sie den Ausgleich zur Arbeit. Sie backt leidenschaftlich gerne Kuchen sowie Hochzeits- und Thementorten, gern »rosa und mit Herzchen verziert.« Gehäkelte Kuscheltiere erfreuen zudem die Kinder in der gesamten Verwandtschaft, da kommt der nun in Bischofswiesen lebenden jungen Frau in einem Noch-Männerberuf die Nähe zu Wien gerade recht. Ina Berwanger

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