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»Im falschen Körper geboren«

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Maria Gerharz kann nun endlich Frau sein. 28 Jahre lang lebte sie als Daniel im falschen Körper. Foto: privat

Berchtesgaden/Laufen – Im Fasching hat sich Daniel früher immer als Frau verkleidet. »Das war was Besonderes, ein gutes Gefühl.« Heute gibt es den Daniel von einst nicht mehr. Er heißt jetzt Maria, wohnt in Laufen und hat die erste Selbsthilfegruppe für Transsexuelle im Berchtesgadener Land gegründet. Eine Frau, die im falschen Körper geboren wurde, sagt Maria über sich. Nun erwarten die 30-jährige mehrere Operationen.


Schon in der Schule war klar, dass mit Daniel etwas anders ist. In seinem Körper fühlte er sich unwohl, kritzelte auf Schulhefte und Bücher die weibliche Form seines Namens, Daniela. »So, wie ich bin, das ist angeboren«, sagt Maria, die mit dünner Stimme über ihre Vergangenheit erzählt: Mit Buben konnte Daniel nichts anfangen, Freundschaften hatte er immer nur mit Mädchen. In der Pubertät ein ähnliches Bild, erste Probleme zeigten sich. Als Daniels Freundinnen die ersten Bekanntschaften mit dem anderen Geschlecht machten, war für Daniel erst einmal Schluss: »Ich zog mich zurück, vernachlässigte soziale Kontakte.« Daniel wollte nicht wahrhaben, dass er im falschen Körper geboren worden war. »Ich hatte Angst.« Wie würde das Umfeld reagieren, Familie und Bekannte? Vielleicht sollte er doch ein Risiko eingehen? Besser nicht. Also schlüpfte Daniel in eine falsche Rolle, spielte der Gesellschaft das vor, was diese sehen wollte. »Ich sperrte mich zuhause ein.« Bald waren alle Bekannten aus seinem Leben verschwunden, Daniel war allein. Er begann kreativ zu arbeiten, malte Bilder, schrieb Texte. »Ich floh aus der Realität.« Nur in die Schule ging er noch.

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Daniels Eltern lebten zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt, vielleicht erkannten sie das Problem des »Sohnes«, doch helfen konnten sie ihm trotzdem nicht.

In der Faschingszeit wagte sich Daniel nach draußen. Dann kramte er aus dem Schrank ein hübsches Kleid, freute sich über Frauen-Utensilien, trug Schminke auf – und war zufrieden. »Fühlst Du Dich als Frau«, fragte die Mutter hin und wieder. Daniel antwortete mit einem »Ja«.

Daniel wird Maria

15 lange Jahr trug er die Last mit sich – bis er 28 Jahre alt war. Dann ging es einfach nicht mehr. Daniel konsultierte seinen Hausarzt, er ging zu einem Psychiater, hatte sich für die Sexualberatungsstelle in Salzburg entschieden. Die Diagnose: Transsexualismus. Körperlich ein Mann, auf der Gefühlsebene aber eine Frau. Als solche wollte Daniel auch anerkannt werden. Also wagte er den Schritt, nannte sich ab sofort Maria. Der Daniel von einst war Vergangenheit. »Meine Tante hat mich in dieser schweren Phase unglaublich unterstützt«, sagt Maria.

Zahlreiche Besuche bei Experten folgten, denn das Ziel schien nun klar zu sein: als Maria leben. Auch der männliche Körper musste nach und nach verweiblicht werden. In einer Münchner Frauenklinik begann Maria mit einer Hormonbehandlung. Der Haarwuchs auf dem Kopf wurde stärker, die Muskelstruktur veränderte sich, Marias Brust wuchs. Mittlerweile kleidete sie sich auch als Frau. Mit einer Laserbehandlung bekämpfte sie den Bartwuchs im Gesicht. Die Stimme wurde dank der Hormone heller. Eine spezielle Sprachtechnik unterstützt die Behandlung.

Mit ihren 30 Jahren ist Maria als geoutete Transsexuelle noch sehr jung. »Viele gehen erst mit 50 Jahren an die Öffentlichkeit, manche nie«, sagt sie.

Gutachten und der erste Freund

Zwei Gutachten fehlen Maria bis heute. Einige Termine gilt es zu absolvieren, Fragebögen wollen ausgefüllt werden und eine Computertomografie erwartet die Laufenerin auch noch. All das ist notwendig für die anstehenden Operationen, die Maria am Ende einen Frauenkörper bescheren sollen. Im besten Fall zahlt die Krankenkasse. Auch deshalb, weil Transsexualismus in die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten aufgenommen wurde.

Klappt mit den Gutachten alles, wird sie demnächst mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Wegen der Geschlechtsanpassung. Sechs Monate später muss Maria dann nochmals nachoperiert werden. Erst dann wird die junge Frau, die als Hilfskrankenschwester in einem Krankenhaus im Landkreis arbeitet, auch bereit dazu sein, einen Partner an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Denn einen Freund hatte sie bislang noch nie.

Weitere Informationen zum Transsexualismus beim Caritas-Zentrum Berchtesgadener Land unter Telefon 08651/71690.