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»Ihr seid Garant für nachhaltige Waldbewirtschaftung«

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Die Waldbesitzervereinigung Traunstein hat 1899 Mitglieder und eine Fläche von 11 567 Hektar.

Traunstein – »Es ist erfreulich, dass die Waldbesitzervereinigung immer mehr Zuspruch bekommt«, zeigte sich Werner Schindler, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Traunstein (WBV) bei der Jahreshauptversammlung auf dem Hochberg zufrieden.


Die WBV Traunstein ist ein Zusammenschluss privater und körperschaftlicher Waldbesitzer im Landkreis Traunstein und hat derzeit 1899 Mitglieder in 42 Ortsverbänden mit einer Mitgliedsfläche von 11 567 Hektar. Die Vereinigung versteht sich seit über 60 Jahren als Interessensvertretung des privaten, genossenschaftlichen und kommunalen Waldbesitzes vom nördlichen Gebiet um Engelsberg bis zum südlichen Bereich um Reit im Winkl. Entsprechend gut besucht war die Jahreshauptversammlung.

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Schindler machte deutlich, dass die Herausforderungen an die Waldbesitzer steigen. Gerade auch der gesellschaftspolitische Auftrag werde sehr ernst genommen. Die neue Bundesregierung schiebe Klimaschutzziele vor sich her, kritisierte er, was auch auf Biomasseheizungen Auswirkungen haben könne. »Der Wald ist immer zu 100 Prozent gefüllt, da braucht man nichts tun«, sagte er mit Blick auf sinkende Gasreserven und mögliche Abhängigkeiten von Russland. Bewirtschaftung und Biodiversität seien vereinbar. »Wir sind auf einem guten Weg und können Ökonomie und Ökologie gut verbinden.«

Im Chiemgau und Rupertiwinkel liege der Waldanteil bei rund 37 Prozent, informierte die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber in ihrem Grußwort. »Mit der Bewirtschaftung und Pflege ihrer Wälder leisten sie einen unschätzbaren Beitrag für Natur, Wirtschaft und kulturelle Identität in unserer Heimat.« Gemeinsames Ziel müsse sein, den Wald zu bewahren und nachhaltig zu nutzen. Man müsse dabei auch an die nachfolgenden Generationen denken.

Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl stellte heraus, dass Bayern im Bundesvergleich die größte Waldfläche habe. »Der Baustoff Holz ist unterbewertet«, sagte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen am Beispiel zweier Baumaßnahmen. Kein Baustoff könne mit Blick auf spätere Entsorgungen mit Holz mithalten. Alleine deshalb sollte man mit Holz bauen. Sie regte an, Architekten und Planer auch durch Vorträge und Gesprächsrunden stärker in die Thematik einzubinden.

Steuerberater Anton Heindl legte den vorläufigen Jahresabschluss vor und monierte eine überbordende Bürokratie. Es würden in der Politik gute Ideen stecken. »Aber die Verwaltung arbeitet mit genau der gleichen Kraft dagegen und versucht mit gleicher Kraft Bürokratie aufzubauen.« Die Bilanzsumme von 734 000 Euro zeige eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Auch die Einnahmen beliefen sich mit 3,86 Millionen Euro auf einem deutlich höheren Niveau. Auf der Ausgabenseite war der Ankauf von Holz mit 3,61 Millionen Euro ebenfalls der größte Posten. Gesamt zeigen die vorläufigen Zahlen der WBV einen Gewinn in Höhe von circa 17 000 Euro auf.

Geschäftsführer Remigius Hammerl präsentierte den Holzmarkt- und Geschäftsbericht sowie den Haushaltsplan 2018. »Der »Holzhunger habe bisher angehalten«, habe sich aber in den vergangenen Tagen abgeflacht. 1899 ordentliche Mitglieder habe man zum Berichtsstichtag mit 11 567 Hektar gesamter Waldfläche. Die Vermarktung lag bei 60 500 Festmeter. Die Gesamtmenge der Forstpflanzenbestellung lag im Berichtsjahr bei knapp 108 000 Stück und teilt sich in zwei Drittel Nadelholz und einem Drittel Laubholz auf.

»Das Baugewerbe brummt. Das hält trotz Sturm den Holzpreis auf einem relativ gutem Niveau«, so Hammerl weiter. Gleichwohl habe gerade Sturm Friderike Mitte Januar 2018 neun Millionen Festmeter umgehauen. Mitteleuropaweit eingekauft komme das Holz jetzt auch kurzfristig auf den regionalen Markt zu. Der Preis sei damit um drei bis vier Euro gesunken. Er prognostizierte trotz einer hohen Baunachfrage eine weitere Reduzierung. »Wir hoffen, dass wir den Preis von 80 Euro halten können«, so seine Erwartung. Dem Haushaltsplan für das laufende Jahr wurde einstimmig zugestimmt.

Aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) berichtete Forstoberrat Wolfgang Madl, der von den beiden WBV Traunstein und Laufen-Berchtesgaden als »Premiumpartner« sprach, mit denen man gerne zusammen arbeite. Er hatte gute Nachrichten im Gepäck:. »Die Forstverwaltung ist mit Geld ausgestattet, die in die Förderung fließen soll. Macht davon Gebrauch.« Es seien bis zu fünf Euro Fördergeld pro Pflanzung möglich. Man fördere selten Baumarten wie beispielsweise Mehlbeere und Spirke. Der Zuschlag werde aber nur bei lebensraumtypischen Baumarten gewährt. Rückewegebau sei ebenso förderfähig, im Einzelfall bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Diese Wege seien gerade dann von großer Bedeutung, wenn Sturmholz aus dem Wald herausgebracht werden müsse. »Die Erschließung im Wald muss einfach passen.«

Nach drei Jahren sei es wieder erforderlich, ein Vegetationsgutachten zu erstellen. Die Ergebnisse sollen im November im Landtag bekannt gegeben werden. Für Stimmung sorgten »De 4 Spitzbuam« aus Truchtlaching. awi

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